Atlanta (dpa) - 12. Juli 2005
Georgia on my mind: Boomtown Atlanta und Bergwelt im Norden
Wer eine Reise nach Georgia plant, bekommt von
allen Seiten garantiert eins zu hören: «Georgia on my mind». Jedem
scheint zuerst einmal dieser Songtitel einzufallen, wenn das
Stichwort Georgia fällt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass
dieses Lied durchs Flugzeug säuselt, sobald die Räder das Rollfeld
des Flughafens von Georgias Hauptstadt Atlanta berühren.
Stuart Gorell und Hoagy Carmichael haben sich die Ballade 1930
ausgedacht; seit 1979 ist sie die offizielle Hymne des Staates
Georgia. Unzählige Musiker haben es in ihr Repertoire aufgenommen,
darunter Louis Armstrong, Ray Charles und James Brown. Das Lied
vereint Südstaatenromantik, Fernweh und Sommerliebe, und nicht nur
deswegen wirbt auch das Fremdenverkehrsamt von Georgia mit dieser
Zeile.
Die Ankunft in Atlanta steht in merkwürdigem Gegensatz zum
elegischen Grundton des Georgia-Songs. Der Hartsfield International
Airport von Atlanta ist mit 80 Millionen Passagieren im Jahr der
verkehrsreichste Flughafen der Welt. Mit ihren 430 000 Einwohnern,
das Einzugsgebiet umfasst 3 Millionen Menschen, ist Atlanta, wo zu
jeder Stunde der Verkehr rauscht, eine typisch amerikanische
Großstadt: Hochhäuser reihen sich zu einer bemerkenswerten Skyline
zusammen, und im Zentrum kann man schon einmal vergessen, in welcher
Stadt man sich nun gerade befindet. 1996 war Atlanta Austragungsort
der Olympischen Sommerspiele, was viele Bauvorhaben voranbrachte und
der Stadt einen gewaltigen Bekanntheitsgrad bescherte.
Während Florida im Beinamen «Sunshine State» heißt, nennt sich
Georgia «Peach State». Als Hauptexporteur von Pfirsichen ist Georgia
zwar längst von South Carolina abgelöst worden. Doch in Atlanta
wimmelt es von Plätzen, Straßen und Avenuen, die den Pfirsich im
Namen tragen. Dass Peach in diesem Fall seinen Ursprung in «Pitch
Tree» hat, einer Kiefernart, die hier einstmals in Massen wuchs,
interessiert nur am Rande. Denn in Anlehnung an «The Big Apple» für
New York sprechen manche in Atlanta von «The Big Peach».
Bekannter ist, dass zwei auf der ganzen Welt berühmte Unternehmen
ihren Sitz in der Südstaaten-Metropole haben: CNN und Coca Cola. Vor
25 Jahren gründete Ted Turner seinen Nachrichtensender CNN (Cable
News Network), der mit dem ersten Golfkrieg weit über die Vereinigten
Staaten hinaus bekannt wurde. Von den insgesamt 4000 Mitarbeitern des
Senders arbeiten 2000 in der Zentrale in Atlanta. In 45-minütigen
Studiotouren kann man nicht nur selbst ausprobieren, vom Teleprompter
abzulesen, sondern sich auch die Tricks der Wetterkarte vorführen
lassen.
Während sich bei CNN die tagtägliche Arbeit der Journalisten
beobachten lässt, feiert sich Coca Cola mit seinem Museum selbst.
«The World of Coca Cola» ist eine der Hauptattraktionen von Atlanta.
Vor dem futuristisch anmutenden Gebäude im Herzen der Stadt dreht
sich das Markenzeichen als Leuchtreklame. Bevor Besucher sich im
Museumsshop mit allerlei Memorabilien ausrüsten können, erfahren sie
alles über den Siegeszug der süßen Brause und können auch noch
allerlei andere Getränke aus dem Hause Coca Cola Probe trinken.
Das Museum liegt am Martin Luther King Drive. Der 1968 ermordete
Bürgerrechtler ist zweifellos einer der berühmtesten Söhne der Stadt.
1929 wurde er in der Auburn Avenue in Atlanta geboren. Sein
Geburtshaus ist heute noch zu besichtigen. Es liegt im
Schwarzenviertel «Sweet Auburn». Die Stadt wartet aber noch mit einem
anderen Friedensnobelpreisträger auf: Jimmy Carter, der 39. Präsident
der Vereinigten Staaten, der erste seit langem aus den Südstaaten,
wurde zwar in Plains, Georgia, geboren, aber in Atlanta erinnern eine
Bibliothek und ein Museum an seine Amtszeit.
Die berühmteste Frau der Stadt ist ohne Frage Margaret Mitchell.
Mit ihrem Liebesschmöker «Vom Winde verweht» hat sie das
Südstaatenbild von vielen geprägt. Das Haus, in dem sie ihren
Weltbestseller schrieb, kann man ebenso besuchen wie ihr Grab.
Doch auch fernab seiner Exportschlager lohnt Atlanta. Nicht nur
das quirlige Zentrum, vor allem die vielen ganz unterschiedlichen
Viertel drumherum nehmen für die Stadt ein. Nur einen Straßenzug von
der Innenstadt entfernt strecken sich schicke Wohngegenden, aber auch
charmant studentische Viertel aus.
Das ganz andere Georgia erlebt, wer sich ins Auto setzt und
Richtung Norden in die Berge fährt: Im Nacoochee Village etwa scheint
die Zeit schon lange stehen geblieben. In der Mühle Nora Mills wird
noch gemahlen wie zu Urgroßmutters Zeiten. Der Chatahoochee River,
der sich hier durch Bergdörfer schlängelt, treibt die Mühle an.
Gleich gegenüber kann man das Habersham Weingut besichtigen, das
beachtliche Weißweine offeriert.
Überall in der bergigen Gegend herrscht eine dörflich nette
Atmosphäre. Jeder kennt jeden, und Besucher sind herzlich willkommen.
Die Hektik von Atlanta ist hier so weit entfernt wie die
Naturschönheiten nah sind: Wasserfälle, Wälder und Wiesen. Dazu
verstreuen sich von Säulen umrahmte Häuser mit großen einladenden
Veranden an den Vorderseiten in der weiten Landschaft. Und überall
stehen Schaukelstühle bereit, die den Rhythmus des Südens vorgeben:
Gemütlich und langsam lebt es sich hier.
Das war wohl auch einmal in dem Örtchen Dahlonega so, bis eines
Tages im Jahr 1828 ein Jäger zufällig auf einen Stein stieß, an
dessen Unterseite Gold schimmerte. Da der Mann seinen Mund nicht
halten konnte, wurde die Gegend bald von Gold- und Glückssuchern
überrannt. Der größte Goldrausch östlich des Mississippi brach aus,
dem die grausame Vertreibung tausender der dort ansässigen
Cherokee-Indianer folgte. Auch heute noch dreht sich in Dahlonega
vieles ums Gold, zumindest das touristische Angebot.
So glänzt die Spitze des Kirchturms golden in der Sonne, und im
liebevoll eingerichteten Goldmuseum im Zentrum erläutern Schaukästen
und ein Film die Geschichte des Städtchens. Wer mehr über die
Goldgräber von einst erfahren möchte, kann sich auch in die Goldminen
führen lassen. «Dirty, dark and dangerous», schmutzig, dunkel und
gefährlich sei die Arbeit dort unten gewesen, erklärt der
Fremdenführer, und die Besucher sind froh, wenn sie wieder ins Helle
dürfen.
Dort können sich Touristen auch selbst im Goldschürfen versuchen.
Mit speziellen Pfannen schütteln sie verdrecktes Wasser. Die
Wahrscheinlichkeit, auf Gold zu stoßen, ist mehr als gering. Für
Kinder scheint das Ganze aber dennoch ein Spaß.
Spaß verstehen sollte auch, wer ins Bergdorf Helen kommt. Das Dorf
ist ganz auf Bayern getrimmt. Weizenbier und Sauerkraut findet man
auf den Karten ebenso wie Lüftlmalerei und Fachwerk an den Häusern.
Es gibt eine Edelweißstraße und jede Menge Schaulustige. Kurz: Man
muss das nicht gesehen haben.
Da empfiehlt sich eher ein Abstecher nach Madison. Nur eine
Autostunde von Atlanta entfernt liegt der Ort mit seinem gut
erhaltenen historischen Viertel mit herrlichen Antebellum-Häusern. Im
Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten (1861 bis 1865) wurde
Madison nicht zerstört. Unionsgeneral Sherman verschonte die Stadt
aufgrund der Fürsprache eines Senators. So wurde Madison zu «The Town
Sherman refused to burn».
Zum Glück, denken die Besucher, denn einige der Herrenhäuser sind
als Museum hergerichtet, in anderen kann auch übernachtet werden.
Dann kommt man in den Genuss, abends auf einer fürstlichen Terrasse
zu sitzen. Die amerikanische Flagge hängt träge über der Haustür, die
Besitzer servieren gekühlten Weißwein, der Schaukelstuhl knarzt
friedlich vor sich hin, während eine Katze über die Dielen schleicht.
Wieder einmal scheint die Zeit still zu stehen. Aus der Ferne ertönt
die bekannte Melodie. Und die Besucher haben jetzt wirklich nur noch
eins im Sinn: Georgia.
INFO-KASTEN: Georgia
REISEZIEL: Georgia ist der flächenmäßig größte US-Bundesstaat
östlich des Mississippi und grenzt im Norden an Tennessee und North
Carolina, im Nordosten an South Carolina, im Süden an Florida und im
Westen an Alabama.
ANREISE UND FORMALITÄTEN: US Airways und Lufthansa fliegen täglich
von Frankfurt/Main nach Atlanta. Delta Air Lines bietet Verbindungen
von Frankfurt, München und Stuttgart aus an. Deutsche benötigen kein
Visum, wenn sie nicht länger als 90 Tage bleiben. Ein nach der Reise
noch sechs Monate lang gültiger maschinenlesbarer Reisepass genügt.
KLIMA UND REISEZEIT: Frühling und Herbst mit Temperaturen um die
25 Grad eignen sich besonders für einen Urlaub. Im Winter ist es mild
bis 15 Grad und im Sommer sehr heiß bis teilweise weit über 30 Grad.
GELD: 1 US-Dollar entspricht etwa 0,84 Euro (Stand Juli 2005).
Kreditkarten werden so gut wie überall akzeptiert.
SPRACHE: Englisch.
UNTERKUNFT: Vom einfachen Bed & Breakfast-Haus bis zum Nobelhotel
ist alles vertreten. Zimmerpreise liegen zwischen 50 und 300 Dollar.
INFORMATIONEN: Georgia Tourist Board, c/o ITI-TravelMarketing
Romberg, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann (Tel.: 02104/83 28 67,
Fax: 02104/91 26 73, E-Mail: E-Mail: georgia@travelmarketing.de, Internet:
Link: www.GeorgiaOnMyMind.de).
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