Mainz (dpa) - 13. Oktober 2005
Dicke Gläser bringen es nicht - Fehler rund um den Wein
Das Risiko, beim Weingenuss etwas falsch zu
machen, ist groß. Nach Angaben von Experten gilt es eine Reihe von
Dingen zu beachten. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Gläser:
«Je dünnwandiger, desto besser», sagte Ernst Büscher, Sprecher des
Deutschen Weininstituts in Mainz, in einem dpa/gms-Gespräch. Denn ist
das Glas dünn, werden beim Trinken automatisch die Lippen gespitzt.
Dadurch läuft der Wein über die Zungenspitze, wo sein Aroma besonders
gut wahrgenommen wird. Bei einem dicken Glas lande der Wein dagegen
«gleich im Schlund.»
Bei der Aufnahme der mehr als 600 Aromen eines Weines ist auch der
Geruchssinn sehr wichtig. «Der Wein sollte sich deshalb entfalten
können», sagt Büscher. Dazu braucht und verträgt Rotwein mehr
Sauerstoff als Weißer. Dadurch kommen die unterschiedlichen
Glasformen für Weiß- und Rotwein zu Stande: Der größere Durchmesser
des Rotweinglases bietet dem Wein mehr Platz zum Atmen. Weingläser
verjüngen sich nach oben hin - nicht weil es schön aussieht, sondern
um die Aromen im Glas zu halten, wo man sie mit der Nase aufnimmt.
Von den berühmten «Römern» hält Büscher deshalb wenig: «Solche
Gläser sind nicht geeignet, um Aromen herausschmecken.» Einer
vernünftigen Verkostung nicht zuträglich sind auch Verzierungen oder
gefärbtes Glas: «Dann kann die Farbe des Weines nicht richtig
betrachtet werden.» Das gilt auch für Fingerabdrücke auf dem Kelch -
das Glas sollte daher immer nur am Stil angefasst werden. «Außerdem
wird der Wein schneller warm, wenn das Glas am Kelch angefasst wird.»
Ein häufiger Fehler betrifft das Wiederverschließen mit dem
Korken: «Oft wird die Seite des Korkens in die Flasche gedrückt, die
vorher außen gewesen ist.» Dadurch könnten Schmutz oder gar Pilze in
den Wein geraten, warnt Büscher.
Ein wichtiges Thema ist das Dekantieren: Das Umfüllen aus der
Flasche in eine Karaffe lohne sich nur bei höherwertigen Weinen,
erläutert Büscher. Als Orientierung kann hier eine Preisgrenze ab
7 oder 8 Euro pro Flasche gelten. Beim Dekantieren erhält der Wein
Luft, so dass er sich möglichst gut entfalten kann. Das sei vor allem
bei Rotweinen sinnvoll, die mindestens drei Jahre alt sind. Deshalb
sollte die Karaffe schräg gehalten werden, um dem Wein viel
Oberfläche zu geben.
Im Restaurant gemachte «Wein-Fehler» können rasch peinlich werden:
«Wenn Ihnen einen Wein zum Probieren eingeschenkt wird, dann kosten
Sie ihn auch - und tun nicht nur so», rät Büscher. Denn Kork ist
keine Seltenheit und eine Zumutung für die anderen Gäste.
Mancher macht es sich im Restaurant bei der Weinwahl leicht, indem
er sich an vermeintlich starre Regeln hält: zu Fisch nur Weißwein zum
Beispiel. «Von dieser Konvention nimmt man zunehmend Abstand», sagt
Büscher. Einen schweren Barrique würde er allerdings nicht zu Fisch
empfehlen. Aber ein Trollinger etwa mache sich durchaus gut zu Fisch
- vor allem, wenn dieser gegrillt ist.
Internet: Link: www.deutscheweine.de.
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