Mainz (dpa) - 09. November 2005
Dicke Gläser bringen es nicht - Fehler rund um den Wein
Das Risiko, beim Weingenuss etwas falsch zu machen, ist groß. Nach Angaben von Experten gilt es eine Reihe von Dingen zu beachten. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Gläser: «Je dünnwandiger, desto besser», sagte Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz, in einem dpa/gms-Gespräch. Denn ist das Glas dünn, werden beim Trinken automatisch die Lippen gespitzt. Dadurch läuft der Wein über die Zungenspitze, wo sein Aroma besonders gut wahrgenommen wird. Bei einem dicken Glas lande der Wein dagegen «gleich im Schlund.»
Bei der Aufnahme der mehr als 600 Aromen eines Weines ist auch der Geruchssinn sehr wichtig. «Der Wein sollte sich deshalb entfalten können», sagt Büscher. Dazu braucht und verträgt Rotwein mehr Sauerstoff als Weißer. Dadurch kommen die unterschiedlichen Glasformen für Weiß- und Rotwein zu Stande: Der größere Durchmesser des Rotweinglases bietet dem Wein mehr Platz zum Atmen. Weingläser verjüngen sich nach oben hin - nicht weil es schön aussieht, sondern um die Aromen im Glas zu halten, wo man sie mit der Nase aufnimmt.
Von den berühmten «Römern» hält Büscher deshalb wenig: «Solche Gläser sind nicht geeignet, um Aromen herausschmecken.» Einer vernünftigen Verkostung nicht zuträglich sind auch Verzierungen oder gefärbtes Glas: «Dann kann die Farbe des Weines nicht richtig betrachtet werden.» Das gilt auch für Fingerabdrücke auf dem Kelch - das Glas sollte daher immer nur am Stil angefasst werden. «Außerdem wird der Wein schneller warm, wenn das Glas am Kelch angefasst wird.»
Ein häufiger Fehler betrifft das Wiederverschließen mit dem Korken: «Oft wird die Seite des Korkens in die Flasche gedrückt, die vorher außen gewesen ist.» Dadurch könnten Schmutz oder gar Pilze in den Wein geraten, warnt Büscher.
Ein wichtiges Thema ist das Dekantieren: Das Umfüllen aus der Flasche in eine Karaffe lohne sich nur bei höherwertigen Weinen, erläutert Büscher. Als Orientierung kann hier eine Preisgrenze ab 7 oder 8 Euro pro Flasche gelten. Beim Dekantieren erhält der Wein Luft, so dass er sich möglichst gut entfalten kann. Das sei vor allem bei Rotweinen sinnvoll, die mindestens drei Jahre alt sind. Deshalb sollte die Karaffe schräg gehalten werden, um dem Wein viel Oberfläche zu geben.
Im Restaurant gemachte «Wein-Fehler» können rasch peinlich werden: «Wenn Ihnen einen Wein zum Probieren eingeschenkt wird, dann kosten Sie ihn auch - und tun nicht nur so», rät Büscher. Denn Kork ist keine Seltenheit und eine Zumutung für die anderen Gäste.
Mancher macht es sich im Restaurant bei der Weinwahl leicht, indem er sich an vermeintlich starre Regeln hält: zu Fisch nur Weißwein zum Beispiel. «Von dieser Konvention nimmt man zunehmend Abstand», sagt Büscher. Einen schweren Barrique würde er allerdings nicht zu Fisch empfehlen. Aber ein Trollinger etwa mache sich durchaus gut zu Fisch - vor allem, wenn dieser gegrillt ist.
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