Neustadt/Weinstraße (dpa) - 01. September 2006
Weinforschung: Reben, Terroir und Boden: 45 Fachleute studieren die Zukunft
Dass Ulrich Fischer am Thema Wein
nur schwer vorbei kommen würde, war von Anfang an klar: Sein Vater
wie auch sein Großvater arbeiteten als Verwalter in Weingütern,
Fischer wuchs an der Mosel auf. Da wundert es nicht, dass der 43-
Jährige heute einer ist, dessen Wort bei Winzern Gewicht hat. Fischer
ist Leiter der Abteilung Weinbau und Oenologie am
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt
an der Weinstraße. Mit seinem Team forscht er an Möglichkeiten, den
Pfälzer Wein im Wettbewerb mit anderen Anbauregionen weiter nach
vorne zu bringen.
Es sind verschiedene Aspekte rund um den Wein, mit denen sich
Professor Fischer und seine etwa 45 Mitarbeiter beschäftigen. Dazu
zählt die Terroir-Forschung, also die Frage, welchen Einfluss
Faktoren wie zum Beispiel Bodenbeschaffenheit und lokales Klima auf
einen Wein haben. Oder es geht um moderne Technologien bei der
Herstellung des Weines, um den Rebsaft noch gefragter bei den Kunden
zu machen. Zur Zeit seien Weinproduzenten in den USA, Australien und
auch Chile näher am Geschmack der Verbraucher dran als die deutschen,
meint Fischer.
Im globalen Wettbewerb sehen sich hiesige Winzer oft Konzernen als
Konkurrenten um die Gunst des Weintrinkers gegenüber. «Die Winzer
sind finanziell gar nicht in der Lage, derart in die Forschung zu
investieren wie das die großen Konzerne tun», erläutert Fischer. Also
können sie beim DLR Rat suchen, von dessen Forschungsergebnissen in
erster Linie die Winzer der Region profitieren sollen. «Die hören
sich das an, aber natürlich übernehmen sie nicht alles eins zu eins.»
Fischer hat sich als junger Mann praktisches wie theoretisches
Wissen erarbeitet - von einer Winzerlehre über das Studium bis hin
zur Promotion über die Beziehung zwischen Weinaromen und ihre
Sensorik. Dank eines Stipendiums war er zweieinhalb Jahre in den USA
an einer Hochschule in Kalifornien. «Dort habe ich das Handwerk eines
Wissenschaftlers gelernt», erzählt er.
Fischer lehrt zwar auch an der Technischen Universität in
Kaiserslautern, einen kompletten Wechsel an eine Hochschule kann er
sich aber nicht vorstellen. Der Kontakt mit der Praxis, also vor
allem mit den jetzigen und künftigen Winzern, würde ihm fehlen.
Reizen könnte ihn allenfalls eine Professorenstelle für
Lebensmittelsensorik. «So etwas gibt es bislang aber noch nicht in
Deutschland.» Und so kann es gut passieren, dass Fischer dem
staatlichen DLR, einer Einrichtung zur Ausbildung und Forschung im
Wein- und Gartenbau, bis zu seinem Karriereende erhalten bleibt. Auch
die Herausforderung, das Wissen auf einem eigenen Weingut in die Tat
umzusetzen, kann ihn nicht locken. «Ich hab schon so genug um die
Ohren.»
In seiner Freizeit findet man den Vater von zwei Töchtern öfter
mal in seinem Garten. Und sonstige Hobbys? «Wenn Du die Forschung
nicht zu deinem Hobby machst, wirst du es nicht weit bringen»,
antwortet Fischer und zitiert damit einen Kollegen. Das sehe er
ähnlich. Angst, dass die Geheimnisse des Weines eines Tages erforscht
sein könnten und Fischer und seinen Leuten die Arbeit ausgeht, hat er
nicht. «Als guter Wissenschaftler weiß man: Wenn eine Frage geklärt
ist, gibt es zehn neue.»
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