Pantelleria (dpa) - 10. Oktober 2006
Weinanbau auf der Insel des Windes - Donnafugata schafft süße Träume
«Zibibbo» heißt die Traube, aus der auf der
süditalienischen Insel Pantelleria die süßen Träume gemacht sind. Das
Wort stammt vom arabischen «Zabib», was so viel bedeutet wie «Rosine»
oder «getrocknete Traube». Und der süße Traum heißt «Passito» - ein
italienischer Dessertwein mit betörendem Duft und kräftigem
Alkoholgehalt von über 14 Prozent. Trotz schwieriger Bedingungen auf
der Insel zwischen Sizilien und Afrika empfindet Giacomo Rallo eine
«maßlose Passion» für das Eiland, auf dem alles vom ewig wehenden
Wind bestimmt wird. Er vertritt die vierte Generation der ältesten
Weinbauerfamilie Siziliens und hat 1983 zusammen mit seiner Frau
Gabriella ein neues Produktionsprojekt gegründet, das heute zwischen
Marsala und Pantelleria über 14 Millionen Euro im Jahr umsetzt:
Donnafugata.
Die Weingärten des Unternehmens auf Sizilien sind der historische
Ort, an dem der Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-
1957) einen Teil seines Romans «Il Gattopardo» spielen lässt. Der
Name der Familienfirma orientiert sich an der vor dem napoleonischen
Heer aus Neapel flüchtenden Königin Maria Caroline von Habsburg-
Lothringen - Donnafugata heißt übersetzt «flüchtende Frau». Nicht
umsonst ist das Symbol des Weinguts ein Frauenkopf mit langem
wehendem Haar. In 43 Ländern ist das Weingut mittlerweile vertreten,
darunter in Deutschland und der Schweiz.
Nach dem großen Erfolg der Rot- und Weißweine der Marke auf
Sizilien ließ sich das Ehepaar Rallo mit den nunmehr erwachsenen
Kindern Antonio und Josè 1989 auf ein neues Abenteuer ein: «Weinanbau
auf der Insel der Sonne und des Windes», hieß das Projekt.
Pantelleria ist nur 83 Quadratkilometer groß, ein kleines Fleckchen
Erde mitten im Ozean, «ein zu Ehren der Mutter Natur errichteter
Tempel», schwärmen die Rallos. Jahrhunderte alte Weinberge wurden neu
zum Blühen gebracht, insgesamt waltet Donnafugata heute über 42
Hektar produktive Rebfläche auf dem Eiland.
Und was Wein betrifft, steht Pantelleria für eben jenen Rebsaft,
aus dem die süßen Träume gemacht sind: Den «Passito di Pantelleria».
«Am besten schmeckt dieser Dessertwein zu reifen Käsesorten wie
Pecorino, zu Süßspeisen mit Ricotta und - man höre und staune - zu
Schokolade», erklärt Antonio Rallo. Sein Blick schweift durch die
Reben, an denen bis vor wenigen Wochen noch schwer die Zibibbo-
Trauben hingen. Dahinter leuchtet das azurblaue Meer, so weit das
Auge reicht. Die tunesische Küste liegt rund 70 Kilometer entfernt.
Der Wind ist so stark auf Pantelleria, dass die Reben teilweise mit
Steinen beschwert werden, damit sie nicht in die Höhe, sondern in die
Breite wachsen.
Die drei- bis vierwöchige Ernte beginnt immer Mitte August, im
September wird dann aus frischen, vollreifen Trauben Most gepresst,
dem während der Gärung in mehreren Durchgängen handverlesene
Trockenbeeren beigefügt werden. Erst gegen Ende November, wenn die
erwünschte Aromenkonzentration erreicht ist, wird der Gärprozess
durch Abkühlen unterbrochen. Donnafugatas Passito - wie auch der
andere Dessertwein Moscato - sind Natur-süße Weine, kein Zucker wird
hinzugefügt.
Bernsteingelb leuchtet der Passito im Glas, es duftet nach
Pfirsich- und Aprikosennoten, Honig und Trockenfeigen. Der
Göttertrank hört auf den klingenden Namen «Ben Ryé» - «Sohn des
Windes». Zusammen mit dem Moscato «Kabir» und dem ebenfalls mit
Zibibbo-Trauben produzierten Weißwein «Lighea» macht der Passito
heute schon 19 Prozent des Gesamtumsatzes von Donnafugata aus -
Tendenz steigend.
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