Montreux (dpa) - 06. Juni 2007
Gigs und Grooves am Genfer See: Zum Jazz Festival nach Montreux
Montreux als Musikmetropole - alle Jahre
wieder verwandelt sich die «Perle der Schweizer Riviera» in eine
große Bühne. Zwei Juliwochen lang spielen Musiker aus aller Welt
Jazz. Aber auch Rock, Blues, Soul, Pop, World, Funk, Reggae, Rhytm'n
Blues und elektronische Musik stehen auf dem bunten Programm des
Montreux Jazz Festivals. In diesem Jahr findet die 41. Ausgabe dieser
außergewöhnlichen Musikveranstaltung mit internationalem Ruf vom 6.
bis 21. Juli am Ufer des Genfer Sees statt.
Die Organisatoren rechnen wieder mit einem großen Besucheransturm,
im Jubiläumsjahr 2006 kamen immerhin mehr als 220 000 Zuschauer.
Begonnen hat alles 1967. Damals war Claude Nobs als Angestellter des
Tourismusbüros von Montreux auf der Suche nach einem für Touristen
zugkräftigen Nachfolger für das alljährliche Narzissenfest. Er wollte
mehr Leben in seinen Heimatort bringen, folgte dabei seiner
Leidenschaft für Jazz und hob das erste Festival aus der Taufe.
«Damit ging für mich wirklich ein Traum in Erfüllung. Wir hatten
weder ein Budget noch eine Ahnung von Konzertorganisation - unser
Enthusiasmus trieb uns an», erinnert sich Nobs. In den folgenden
Jahren konnte er bereits Ella Fitzgerald, Count Basie und Duke
Ellington engagieren.
Längst hat sich aus dem Wagnis des Jazzliebhabers Claude Nobs eine
professionelle Organisation entwickelt, die rund ein Dutzend
Angestellte und mehr als 1200 freiwillige Helfer hat. Manche Kritiker
bemängeln zwar, dass heute weit mehr als nur Jazz auf dem
Programmzettel steht. Der besondere Charme des Festivals liegt aber
wohl gerade in der Fülle und Parallelität von unterschiedlichen
Musikströmungen in kurzer Zeit und am gleichen Ort. Gespielt wird in
diesem Jahr im Stravinski Auditorium und in der Miles Davis Hall.
Um die Säle zu füllen, setzt Montreux auch 2007 auf Stars wie
Norah Jones und George Benson & Al Jarreau. Im Unterschied zu anderen
Festivals hat Nobs auch den Mut, rückwärts zu schauen und
Musiklegenden einzuladen, deren große Zeiten schon einige Jahre
zurückliegen. Konzerte von den Pet Shop Boys locken nämlich Besucher
an, die sich sonst auf kein Open-Air-Festival mehr wagen würden, weil
sie als «Oldies» auffielen und sich zudem die Ohren zuhalten müssten.
Zum Programm gehören außerdem Wettbewerbe und Workshops, die
jungen Musikern Gelegenheit geben, sich untereinander kennen zu
lernen und einem interessierten Publikum Kostproben ihres Könnens
vorzutragen. In den Clubs von Montreux haben die aufstrebenden
Talente zudem die Chance, auf große Namen zu treffen und mit ihnen
gemeinsam zu musizieren. Legendär sind zum Beispiel die Jam Sessions
im «Montreux Jazz Café», die bis 5.00 Uhr morgens begeisterte Zuhörer
finden.
Nobs, der das Festival noch immer mit ungebrochenem Enthusiasmus
leitet, kennt die meisten Musiker ganz persönlich. «Über die 40 Jahre
haben sich Freundschaften entwickelt. Diese führen dazu, dass manch
ein Superstar bereit ist, im intimen Rahmen zu bezahlbaren Gagen
aufzutreten.» Selbst Miles Davis, der als äußerst misstrauisch galt,
fasste Vertrauen zu ihm.
Die Gastfreundschaft macht an Nobs Haustür nicht halt. Er stellt
den Musikern sein Chalet als Rückzugsort und Treffpunkt zur
Verfügung. «Was zählt, ist die Gastfreundschaft», sagt Nobs, der für
seine Gäste auch selbst hinter dem Herd steht.
Das Festival ist zugleich ein großes Volksfest mit freiem
Eintritt. Auf der kilometerlangen Uferpromenade, die die Spielorte
verbindet, können Besucher auf eine kulinarische Weltreise gehen und
sich mit chinesischen, indischen oder Schweizer Spezialitäten
versorgen. Natürlich gibt es auch die obligatorischen Buden mit dem
Ethno- und Esoterik-Bedarf - und dort, wo sich im dichten
Menschengedränge ein freier Platz auftut, spielen Amateurbands oder
brasilianische Sambabands.
Sein Ziel, den Namen Montreux in die weite Welt hinauszutragen,
hat Nobs mit dem Jazz Festival längst erreicht. Das ganze Jahr über
strömen Touristen in den am östlichen Ende des Genfer Sees gelegenen
Kurort, dessen Schönheit schon Dichter wie Jean Jacques Rousseau,
Lord George Byron und Rainer Maria Rilke besungen haben. Mit dem
Wasserschloss Chillon, das stolz auf einer kleinen Felseninsel am
Seeufer thront, verfügt Montreux auch über das meistbesuchte
historische Bauwerk der Schweiz.
Landschaftliche Schönheit, Zeugnisse kühnen Rittertums und
gruselige Kerkerräume ergänzen sich hier zu einer erstrangigen
Sehenswürdigkeit. Montreux ist aber auch Ausgangspunkt für Fahrten
mit einem der alten Schaufelraddampfer auf dem Lac Leman, wie der See
auf Französisch heißt. Und beim Anblick der von Palmen gesäumten
Promenaden, der steilen Weinberge und der Alpenkulisse ist schnell
klar, warum die Region auch Schweizer Riviera genannt wird.
Informationen: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt
(Tel.: 00800/10 02 00 30 - gebührenfrei, Internet:
Link: www.MySwitzerland.com). Festivalprogramm und Kartenbestellungen im
Internet unter Link: www.montreuxjazz.com.
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