Essenheim (dpa) - 29. Oktober 2007
«Herbstblut» in Rheinhessen: Winzer veröffentlicht Wein-Krimi
Winzer, Historiker und nun auch noch
Krimiautor - Andreas Wagner aus dem rheinhessischen Essenheim wäre
mit nur einem Beruf offensichtlich nicht zufrieden. Zu 99,9 Prozent
sei er zwar Winzer, versichert der 33-Jährige. Dennoch verwirklichte
er nun seine Idee und schrieb einen Kriminalroman - «Herbstblut» -,
der natürlich im Winzermilieu spielt. «Eigentlich wollte ich schon
immer mal einen Krimi schreiben», sagt der dreifache Vater. Während
den Vorbereitungen zu einem Seminar - Wagner ist als promovierter
Historiker auch Lehrbeauftragter der Universität Mainz - habe er dann
ganz spontan mit seinem Roman begonnen. Eine Geschichte habe sich
entwickelt, von der er bis zum letzten Drittel nicht genau wusste,
wie sie am Ende ausgehen würde.
Das heimische Weingut nahe Mainz hat bereits eine mehr als 300-
jährige Tradition. Bevor Wagner jedoch in den Familienbetrieb
einstieg, habe er erst einmal eines gemusst: «weit von zu Hause weg.»
Wagner ging nach Leipzig und studierte Geschichte und
Politikwissenschaft. Während seiner Promotionszeit wusste Wagner
bereits, dass er aufs Weingut zurückkommen würde. «Wenn man mal lange
Zeit weg ist, dann merkt man, dass das, was man zu Hause hat, doch
einen sehr großen Wert hat.» Seit 2002 arbeitet er nun wieder mit an
den preisgekrönten Weinen - gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich.
Sein literarisches Erstlingswerk «Herbstblut» spielt auf einem
Weingut in Essenheim. Großstadtpolizist Paul Kendzierski wird in
Dortmund von seinem neuen Chef aus dem Amt vertrieben und kommt nach
Nieder-Olm bei Mainz, wo er eine Stelle als Bezirkspolizist in der
Verbandsgemeinde-Verwaltung annimmt. Gleich an seinem ersten Tag
fällt ein Gärunfall auf einem Essenheimer Weingut in seinen
Zuständigkeitsbereich. Doch Kendzierski ist sich sicher: Es war Mord.
Während seiner Ermittlungen trifft der Polizist auf allerlei
rheinhessische Eigenarten und der leidenschaftliche Biertrinker
entdeckt eine neue Welt - die Welt des Weins.
«Ich fand's sehr gut», sagt Rudolf Wagner, Vater des Buchautors.
Und dann plaudert er stolz aus dem Nähkästchen. Schon mit zehn Jahren
habe der Andreas eine unglaubliche tolle Art zu schreiben gehabt. Als
sein Sohn ihm nun verkündete, er habe ein Buch geschrieben, habe er
erst gedacht: Mal abwarten was das wird. Aber jetzt sei er sehr
zufrieden. Ein bisschen wie beim Erfolgsschriftsteller Johannes Mario
Simmel sei es. Dessen Roman «Es muss nicht immer Kaviar sein»
verknüpfe ebenfalls Essen mit der Handlung. Genau wie Sohn Andreas,
der verbinde seine Geschichte eben mit dem Wein.
Für Angelika Schulz-Parthu vom Leinpfad-Verlag waren es der Text
selbst und der Held der Geschichte, die sie überzeugten. «Es ist sehr
spannend. Man rätselt bis zum Schluss.» Dass in Rheinhessen jemand
einen Weinkrimi schreibt, noch dazu ein Winzer, das finde sie
«einfach genial». Auch der Verkauf des Buches laufe gut, versichert
Schulz-Parthu.
Autor Andreas Wagner erzählt, einen Krimi zu schreiben sei wie
Wein machen. Man gebe sich alle Mühe und stecke viel Arbeit in die
Herstellung. Aber: «Wenn's fertig ist, ist es fertig.» In das Buch
habe er seit der Veröffentlichung nicht mehr hineingesehen.
Mindestens ein Gedanke begleitet ihn jedoch weiter: «Das war bestimmt
nicht das letzte Buch. Dazu hat es zu viel Spaß gemacht.»
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