Langenlonsheim (dpa) - 17. Dezember 2007
Wie der Wein zum Rock 'n' Roll kam - Winzer auf Rolling-Riesling-Tour
Was haben ein guter Riesling und
Gitarrenrock gemeinsam? Ganz einfach: Beide gibt es in einer
«Unplugged»-Version. Eine Akustik-Version eines Songs zum Besten zu
geben, das haben schon Bob Dylan und viele andere Musiker gemacht.
Einen «Unplugged»-Riesling allerdings, den gibt es beim Winzer Martin
Tesch aus Langenlonsheim (Kreis Bad Kreuznach). «Unplugged bedeutet -
genau wie in der Musik -, dass hier keine künstlichen Verstärker drin
sind», erklärt der 39-jährige Winzer.
Zu einem außergewöhnlichen Namen gehört auch ein außergewöhnliches
Design: Pesch füllt seinen «Unplugged»-Naturriesling seit 2002 in
schwarze Flaschen ab - zu Beginn verlor er damit erst einmal 40
Prozent seiner Stammkundschaft. Die Skepsis war zu groß, denn «die
Weinszene ist einfach sehr konservativ». Der promovierte Biologe
legt die Stirn in Sorgenfalten, wenn er an die erfolglosen Anfänge
seiner Geschäftsideen denkt. «Ein englisches Rock 'n' Roll-
Wort auf einem deutschen Weinetikett, das war ein Skandal.»
Was jedoch selbst Pesch zu Beginn nicht zu hoffen gewagt hat:
Mittlerweile ist sein «Unplugged»-Wein ein internationaler
Exportschlager: «Den Unplugged-Riesling gibt es auf fünf Kontinenten
zu kaufen», erzählt er nicht ohne Stolz. «Das Wort war letztendlich
ein echter Glücksgriff», denn es sei aus der Musik allen verständlich
und nicht so abgehoben wie andere Weinbezeichnungen. Dabei wollte der
Winzer gar nicht die Weinszene revolutionieren, wie oft dargestellt.
Er wollte mit seinem neuen Namen lediglich dem deutschen
Bezeichnungsrecht entgehen, das etwa einem «trockenen Riesling» einen
bestimmten Zuckergehalt vorgibt.
Und genau so, wie Rockmusiker auf Tour gehen, so ist auch der
Winzer Tesch im November mit seinem «Unplugged»-Riesling auf eine
Rolling-Riesling-Tour quer durch Deutschland gegangen: Von München
über Stuttgart, Köln, Düsseldorf und Bremen bis nach Hamburg und
Berlin. Dort gab er in den schrägsten, skurrilsten oder schicksten
Clubs und Restaurants seinen «Unplugged» und sechs weitere Rieslinge
zum Besten. Partner der Tour war der Instrumentenhersteller Gibson.
Gibson engagierte Musiker, die nach und während der Weinprobe
spielten und dekorierte die Räumlichkeiten mit von der Decke
hängenden Rockgitarren, auf denen etwa die Toten Hosen oder B.B. King
schon gespielt hatten. Ein außergewöhnliches Konzert mit Weinprobe,
oder besser gesagt: eine außergewöhnliche Weinprobe mit Konzert. Eine
ganz normale Weinprobe wäre dem rockigen Riesling auch nicht wirklich
angemessen.
«Die Verbindung zu Gibson kam eigentlich auch eher zufällig
zustande», erinnert er sich. Die Firma Gibson gab im Backstage-
Bereich immer wieder Teschs «Unplugged»-Riesling aus, etwa
bei Rock am Ring in diesem Jahr. Man lernte sich besser kennen und
schließlich entschloss Gibson sich, in diesem Jahr nicht nur mit
Musikern, sondern auch einmal mit einem Winzer auf Tour zu gehen.
Dass Tesch selbst leidenschaftlicher Musik-Fan ist, versteht sich
von selbst. Und so schwärmt er von einer grandiosen Wein-Tour, von
begeisterten Gästen und tollen Musikern. «In Hamburg zum Beispiel
waren wir wirklich im abgerocktesten Club der Stadt.» Und auch in
Düsseldorf ging es wild her, so wild, dass am späten Abend sogar das
Ordnungsamt anrücken und um Ruhe bitten musste. «Das muss man mit
einer Weinprobe erst einmal hinbekommen», lacht Tesch.
So traditionell das 300 Jahre alte Weingut in Langenlonsheim auch
sein mag, dem Winzer Tesch geht es vor allem um eines: «Den Wein
zurück auf die Straße zu bringen.» Mehr als 1600 Gäste kamen, um das
musikalische Wein-Event mitzuerleben. Zielgruppe seien nicht nur die
etablierte Weinkenner, sondern vielmehr eher jüngere Leute, die
ebenfalls Wert auf einen guten Wein legen. Acht Euro kostet eine
Flasche «Unplugged»-Riesling.
Ob er im nächsten Jahr noch einmal auf Tournee geht, das weiß
Tesch noch nicht. Letztendlich ziehe er dem wilden Musiker-Leben doch
das als Winzer vor.
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