Wachenheim/Wiesbaden (dpa) - 27. Dezember 2007
Sekthersteller planen Preiserhöhungen - Trend zum alkoholfreien Sekt
Beim Sektkauf könnte manchem
Verbraucher die Feierlaune schon bald vergehen: Die Hersteller wollen
die Preise für das prickelnde Getränk erhöhen. Als Grund nennen sie
deutlich gestiegene Kosten etwa für den Grundwein, der Basis für die
Herstellung von Sekt ist. Kein Grund, die Silvester-Party abzusagen:
Die Preise werden erst im neuen Jahr klettern, mancher Hersteller
will sich sogar bis nach Karneval Zeit lassen. Die Unternehmen
könnten steigende Kosten «nicht grenzenlos wegstecken», sagt Ralf
Peter Müller, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Sektkellereien
in Wiesbaden.
Auch wenn das wichtigste Geschäft erst in den letzten Tagen des
Jahres gemacht wird, zeichnet sich für die Sektkellereien bereits
eine erfreuliche Entwicklung im laufenden Jahr ab. Müller geht davon
aus, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland höher liegt als im
vergangenen Jahr (3,8 Liter). «Sekt ist ein Konjunkturbarometer»,
sagt Müller. Das heißt: Läuft die Wirtschaft, läuft es auch bei den
Sektherstellern gut. Bis Oktober konnten die deutschen Kellereien den
Absatz in Deutschland um gut fünf Prozent steigern.
Im Trend liegt weiter Rosé-Sekt. Zuwachsraten gibt es auch bei
einer Alternative, die es möglich macht, beim Feiern einen klaren
Kopf zu bewahren: Alkoholfreier Sekt erfreut sich in Deutschland
offensichtlich wachsender Beliebtheit.
Die Sektkellerei Schloss Wachenheim («Faber», «Feist» u.a.) hat in
diesem Jahr nach ersten Schätzungen mehr als 4,8 Millionen Flaschen
ihrer alkoholfreien Sekt-Alternative in Deutschland verkauft. Das ist
bei weltweit 175 Millionen Flaschen Schaumwein, die das Unternehmen
jährlich absetzt, zwar eine eher kleine Menge. Aber: Die
Wachstumsrate ist mit rund acht Prozent doppelt so hoch wie im
alkoholischen Bereich. Sekt ohne Schwips - das ist laut Wachenheim-
Vorstandschef Nick Reh vor allem ein hiesiges Phänomen. «Das
Gesundheitsbewusstsein wird zunehmend größer in Deutschland»,
vermutet er als Ursache. Weitere Trends? «Rosé ist das große Thema»,
sagt Reh.
Das Unternehmen mit Sitz im pfälzischen Wachenheim sieht sich als
führender Hersteller von Sekt und Schaumwein mit einem Anteil von
zehn Prozent am weltweiten Absatz. Auf dem deutschen Markt sind die
Pfälzer hinter Rotkäppchen-Mumm und Henkell & Söhnlein aber nur die
Nummer drei. Schon seit Mitte der 90er Jahre expandiert das
Unternehmen stark in Ostmitteleuropa. Das Umsatzwachstum dort liege
weiter bei 20 Prozent, sagt Reh. Die Konsumausgaben in Ländern wie
Rumänien oder Polen stiegen stark. «Da gibt es fast kein Halten.» Das
bekommt auch die Sektkellerei positiv zu spüren.
Schloss Wachenheim wird nach eigenen Angaben seine Preise in den
nächsten Monaten in allen Regionen erhöhen, nicht nur in Deutschland.
Mehrkosten von 23 bis 33 Cent pro Flasche will das Unternehmen im
neuen Jahr an Großabnehmer und Konsumenten weitergeben. Allein die
Kosten für den Grundwein seien binnen Jahresfrist um 36 Prozent
gestiegen. Für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 hat das Unternehmen
bislang keine Prognose abgegeben - weil unklar sei, wie die
Verbraucher auf die Erhöhungen reagieren. Reh geht nicht davon aus,
dass der Handel die Preissteigerungen eins zu eins an die Kunden
weitergeben werde. Dafür sei der Wettbewerbsdruck zu hoch.
Mit seinen Preissteigerungen ist Schloss Wachenheim nicht allein.
Auch die Nummer zwei in Deutschland, Henkell & Söhnlein («Henkell»,
«Deinhard» u.a.), stellt Erhöhungen in Aussicht, will aber noch keine
Einzelheiten nennen. Wie die Pfälzer berichtet auch das Unternehmen
mit Sitz in Wiesbaden, das zur Oetker-Gruppe gehört, von einer
«ausgesprochen erfreulichen» Entwicklung beim alkoholfreien Sekt. Der
Marktführer in Deutschland, Rotkäppchen-Mumm, rechnet ebenfalls mit
Preisanhebungen der gesamten Branche. Wie hoch die Steigerungen seien
und welche Produkte sie beträfen, sei aber noch offen.
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