Hamburg (dpa) - 29. Januar 2008
Schoko-Aromen und ein Hauch von Vanille: Malt Whisky für Genießer
Whisky-Leidenschaft fängt bei der Nase an.
Denn vor dem Trinken wird geschnuppert: Mal lässt sich ein Hauch von Vanille erahnen, mal riecht es
nach Beerenfrüchten oder nach Banane, nach Holzfeuer oder Seeluft.
Die Bandbreite der Geruchseindrücke ist so groß wie das Angebot an
verschiedenen Abfüllungen - und das geht in die Hunderte.
Kaum jemand weiß das besser als Rachel Barrie. Die Nase der
38-jährigen Schottin ist ausgesprochen fein. Ob in einem Whisky
Aromen von Schokolade oder grünem Pfeffer enthalten sind, entdeckt
sie schon vor dem ersten Schluck. Diese Fähigkeit hat ihr den
begehrten Job als Whisky Blender bei Glenmorangie eingetragen - als
erster Frau in Schottland überhaupt.
Glenmorangie ist nicht irgendwer. Die Destillerie ganz hoch im
Norden von Schottland gehört zu den berühmtesten Produzenten von
Single Malt Whisky überhaupt. Der britische Whisky-Kenner Jim Murray
findet den Duft eines zehnjährigen Glenmorangie geradezu betörend:
Für ihn riecht er «nach einem Garten an einem Frühsommerabend». Und
das Geruchserlebnis ist nur ein Versprechen auf das, was kommt, wenn
erst die Geschmacksnerven auf der Zunge den Whisky wahrnehmen.
Ein Single Malt kommt immer aus einer ganz bestimmten Destillerie
- anders als der Blended Scotch, bei dem verschiedene Whiskys
verschnitten, also munter gemischt werden. «Ein Single Malt ist nicht
unbedingt besser, aber unbedingt interessanter», sagt Kersten
Wetenkamp, Experte für Hochprozentiges beim Fachmagazin
«Feinschmecker» in Hamburg. «Man weiß, wo er herkommt und kann zum
Beispiel herausfinden, welches Wasser die Destillerie benutzt oder ob
sie noch selber mälzt.»
Jürgen Deibel, Whisky-Consultant aus Hannover, kann das
bestätigen: Kein Malt sei wie der andere. Jede Destillerie
unterscheide sich im Detail - schon in der Form der Brennkessel. Auch
sie hat Einfluss auf den Geschmack - von der Dauer der Lagerung und
dem Material der dabei verwendeten Eichenfässer einmal ganz
abgesehen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Malt Whiskys seien
viel größer als zum Beispiel bei Cognac oder Grappa, sagt Kersten
Wetenkamp. «Deswegen ist Whisky auch viel spannender.»
Wie der Whisky schmeckt, hängt von vielen Faktoren ab - über
einige breiten die Destillerien den Mantel des Schweigens. Die
Herstellung des Alkohols ist prinzipiell immer gleich, Unterschiede
im Detail gibt es aber viele. «Schottischer Whisky wird zweifach
gebrannt, irischer Whiskey dreimal», erklärt Enrico Wilhelm, Bar-Chef
im Hotel «Atlantic» in Hamburg. Der irische sei deshalb etwas milder
und süßer.
Aber auch innerhalb Schottlands gibt es zwischen den Regionen
große Unterschiede bei den Malt Whiskys: «Für Einsteiger eignen sich
besonders solche aus den Lowlands im schottischen Süden», sagt
Wilhelm. Diese Whiskys seien leicht, mild und nicht getorft. Als
«leicht bis mittelkräftig» seien Whiskys aus der Speyside-Region
längs des Flüsschen Spey zu charakterisieren, wo sich eine
Destillerie an die andere reiht.
Eher für Fortgeschrittene sind Malts wie der mit 45,8 Prozent auch
ziemlich kräftige Talisker von der Isle of Skye oder Lagavulin von
der Whisky-Insel Islay, wo sich auf kleinem Raum gleich ein halbes
Dutzend viel gerühmter Destillerien drängen - von Ardbeg bis
Bruichladdich. Charakteristisch für sie ist ihr eigenwilliger,
ausgeprägt «torfiger» Geschmack - die Gerste für die Whisky-Maische
wird über Torffeuer getrocknet. «Gerade diese Islay-Whiskys haben
zunehmend ihre Liebhaber», sagt Wilhelm.
Zu denen gehört auch Kersten Wetenkamp: «Das sind schon Whiskys
mit großer Komplexität. So ein Bruichladdich hält sehr schön die
Balance zwischen Rauch- und Honigaroma.» Solche Noten
herauszuschmecken, sei im Prinzip nicht schwieriger als bei Rotwein
und vor allem eine Frage der Erfahrung. «Den Unterschied zwischen
amerikanischem Bourbon und einem Malt Whisky merkt man dann sehr
schnell.»
In der Bar des «Atlantic» haben Gäste die Wahl zwischen 80
Whiskys. Neben Single Malts gibt es amerikanischen Bourbon und
Blended Scotch. Letzterer werde allerdings vor allem für Cocktails
verwendet. Malt Whiskys trinkt man dagegen grundsätzlich pur - sonst
ließen sich die vielen Geschmacksnuancen kaum bemerken. Und für den
überzeugten Whisky-Connaisseur gibt es kaum eine grausamere
Vorstellung, als dass jemand einen Malt mit Cola mixen könnte.
Verschwendung wäre das auch, weil Malt Whiskys schnell etwas
teurer sein können. Seltene oder besonders alte Abfüllungen kosten
oft mehrere hundert, manchmal sogar mehrere tausend Euro pro Flasche.
«Beim Reifen im Fass nimmt der Whisky Aromen aus dem Holz an»,
erklärt Wetenkamp. Nach 25 Jahren Lagerung kann der Geschmack völlig
anders sein als nach 15. Der älteste, den Enrico Wilhelm im Sortiment
hat, ist ein 30 Jahre alter Glenfiddich: «Das ist schon was
Besonderes.»
INFO-KASTEN: Glas mit Stiel hat mehr Stil
Malt Whisky ist keine Allerweltsspirituose. Da lohnt sich die
Überlegung, in welchem Glas er serviert wird. Klassisch sind flache,
runde, dickwandige Gläser ohne Stiel, die sogenannten Whisky-Tumbler.
Allerdings ist deren Öffnung vergleichsweise groß - dadurch kann sich
das Aroma schnell verflüchtigen. Und das wäre bedauerlich. «Wir
servieren Malt Whisky deswegen immer im Nosing-Glas», erklärt Enrico
Wilhelm, Bar-Chef im Hamburger Hotel «Atlantic». Nosing-Gläser sind
bauchig, laufen nach oben hin zu und haben einen Stiel. Ihren Namen
haben sie von «Nose» für Nase: Die Tulpenform ermöglicht es besonders
gut, sich schnuppernd einen ersten Eindruck von dem guten Tropfen zu
verschaffen.
INFO-KASTEN: Auch Schotten trinken Malt Whisky mit Eis
«Mit Eis oder ohne?» ist eine Frage, an der sich die Geister
scheiden. Viele Malt-Whisky-Liebhaber verziehen angewidert das
Gesicht bei der Vorstellung, in ihr Glas einen Eiswürfel zu geben.
Denn wie bei Rotwein entfalteten sich die Aromen nicht bei zu kühlen
Temperaturen, lautet ihr Argument. Das hat aber noch nie alle
überzeugt. «Es gibt auch viele Schotten, die ihren Malt mit Eis
trinken», sagt Whisky-Experte Enrico Wilhelm. Letztlich sei das
Geschmackssache. «Allerdings wäre es schon schade, einen 20 Jahre
alten Single Malt auf diese Weise zu verwässern.»
INFO-KASTEN: Whisky ohne «e» kommt aus Schottland
Das kleine «e» macht beim Thema Whisky einen großen Unterschied:
Whisky aus Schottland schreibt sich grundsätzlich ohne «e», egal ob
«blended» oder Single Malt. Schon im benachbarten Irland ist das
anders: Dort gibt es Whiskey. Und auch in Nordamerika, wo
beispielsweise in den US-Bundesstaaten Kentucky und Tennessee
traditionell Whiskey destilliert wird, gehört das «e« mit dazu.
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