Roßdorf (dpa) - 03. März 2008
Von der Weinprinzessin zur Winzerin
Lisa Edling gehört zu den «Aushängeschildern»
ihrer Gemeinde. Dies lässt zumindest der Hinweis am Ortseingang von
Roßdorf bei Darmstadt vermuten: «Heimatort der deutschen
Weinprinzessin 2004» steht dort zu lesen. Der Stolz hat einen Grund,
denn die inzwischen 27 Jahre alte Frau hat in den vergangenen Jahren
nicht nur zwei Kinder bekommen, sondern mit frischem Wind und neuen
Rebsorten auch den Familienbetrieb zu Erfolgen geführt: 2007 wurde
das Weingut Werner Edling GbR zum vierten Mal in Folge mit dem
Bundesehrenpreis der Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft geehrt.
Dabei liegt Roßdorf nicht gerade in einer bekannten Weinanbauregion.
Der Familienbetrieb ist der einzige in Roßdorf und Umgebung.
Das 3,2 Hektar kleine Weingut auf dem ehemaligen Vulkan Roßberg,
dem nördlichsten Hügel im Anbaugebiet Hessische Bergstraße, wirft im
Moment 20 000 Liter Wein pro Jahr ab. «Bald werden es 28 000 Liter
sein», sagt Edling. Dafür war ein einzigartiger Deal zwischen den
Gemeinden Roßdorf und Ober-Ramstadt nötig, erklärt die
Kellermeisterin. «An unseren Weinberg anschließend haben wir ein
Grundstück gekauft, das allerdings in Groß-Umstadt und damit nicht in
einem Weinanbaugebiet lag. Die beiden Bürgermeister haben verhandelt
und Grundstücke getauscht. Jetzt liegt unser Jungfeld in Roßdorf.»
13 Rebsorten bauen Lisa und ihr Vater Werner Edling inzwischen an,
sieben weiße und sechs rote. «Unser Schwerpunkt ist Weißwein, aber
unsere Passion ist Rotwein, den wir auf 35 Prozent der Rebflächen
anbauen», schreibt die Winzerfamilie auf ihrer Internetseite. Das ist
auch auf die deutsche Weinprinzessin von 2004 zurückzuführen: «Seit
einigen Jahren bauen wir Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder
Cabernet Mitos und nun Merlot an, die in der Region selten sind»,
sagt sie. 2007 hat die Familie erstmals auf dem Roßberg Riesling
gepflanzt, zudem baut Lisa Edling seit der Geburt ihrer Tochter
Navina vor zwei Jahren auch am Heppenheimer Schlossberg auf 1400
Quadratmetern Riesling an. «Dieser Wein ist für unsere Tochter mit
Bezug zum Herkunftsort ihres Papas», sagt die Winzerin.
Lisa Edlings Vorliebe für Wein kommt nicht von ungefähr. Ihr
Urgroßvater Friedrich, der aus einer rheinhessischen Winzerfamilie
stammte, gründete das Gut 1947. Seitdem ging der Familienbetrieb an
die Söhne über, irgendwann wird mit Lisa Edling die ältere der beiden
Töchter des Hauses das Geschäft fortführen. «Meine Eltern haben mich
immer an den Weinen riechen lassen, so wie ich das heute bei meiner
Tochter mache», erinnert sich die Unternehmerin.
Derzeit arbeitet Lisa Edling noch gemeinsam mit ihrem Vater und
betont: «Es ist wichtig, alles zusammen als Familie zu entscheiden.»
Dennoch hat die junge Frau schon einiges verändert und nicht nur
deutlich modernere Etiketten und neue Rebsorten eingeführt, sondern
- anfangs gegen den Willen des Vaters - auch Reben ausgedünnt und so
eine Ertragsreduzierung durchgesetzt: «Ich wollte die Qualität des
Weines verbessern, und mein Vater war es gewohnt, jede Traube
auszulesen.» Bald habe der heute 52-Jährige aber gemerkt, dass
dadurch der Zuckergehalt steigt und die Frucht intensiver wird.
Wann Lisa Edling zum ersten Mal Wein getrunken hat, weiß sie nicht
mehr: «Aber mit 17 Jahren hatte ich schon sehr viele Weine probiert.»
So entschloss sie sich 1997 zu einer Winzerlehre. «Mein Vater wollte,
dass ich Abi mache. Aber als er hörte, dass ich Winzer werden will,
war er auch sehr angetan.» Zwei Lehrjahre verbrachte sie beim Weingut
Simon-Bürkle in Zwingenberg, eines beim Weingut Weegmüller in
Neustadt an der Weinstraße. Doch Lisa Edling wollte noch besser
wissen, wie man Trauben zu Spitzenweinen veredeln kann. Sie machte an
der Technikerschule für Agrarwirtschaft in Veitshöchheim bei Würzburg
eine Weiterbildung zur Technikerin für Weinbau und Kellerwirtschaft.
«Ich fand es schon immer spannend, die Produktion vom Weinberg bis
in die Flasche zu beobachten», sagt sie. Am spannendsten finde sie es
aber ab dem Zeitpunkt, an dem die Trauben in den Keller kommen:
«Danach kann man die Entwicklung vom Most mit wenig Eigengeschmack
bis zur Reife mit intensiven Aromen beobachten wie die Entwicklung
eines Kindes», schwärmt die zweifache Mutter. Ihre edlen Tropfen
werden Weinfreunde aber auch künftig nur direkt beim Weingut und bei
Geschäften und Gastronomen in der Umgebung genießen können. Für den
Vertrieb über Weinhändler sei das Gut einfach zu klein.
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