Düsseldorf (dpa) - 12. März 2008
Deutscher Wein weltweit gefragt - Winzer bauen verstärkt auf «Bio»
Deutscher Wein steht derzeit weltweit hoch im
Kurs. Der Umsatz legte 2007 beim Export im Vergleich zum Vorjahr um
13 Prozent auf 635 Millionen Euro zu, die verkaufte Menge stieg um
acht Prozent auf 3,1 Millionen Hektoliter, die Re-Exporte mitgezählt.
«Dem deutschen Wein geht es im Moment sehr gut, er liegt national wie
international im Trend», freut sich Monika Reule, Geschäftsführerin
des Deutschen Weininstituts, vor der am Sonntag beginnenden
internationalen Leitmesse ProWein in Düsseldorf.
Ein Viertel der exportierten Weinmenge ging nach Großbritannien.
Bei Feinschmeckern in den USA stand deutscher Riesling weiter hoch im
Kurs. 60 Prozent der Weltanbaufläche für Riesling liegen in
Deutschland.
Angesichts eines in Sachen Menge und Qualität sehr guten Jahrgangs
2007 sind die Winzer trotz deutlich gestiegener Kosten für Energie
und Glas auch für das Weinjahr 2008 durchweg optimistisch. Beim
Export hoffen sie, die Riesling-Erfolgsstory mit qualitativ deutlich
verbessertem Spätburgunder zu wiederholen.
Auf der ProWein, die mit 3109 Ausstellern ebenfalls ihren
Rekordkurs fortsetzt, zeichnet sich unterdessen ein anderes Top-Thema
ab: Bio-Wein. Nach zunächst vernichtenden Kritiken und jahrelangem
Nischendasein hat sich der Öko-Weinbau zum Qualitäts-Maßstab
gemausert. Erstmals widmet die Messe den Bio-Weinen eine Sonderschau.
Das Bio-Siegel der Bundesregierung, eigene Regale im Einzelhandel
und steigende Nachfrage durch wachsendes Bio-Bewusstsein der
Verbraucher - das sind nach Ansicht des einzigen Öko-Weinbau-
Professors der Welt, Randolf Kauer, die Ursachen dafür, dass den Öko-
Weinen eine steile Karriere vorausgesagt wird. Verblüffend: Ein
echtes Problem mit Belastung durch Pflanzenschutz-Rückstände gibt es
auch beim konventionellen Wein nicht. «Durch die Most-Klärung, Gärung
und Filtration ist das beim Wein ohnehin marginal», räumt Kauer ein.
Was die Branche dennoch besonders hellhörig macht: Mehrere
deutsche Spitzen-Winzer haben bereits die Konsequenzen gezogen und
ihre Güter auf ökologischen Weinbau umgestellt. «Nachdem im
Weinkeller alles ausgereizt ist, widmet man sich nun der Qualität der
Traube im Weinberg, verzichtet auf Herbizide und leichtlösliche
Mineraldünger», berichtet Kauer, der an der Fachhochschule Wiesbaden
lehrt.
«Früher hieß es, die Qualität würde durch "Bio" eher schlechter,
heute ist die Diskussion genau umgekehrt», so Kauer. «In den 80er
Jahren waren Pioniere am Werk, die ihr Augenmerk auf den Anbau gelegt
haben, aber im Weinkeller herrschte oft Laissez-Faire.» Daher kam die
erste Generation deutscher Bio-Weine nach Ansicht der Kritik oft
«altbacken, altmodisch und wenig filigran» daher.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Öko-Anbaufläche nun
aber verdoppelt. Mit unter drei Prozent Anteil an der gesamten Wein-
Anbaufläche liegen die deutschen Öko-Winzer dennoch hinter ihren
Kollegen in Italien und Österreich. Rund 30 000 Fachbesucher aus
aller Welt haben ab Sonntag in Düsseldorf Gelegenheit, ihre
Einstellung zum Bio-Wein zu überprüfen.
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