Mainz (dpa) - 25. März 2008
Kühles Lager gesucht: Weine lieben es frisch und dunkel
Im Wohnzimmerregal stehenlassen, in den Keller
bringen, oder braucht es wirklich einen speziellen Weinkühlschrank?
Wie ein Wein schmeckt, hängt vor allem bei den edleren Tropfen von
der richtigen Lagerung ab. Wichtig ist aber auch, dass beim Öffnen,
Dekantieren und Wiederverschließen nichts schiefläuft. Eine Vielzahl
von Accessoires hilft dabei.
«Für die lange Lagerung ist nach wie vor ein dunkler,
geruchsneutraler Keller mit einer Temperatur von etwa zwölf Grad
Celsius der ideale Ort», erklärt Ernst Büscher vom Deutschen
Weininstitut in Mainz. Wenige Grad mehr dürfen es durchaus sein -
Hauptsache, die Temperatur ist gleichbleibend. «Wer keinen Keller
hat, muss das kühlste Zimmer der Wohnung nutzen. Oft ist das der
Schlafraum.»
Die Flaschen müssen erschütterungsfrei ruhen. Ob sie stehen oder
liegen, wird durch den Verschluss bestimmt: «Nur für Weine mit
Korkverschluss ist Liegen ein Muss», sagt Büscher. Sonst trocknet der
Kork aus und schrumpft, so dass mehr Sauerstoff in die Flasche
gelangt und der Wein schneller altert. Flaschen mit einem Verschluss
aus Kunststoff oder Glas oder mit einem Schraubverschluss dürfen
stehen - durchaus im Karton auf dem Fußboden.
Für ein paar Wochen und erst recht für den Genuss am Abend können
Weinflaschen auch mal in der Wohnung lagern. «Wer den Platz dafür
hat, ist mit einem Kühlgerät mit fünf Temperaturzonen gut beraten»,
empfiehlt Christina Fischer, Sommelière aus Köln.
Das Aroma der edlen Tropfen wird maßgeblich von der Temperatur
bestimmt. «Entscheidend ist nicht die Temperatur, mit der der Wein
aus dem Keller oder dem Kühlschrank kommt, sondern die
Trinktemperatur», erklärt Fischer. «Sobald der Tropfen im Glas ist,
erwärmt er sich innerhalb weniger Minuten um zwei bis drei Grad.» Wer
die Temperatur in der Flasche mit einem speziellen Thermometer
bestimmt, muss das berücksichtigen.
Weniger Aufwand bedeutet es, sich an der Temperatur des Lagerortes
zu orientieren: Ein Weißwein, der mehrere Stunden im Kühlschrank bei
üblicherweise sieben Grad gelagert wurde, kann direkt serviert
werden. Das gilt auch für einen Rotwein, der in einem
durchschnittlichen Keller aufbewahrt wurde.
Unverzichtbar ist dann ein guter Korkenzieher. «Traditionelle
t-förmige Korkenzieher brauchen viel Kraft. Und sie funktionieren
nur, wenn sie im richtigen Winkel angesetzt werden», erläutert Eva
Barth-Gillhaus, Expertin für Küchenkultur aus Meerbusch bei
Düsseldorf.
Deutlich leichter zu handhaben sind Geräte, die mit Hilfe eines
Aufsatzringes auf den Flaschenhals gesetzt werden, so dass die
Spirale genau in der Mitte des Korkens angesetzt wird.
Unterschiedliche Hebelsysteme erleichtern dann das Herausziehen. «Die
Spirale darf nicht wie eine Schraube konstruiert sein, sonst verletzt
sie den Korken zu sehr und er bröckelt», warnt Fischer. «Stattdessen
sollte sie eine "Seele" besitzen: Durch die Mittelachse der Windungen
muss ein Streichholz passen.»
«Der geöffnete Weißwein oder Rosé muss gerade an warmen Tagen kühl
gehalten werden», sagt Barth-Gillhaus. Das geht gut in doppelwandigen
Kühlern aus Edelstahl oder Kunststoff, aber auch in einem zuvor
gewässerten Tongefäß. «Sehr praktisch sind mit Gel gefüllte
Kühlmanschetten», ergänzt Sommelière Fischer.
In der offenen Flasche verliert der Wein schnell an Aroma.
«Konische Verschlusszapfen aus Kork oder Edelstahl mit einem
Gummiring sind eine nette Geschenkidee», schlägt Barth-Gillhaus vor.
Wobei wahre Genießer eine angebrochene Flasche ohnehin nicht allzu
lange herumstehen lassen.
INFO-KASTEN: Dekantieren für vollen Weingenuss
Beim Dekantieren wird der Wein vorsichtig aus der Flasche in ein
Dekantiergefäß gefüllt. Dabei wird er von unerwünschtem Weinstein und
Bodensatz, dem Depot, getrennt. Gleichzeitig wird Sauerstoff
zugeführt, so dass sich das Bukett optimal entfalten kann. Je größer
die Oberfläche ist, umso mehr Sauerstoff wird zugeführt. Das ist zum
einen in Karaffen mit einem flachen, breiten Boden der Fall. Zum
anderen wird die Oberfläche vergrößert, wenn der Wein langsam an der
Glaswand hinab fließt.
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