Bern (dpa) - 31. März 2008
Aus dem alten Graben wird ein Park: Bern und seine Bären
Bären bewegen die Gemüter immer wieder: Eisbär
Knut hat 2007 für einen Boom im Berliner Zoo gesorgt, «Problembär
Bruno» 2006 für eine wilde Jagd durch die bayerischen Alpen. Wer in
diesem Jahr nun leichte Entzugserscheinungen bekommt, wird mit seiner
Bären-Begeisterung vielleicht im Nachbarland Schweiz fündig: Dessen
Hauptstadt Bern, die den Bären im Namen und Wappen trägt, rüstet sich
gerade für eine neue Ära im Umgang mit «Meister Petz». Denn der alte,
nicht mehr zeitgemäße Bärengraben an der Nydeggbrücke über den Fluss
Aare erlebt seine letzte volle Saison. Zugleich können Urlauber ganz
in der Nähe die Arbeiten am neuen, großzügigeren Bärenpark verfolgen.
Die Bärenhaltung mitten in der Stadt ist in Bern eine Jahrhunderte
alte Tradition. Die gegenwärtig dafür genutzte Anlage stammt in ihrer
Grundstruktur aus dem Jahr 1857 und war in der Vergangenheit Quartier
für bis zu zwölf Tiere gleichzeitig. Trotz einer Neugestaltung Mitte
der 90er Jahre war der Graben zuletzt oft schwer in der Kritik: Die
1981 geborenen Geschwister Tana und Pedro - zwei Braunbären aus den
Pyrenäen - in dem 3,5 Meter tiefen steinernen Oval leben zu lassen,
sei keine artgerechte Haltung, bemängelten Besucher immer wieder.
Nachts werden die Tiere außerdem in Käfige eingesperrt.
All das soll sich in dem rund 6000 Quadratmeter großen neuen Park
ändern: Dort werden die Bären viel mehr Auslauf bekommen, und sie
können rund um die Uhr draußen sein. Der 9,7 Millionen Franken (6,2
Millionen Euro) teure Park reicht künftig vom Bärengraben-Standort
bis zum Aare-Ufer. «Die Finanzierung steht, die Baumaßnahmen laufen
noch bis zum Jahresende, und die Eröffnung ist dann für den Sommer
2009 geplant», sagt Markus Lergier, Chef von Bern Tourismus, der
keinen Hehl daraus macht, dass er die neue Besucherattraktion schon
gerne im Fußball-EM-Jahr 2008 fertiggestellt gesehen hätte. «Aber wir
freuen uns auch auf 2009», lautet nun für ihn die Devise.
Besucher der drei EM-Spiele in Bern im Juni und auch alle anderen
Städtereisenden können wegen der Bauarbeiten nun zwar keine ganzen
Runden um den Bärengraben mehr drehen. Sie haben jedoch weiterhin
freie Sicht auf Tana und Pedro. Für drei Franken (etwa 1,92 Euro)
können sie im Wärterhäuschen außerdem Futterpakete kaufen und den
Tieren ins Gehege hinunterwerfen. Zur Diät gehören vor allem
Karotten, Weintrauben und anderes Obst. «Zu 80 Prozent ernähren sich
die Bären vegetarisch», erläutert der Stadtführer Domenico Bernabei.
Tana und Pedro sind einst im Alter von zwei Jahren nach Bern
gekommen und verbringen in den Sommermonaten in der Regel täglich die
Zeit von 8.30 bis 18.00 Uhr im Freien. Im neuen Bärenpark werden die
Alteingesessenen allerdings nicht mehr die Stars sein: Mit 27 Jahren
sind sie schon jetzt eher alt, und das Ziel der Parkbetreiber werde
es sein, ein neues Bärenpaar anzusiedeln, das für Nachwuchs sorgen
kann, erklärt Lergier. Die Tiere sollen sich in der Anlage - so weit
es geht - verhalten können wie Bären in freier Wildbahn. Sie werden
Höhlen bauen und selbst nach Futter suchen können. Für Schaulustige
stehen sie dann zwar nicht mehr so auf dem Präsentierteller wie im
Moment - aber genau das ist es ja, was viele heutige Besucher stört.
Informationen: Bern Tourismus, CH-3011 Bern (Tel. von Deutschland:
0041/31/328 12 12, E-Mail: E-Mail: info@berninfo.com).
|