München/Erfurt (dpa) - 09. Mai 2008
Ob Chutneys oder Dips: Soßen krönen jeden Grillgenuss
Bei einem gemütlichen Grillabend mit
Freunden kommt bei vielen mehr auf den Rost als Bratwurst: Da
brutzeln Steaks und Spießchen, Geflügel und Fisch. Für jeden
Geschmack soll etwas dabei sein. Bis das erste Grillgut fertig ist,
darf schon mal genascht werden: Gemüse wird gedippt und Brot mit
einer Soße, einem Chutney oder Relish gekostet. Zwar gibt es diese
cremigen und flüssigen Beigaben aus der Flasche oder Dose. Selbst
gemacht sind sie jedoch garantiert einzigartig.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Soßen, Dips, Chutneys und
Relishes ist die Konsistenz. «Eine Soße ist recht dünnflüssig und
kann auch warm verzehrt werden», sagt Tanja Dusy, Fachbuchautorin aus
München. «Dips und Cremes werden kalt serviert, haben eine festere
Konsistenz und enthalten oft Milchprodukte.» Chutneys und Relishes
wiederum zeichnen sich dadurch aus, dass sie erhitzt und so haltbar
gemacht werden. Chutneys werden zu einer marmeladenartigen Creme
verkocht. In Relishes bleiben Obst und Gemüse als bunte Stücke
erhalten.
Welche dieser Beigaben gereicht werden, richtet sich weniger nach
der Zubereitungsform als nach den Zutaten. Auch hier zählt Vielfalt:
Etwas Scharfes, etwas Mildes und etwas Fruchtiges sollte jedenfalls
dabei sein. «Feste Regeln wie beim Wein gibt es hier nicht. Mit Soßen
und Co. darf ruhig experimentiert werden», sagt Toni Nitschke,
Küchenchef im «Hotel Palace» in Berlin.
Eine gute Basis für die Beigabe Nummer eins ist eine klassische
Tomatensoße aus Tomaten, Olivenöl und Salz. Die kann frisch
zubereitet oder vorgekocht und in sterilen Gläsern oder im
Gefrierschrank in Portionen aufbewahrt werden. Je nach Anlass wird
dann variiert. «Durch Zugabe von geräuchertem Speck und angebratenen
Zwiebeln wird die Soße besonders würzig und ein toller Begleiter für
rustikale Rinder- und Schweinesteaks», empfiehlt Nitschke. Paprika
und Chili bringen feurige Schärfe ins Spiel. «Zum Fisch oder Lamm
wiederum passt beispielsweise eine Tomatensoße mit Mangowürfeln,
etwas Orangensaft und rosa Pfeffer.»
Beigabe Nummer zwei entsteht aus einem weißen Basis-Dip. «Je nach
Geschmack können Joghurt, Sauerrahm, Mayonnaise oder Frischkäse auch
in letzter Minute zusammengerührt werden», sagt Fachbuchautorin Dusy.
Die frische Creme wird dann mit saftig-grünen Kräutern verfeinert und
beispielsweise zur Folienkartoffel oder zum Gemüsespieß gereicht. Mit
Sesam und Minze wiederum harmoniert sie besonders gut mit
Hackfleischbällchen.
Der dritte im Bunde kann ein Chutney oder ein Relish sein. «Diese
Produkte sind in der asiatischen Küche beheimatet und zeichnen sich
oft durch einen süß-sauren Geschmack aus», erklärt Hans-Joachim
Fuchs, Grillweltmeister aus Erfurt. Exotische Früchte wie Mango,
Feigen, Datteln oder Kumquats stehen ganz oben auf der Zutatenliste.
Aber auch heimische Birnen, Äpfel oder Aprikosen sind gefragt. Essig
und der Saft von Zitrusfrüchten geben die Säure. Und Gewürze wie
Curry, Nelken und Ingwer unterstreichen die fernöstliche Note.
In der Zubereitung sind die Exoten etwas aufwendiger. «Chutneys
und Relishes entwickeln ihr Aroma erst mit der Lagerung. Sie müssen
mindestens am Tag vor dem Verzehr gekocht und nach dem Durchziehen
noch mal abgeschmeckt werden», sagt Küchenchef Nitschke.
All diese delikaten Kreationen kommen besonders gut mit ganz
einfachem Grillgut wie einem puren Steak zur Geltung. Bei kunstvoll
gefülltem Fisch oder auch beim sorgsam marinieren Fleisch besteht die
Gefahr, dass sich die Aromen gegenseitig Konkurrenz machen. «Sobald
das Grillgut in irgendeiner Form behandelt, also beispielsweise
mariniert ist, müssen die Aromen gut aufeinander abgestimmt sein, so
dass sie sich gegenseitig ergänzen», sagt Grillmeister Fuchs. Als
Beispiel nennt er «gefüllte Hähnchenbrust mit Ananasring und
Mango-Chutney».
Wie viel von den flüssigen oder cremigen Beigaben verzehrt wird,
ist nicht so einfach abzuschätzen. Gerade wenn die Auswahl groß ist,
probiert gerne jeder von allem. «Ich fülle als Faustregel einen guten
Löffel pro Person in kleine Schälchen», sagt Fuchs. Im Freien werden
die Leckereien mit einer Abdeckung vor Insekten geschützt. Solange
keine Milchprodukte enthalten sind, lassen sich Reste gut ein paar
Tage im Kühlschrank lagern.
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