Hamburg (dpa) - 13. Mai 2008
Mit Freunden Wein verkosten – mit Spass die Geschmackssinne schulen
Weingüter, lauschige Weinkeller oder
Weinhandlungen sind die typischen Schauplätze einer Weinprobe. Doch
auch in den eigenen vier Wände lässt sie sich gut organisieren:
Gemeinsam mit Freunden werden alte Kellerfavoriten auf den Prüfstand
gestellt oder künftige Lieblingstropfen entdeckt. Dabei darf
natürlich der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen.
Wer seinen Gästen eine professionelle Probe bieten möchte, kann
einen Winzer oder Weinhändler zu sich nach Hause einladen. «Für etwas
erfahrene Weinkoster ist das ein tolles Erlebnis», sagt Fabian Lange,
Weinjournalist aus Arnsheim (Rheinland-Pfalz). Der Fachmann wird
zusätzliches Wissen vermitteln, das Thema Wein damit im Vordergrund
stehen. Das ist jedoch möglicherweise gar nicht gewollt. «Anfänger
laufen Gefahr, so von der Expertise des Profis beeindruckt zu sein,
dass sie zu passiven Konsumenten seines Wissens werden und das
unvoreingenommene eigene Entdecken auf der Strecke bleibt.»
Ohne fachmännische Rundumbetreuung ist zwar etwas mehr
Vorbereitung notwendig, doch das ist eine gute und gleichzeitig den
Horizont erweiternde Einstimmung für den Gastgeber. Zudem wird der
Abend deutlich billiger. «Mit professioneller literarischer
Unterstützung ist es auch für den Laien kein Problem, die richtigen
Vorbereitungen zu treffen und die Weine auszuwählen», ermutigt Markus
del Monego, Weltmeister der Sommeliers und Master of Wine aus Essen.
Auch der Weinhändler wird mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Zunächst gilt es, den Rahmen der Veranstaltung festzulegen. «Ideal
sind Gruppengrößen von acht bis zwölf Personen. Bei einer größeren
Teilnehmerzahl wird die Gruppe leicht unübersichtlich», erklärt del
Monego. Wenn alle Gäste ähnliche Vorkenntnisse haben, ist die Gefahr
gering, dass einzelne den Ton angeben.
Der wichtigste Teil der Vorbereitung ist die Auswahl der Weine:
Nicht zu viele und nicht zu verschiedene sollten es sein. «Bei einer
zweistündigen Weinprobe servieren wir fünf bis sechs Weine. Bei einer
vierstündigen Veranstaltung mit Essen sind es acht bis neun»,
erläutert Andreas Wagner, Geschäftsführer des Familienweingutes
Wagner in Essenheim bei Mainz. Bei größeren Weinproben ermüden die
Geschmacksnerven und die Aufmerksamkeit lässt nach.
Deshalb ist es sinnvoll, die Weinprobe unter ein besonderes Thema
- etwa eine Rebsorte oder eine Region - zu stellen. Dabei sollten
auch Vorlieben der Gäste berücksichtigt werden. «Es gibt immer Leute,
die empfindlich sind gegen Gerbstoffe», warnt Wagner. «Auch Riesling
ist nicht jedermanns Sache: Er verursacht öfter mal Sodbrennen,
gerade bei älteren Leuten.»
Eine oder mehrere Einschränkungen erleichtern dem Gastgeber die
Weinauswahl und schärfen später das Gespür der Gäste. «Der Aha-Effekt
ist viel größer, wenn ich beispielsweise nur Weine einer Region
vergleiche und merke, wie signifikant die Unterschiede in einem
durchaus kleinen Gebiet sind», sagt Weinjournalist Lange.
Die Weine werden am besten zwei bis drei Tage vor der Probe
gekauft. Dabei darf sparsam kalkuliert werden: Eine Flasche ist
ausreichend für bis zu 15 Personen. Die edlen Tropfen werden in einem
kühlen, dunklen Raum gelagert und am Tag der Probe rechtzeitig auf
Serviertemperatur gebracht. Rotweine werden einige Stunden vor der
Verkostung geöffnet.
Eine Weinprobe kann in jedem gemütlichen Raum mit Tageslicht
stattfinden. Er sollte gut gelüftet sein, da Fremdgerüche wie Rauch
oder Parfüm den Genuss beeinträchtigen. Abends ist eine angenehme,
helle Lichtquelle erforderlich.
«Die idealen Verkostungsgläser sind schmucklose, dünnwandige,
ungeschliffene Universalweingläser mit einem sich nach oben
verjüngenden Kelch - zum Beispiel Chianti- oder Chardonnay-Gläser»,
sagt Weinjournalist Lange. Wenn jeder Gast zwei oder mehr Gläser
erhält, kann er synchron probieren und muss nicht allein auf der
Basis der Erinnerung vergleichen.
Generell sollten weiße und rote Weine nicht in buntem Wechsel
probiert, sondern zu Gruppen geordnet werden. Und es gibt noch
weitere Grundregeln: «Die leichten Weine kommen vor den kräftigen,
solche mit wenig Alkohol vor denen mit viel Alkohol, trockene vor
süßen», erläutert Winzer Wagner. «Wenn man das nicht berücksichtigt,
werden die Geschmacksnerven so beeindruckt, dass Feinheiten schwer
wahrnehmbar sind.»
Zwischen den Proben ist der Gaumen für Erfrischung dankbar.
«Zumindest neutrales Wasser sollte bereit stehen», empfiehlt Wagner.
Klassisch wird außerdem Weißbrot gereicht. Wenn die Probe nicht als
Weinmenü aufgebaut ist, wird erst im Anschluss ausgiebig getafelt.
«Das gemeinsame Essen kann natürlich auf das gewählte Thema
abgestimmt sein. Sonst ist meist Käse, der auch in den vorgestellten
Weinanbaugebieten erzeugt wird, ein guter Begleiter», erläutert
Sommelier del Monego. «Positiv überraschen kann man seine Gäste auch
mit regionalen Rezepten aus den Weinregionen.»
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