Gordes/Marseille (dpa) - 13. Mai 2008
Farben und Licht als Inspiration: Auf Fototour in der Provence
Dass der Süden Frankreichs mehr zu
bieten hat als Küchenkräuter und schaukelnde Segelboote in der Bucht
von St. Tropez, wissen Provence-Kenner seit langem. Nicht umsonst
waren Maler wie Cézanne, van Gogh, Picasso und Chagall überwältigt
von den vielfältigen Motiven am Rhône-Delta. Und immer öfter dienen
die Farbenspiele der provençalischen Natur auch ambitionierten
Hobbyfotografen als eine Quelle der Inspiration.
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)/)/)/ Ein wesentlicher Faktor für die Prägung von Landschaft und
Architektur ist der Mistral. Dieser starke Nordwind bläst vom
Rhônetal bis zur Côte d'Azur und sorgt dann für einen tiefblauen
Himmel und eine beeindruckende Fernsicht. Für eine perfekte
Bildkomposition kommt dieser Effekt den Hobbyfotografen gerade recht:
Viele Bäume zum Beispiel sind durch den Wind nach Süden gebogen.
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)/)/)/ Am Fuß des kleinen Ortes Gordes im Herzen des Luberon-Massivs
haben sich amerikanische Kunststudenten des Savannah College of Art
and Design an einem außergewöhnlichen Aussichtspunkt
zusammengefunden. Nach einigen Anleitungen des Dozenten wird ein
günstiger Standort gesucht und das Zeichenpapier hervorgeholt. Das
Licht ist am frühen Vormittag perfekt und die Sicht hervorragend. Im
Nu haben auch die Mitglieder einer deutschen Gruppe von
Hobbyfotografen eben diese Perspektive entdeckt und sich mit ihren
schweren Objektiven aus dem Reisebus gekämpft, um das beeindruckende
Panorama auf den Sensor oder den Film zu bannen.
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)/)/)/ Wolfgang aus Bad Vilbel (Hessen) ist bereits das zweite Mal
Teilnehmer einer solchen Fotoreise durch Frankreich, die jedes Jahr
in einer anderen Region stattfindet und von einer Frankfurter
Fotogalerie ausgerichtet wird. «Meine erste Kamera - eine Leica R4 -
habe ich zu meinem zwölften Geburtstag erhalten», erzählt er. Das
Fotografieren gelernt hat er dann mit einer M2. Seine Bilder können
sich sehen lassen, trotzdem hat der 36-Jährige keine
Profi-Ambitionen. «Die Bilder sind fürs Familienalbum», sagt er und
schmunzelt.
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)/)/)/ Während die Kunststudenten sich noch der Muse hingeben, ist der
Reisebus mit den Fotografen schon wieder auf Motivjagd, so lange das
Licht mitspielt. «Ein Fotomotiv wird erst durch die Lichteinwirkung
interessant, mittags hat es oft gar keinen Sinn», erklärt der
mitgereiste Profi-Fotograf Martin Trippen aus Wiesbaden. Der
Alpin-Spezialist hat schon so manchen Berggipfel erklettert und
nächtelang ausgeharrt, um zur «blauen Stunde» oder im Morgengrauen
Aufsehen erregende Bergpanoramen festzuhalten.
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)/)/)/ Nicht nur die Landschaftsformen, auch alte Ruinen, Amphitheater
oder kleine, in den Fels gehauene Dörfer machen die Provence für
Fotografen so interessant. Im Rhône-Delta der Camargue lassen sich
bei Pont du Gau Flamingos beim Wassersieben beobachten, und nicht
selten gelingt ein Schnappschuss auf einen schwimmenden Biber. Jedoch
sollte das Naturreservat nur mit ausreichendem Mückenschutz betreten
werden, sonst wird die kleine Expedition schnell zum Horrortrip.
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)/)/)/ Oberhalb von Les Baux de Provence, 15 Kilometer nordöstlich von
Arles, erhebt sich eine der größten Burgruinen Frankreichs. Der Ort
scheint aus der Ferne gesehen mit dem fast allein stehenden Berg zua
verschmelzen und bietet in den Nachmittagsstunden ein stimmungsvolles
Motiv. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die «Cathedrale
d'Images». Diese riesige Höhle entstand durch den Abbau von Bauxit.
An den 20 Meter hohen Wänden werden heute im jährlichen Wechsel
Multimedia-Präsentationen mit Werken berühmter Künstler gezeigt. Mehr
als 50 Projektoren und ein ausgeklügeltes Klang- und Lichtsystem
berauschen die Sinne wie zuletzt im «Cézanne-Jahr» 2006.
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)/)/)/ Für den Erfolg einer Fototour in der Provence spielen viele
Faktoren eine Rolle: Jahres- und Tageszeit, Wind und Temperatur sind
immer für eine Überraschung gut. Die Ockerfelsen von Roussillon zum
Beispiel werden nachmittags nur noch teilweise von der Sonne
beleuchtet, daher sollten Bilder hier besser am Vormittag gemacht
werden. Um sich vorab mit solchen Besonderheiten und generell den
Verhältnissen in den jeweiligen Regionen vertraut zu machen, finden
ambitionierte Hobbyfotografen im Internet viele Hinweise in Foren
anderer Fotografen, die bereits in dem Zielgebiet «geknipst» haben.
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)/)/)/ Auch am Rande kleiner Nebenstrecken durch die Departements Bouches
du Rhône, Vaucluse, Var und Alpes-de-Haute-Provence lassen sich viele
schöne Fotomotive entdecken. Die 4 übrig gebliebenen von den ehemals
22 Bögen der Brücke von Avignon zum Beispiel sind abends beleuchtet
und bilden ein schönes Spiegelbild auf den ruhigen Wassern der Rhône.
Nicht weniger interessant für Fotografen sind die römischen Stätten
in Arles oder das Treiben auf den Straßen von Aix-en-Provence.
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)/)/)/ Eine Fahrt auf der kurvenreichen Küstenstraße von La Ciotat nach
Cassis bei Marseille führt zur höchsten Klippe Frankreichs, dem 362
Meter hohen Cap Canaille. Dort bietet sich ein zauberhafter Ausblick
auf das Mittelmeer. Spätestens in Marseille ist es dann aber Zeit,
die Kamera einmal aus der Hand zu legen und die Provence auf ganz
andere Art zu genießen - mit einem Glas Wein und einer Bouillabaisse.
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