Berlin (dpa) - 13. Mai 2008
Crème brûlée oder Crumble: Nachspeisen sind einfach herzustellen
Das Tiramisu auf der Party am
Wochenende war hervorragend, und auch die Crème brûlée bei der Tante
schmeckt jedes Mal wieder herrlich locker. Was für Nachspeisen aber
kann man als unerfahrener Laie in der Küche zaubern, ohne sich vor
den Künsten der Anderen verstecken zu müssen? «Man will ja
Erfolgserlebnisse haben», sagt die Hauswirtschaftsmeisterin Monika
Wittkowski aus Berlin. «Deswegen sollte man sich einfache Nachtische
vornehmen, die mindestens genauso gut ankommen.»
Die Kochbuchautorin Gabriele Gugetzer aus Hamburg ergänzt: «Man
sollte sich an alle Rezepte wagen, auf die man beim Lesen Appetit
bekommt.» Denn Nachtische zubereiten mache Freude. «Ab und zu mal den
Finger in die zerlassene Schokolade stecken, die Sahne vom Quirl
schlecken, den Teig probieren - das macht Spaß», findet sie.
«Kompliziertere Sachen dürfen Anfänger getrost den Patissiers und
gelernten Konditoren überlassen.»
Eine beliebte - und einfache - Nachspeise ist beispielsweise der
Obstsalat. «Dafür werden Äpfel, Bananen, Orangen, Weintrauben und
anderes Obst der Saison nach Belieben kleingeschnitten und bei Bedarf
mit Pistazien, Walnüssen, einem Klecks Sahne oder etwas Honig
verfeinert», erklärt Monika Wittkowski, die auch Vorsitzende des
Berliner Hausfrauenbundes ist. «Allerdings sollte man diesen Salat
immer frisch herstellen und sofort servieren.»
Auch was schon in Kindertagen beliebt war, kommt bei Erwachsenen
meist gut an: der Wackelpudding. «Das ist sehr effektvoll, weil man
ganz einfach verschiedene Farben miteinander kombinieren und zum
Schichtpudding verarbeiten kann», findet Wittkowski. Dafür müsse das
Fertigpulver nur - wie auf der Packung beschrieben - mit etwas Wasser
angerührt und in eine Schüssel gefüllt werden.
«Bei mehreren Farbschichten muss eine Lage jedoch erst fest sein,
bevor man die nächste darauf gießen kann», erklärt die Expertin. Da
Wackelpudding rund eine Woche hält, biete es sich in diesem Fall
sogar an, die Nachspeise in Ruhe über mehrere Tage hinweg
zuzubereiten.
Der Konditor Bernd Siefert aus Michelstadt (Hessen) kennt
ebenfalls zahlreiche Kniffe in Sachen Nachspeisen, stand er doch
schon mit sechs Jahren in der Backstube seines Vaters. Daher kennt er
zum Beispiel auch das unkomplizierte Rezept für mit Quark überbackene
Früchte: «Man füllt die Früchte - egal welche - in eine feuerfeste
Form aus Glas oder Porzellan und streicht eine Masse aus Quark,
schaumig geschlagenen Eiern, Zucker und etwas Zitrone darüber»,
erklärt der 40-Jährige. Das müsse dann nur noch im schon heißen Ofen
bei etwa 180 Grad kurz gebacken werden, bis die Oberfläche etwas
Farbe bekommen hat. «Sofort serviert schmeckt das wirklich toll.»
Eine Variante dieser Nachspeise sei der in Großbritannien sehr
beliebte Crumble. «Dabei bröselt man Streusel aus Mürbeteig, den man
auch aus Fertigpulver herstellen kann, über die Früchte», sagt
Siefert. «Wenn das gebacken und aus dem Ofen genommen ist, kann es
mit Puderzucker und Eis serviert werden - und alle sind glücklich.»
Autorin Gugetzer, die auch für mehrere Kochmagazine schreibt,
macht außerdem Mut zu Rezepten mit eigentlich aufwendigem
Blätterteig. «Man kann ruhig man schummeln», sagt sie.
«Tiefkühl-Blätterteig ist ganz prima und hält sich ewig.» Es müsse
eben nicht immer alles frisch selbst hergestellt werden.
«Tiefkühl-Blätterteig braucht nur viel Hitze beim Backen, backt aber
dafür schnell.»
Ohne Backofen kommt Wittkowskis «Vanilletraum» aus. «Für diese
Eigenkreation schlage ich zuerst Sahne mit etwas Vanillezucker und
hebe saure Sahne darunter», erklärt sie. Dann wird diese Masse in
eine Glasschale gefüllt und mit einer Lage von Lieblingsfrüchten
bedeckt. «Die Mischung aus süß und sauer schmeckt unheimlich toll.»
Da auch bei Nachspeisen das Auge mitisst, haben die Experten für
alle Kochanfänger noch allgemeine Tipps: «Die Präsentation der Speise
ist wichtig», erklärt Hauswirtschaftsmeisterin Wittkowski. So sollte
man beispielsweise anstelle des zusammengewürfelten
Teller-Sammelsuriums das gute Geschirr und Besteck nehmen. «Außerdem
kann man Süßspeisen mit ein paar Kniffen auch noch etwas aufpeppen»,
sagt die 57-Jährige. «Wenn man bunte Schokostreusel, Pistazienkerne,
Schokoladenherzen oder Marzipansterne über den Nachtisch streut,
macht er gleich noch viel mehr her.»
Auch Gabriele Gugetzer weist auf die Optik hin: «Nachtische auf
großen Tellern anrichten ist ein prima Trick», findet sie. Dadurch
sehe selbst eine einfache Speise gleich viel opulenter aus.
«Dekoriert wird mit Puderzucker, der durch ein feines Sieb darüber
gesiebt wird.» Oder mit leckerer Schokolade, die fein gehackt oder
vielleicht mit einem scharfen Messer geschabt wird. «Dann tun es
sogar die erwärmten Tiefkühl-Früchte.»
Zum Abschluss hat Gugetzer allerdings noch einen anderen wichtigen
Tipp: «Wenn etwas daneben geht, lächeln Sie», sagt sie. «Dass es
Soufflés gibt, die absolut und immer gelingen, nur Ihnen nicht - das
ist eine Mär.»
Literatur: Gabriele Gugetzer: Vorspeisen & Nachspeisen. Klein,
fein, vielfältig: Edle Appetizer und Desserts von kalt bis warm,
Gräfe & Unzer, ISBN-13: 978-3-833-80828-9, 9,90 Euro.
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