Mannheim (dpa) - 30. Mai 2008
Zwischen Burgen und Weinbergen - Radfahren im Neckartal
Schroffe Sandsteinfelsen sind zwischen den
Bäumen zu sehen, im Tal fließt der Neckar in großen Schleifen. Und
überragt wird die Landschaft von Burgen und Schlössern: Auf dem
Neckartal-Radweg zwischen Mannheim und Heilbronn sind an warmen Tagen
zahlreiche Radler unterwegs quer durch das nördliche
Baden-Württemberg. Der beliebte Radfernwanderweg ist eingebettet in
Wiesen, Wälder und Weinberge. Es gibt Kleinstädte mit Fachwerkbauten
zu sehen und das romantische Heidelberg - aber auch ein stillgelegtes
Atomkraftwerk.
Die Tour beginnt in Mannheim, im Dreiländereck von
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. In der zweitgrößten
Stadt im Südwesten mündet der Neckar in den Rhein. Mit dem Zug ist
die 325 000-Einwohner-Stadt gut zu erreichen. In der an den Bahnhof
angrenzenden Innenstadt sind keine Straßennamen zu finden, sondern
Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen wie «O7,29». Nur «Alphabet
City» in Manhattan ist nach einem ähnlichen System aufgebaut.
Abstecher lohnen sich zum Mannheimer Barockschloss, in dem die
Universität ihren Sitz hat, und zum Friedrichsplatz mit dem
Wasserturm. Er gilt als eine der größten Jugendstilanlagen Europas.
Nördlich der Mannheimer Innenstadt fließt der Neckar, der die
Radfahrer bis Heilbronn rund 130 Kilometer begleiten wird. Auch die
Burgenstraße verläuft auf diesem Abschnitt parallel zum Neckar. Eine
asphaltierte und markierte Straße führt bis ins benachbarte
Heidelberg, zunächst direkt am Fluss entlang, später durch offenes
Feld, mit Blick auf Odenwald und Königstuhl, den Heidelberger
Hausberg. Vor Heidelberg teilt sich die Strecke für kurze Zeit:
Entweder geht es über eine Brücke direkt nach Ladenburg oder - auf
der rechten Seite des Flusses - bis Edingen-Neckarhausen. Dort kann
mit einer Fähre nach Ladenburg übergesetzt werden.
Beim Radeln durch Ladenburg geht es in die mittelalterliche
Innenstadt, vorbei am hübschen Marktplatz mit seinem Brunnen und
Fachwerkhäusern. Kurze Zeit später ist Heidelberg erreicht. Das
kurfürstliche Schloss, die Alte Brücke, die barocke Altstadt - die
Sehenswürdigkeiten locken jedes Jahr Millionen Touristen an den
Neckar.
Nach wenigen Kilometern entlang einer Bundesstraße geht der Weg
idyllisch weiter, über Neckargemünd und die Vierburgenstadt
Neckarsteinach. Schattige Feldwege führen direkt am Neckar entlang
nach Hirschhorn in Südhessen mit seiner Burg, kurz darauf folgt
Eberbach mit seinen stattlichen Fachwerkhäusern, dem Alten Rathaus
und zahlreichen Cafés und Restaurants. Auch Mauerreste und Türme der
mittelalterlichen Stadtbefestigung sind noch vorhanden.
Die Burg Zwingenberg, einer der besterhaltenen Adelssitze des
Neckartals, steht auf steilen Felsen am linken Neckar-Ufer. Hinter
der Burg liegt die romantische Wolfsschlucht - sie soll den
Komponisten Carl Maria von Weber zu seiner Oper «Der Freischütz»
inspiriert haben. Doch um nach Zwingenberg zu kommen, muss man die
Fähre nehmen. Bei Hochwasser fährt das Schiff nicht und macht einen
Umweg über die Berge nötig - oder über die Bundesstraße am anderen
Ufer. Für die zweite Variante muss man sich aber schon in Eberbach
entscheiden.
Bei Neckargerach geht es wieder über den Neckar - diesmal
problemlos über eine Brücke - und auf einem asphaltierten Radweg
entlang grüner Wiesen dann nach Obrigheim. Dort stört ein inzwischen
stillgelegter Atommeiler das Naturidyll. Das seit 1968 arbeitende
Atomkraftwerk wurde im Mai 2005 abgeschaltet. Der Meiler wird nun in
mehreren Schritten vollständig abgebaut.
Nach Gundelsheim wird Bad Wimpfen erreicht. Mit ihrer
beeindruckenden Silhouette am Berg ist die Stadt an der Mündung der
Jagst in den Neckar schon von weitem zu sehen. Hier lohnt ein Stopp
für einen Bummel durch die Altstadt mit ihren engen Straßen,
winkligen Gassen und Fachwerkhäusern. Weiter südlich, in Neckarsulm,
wird es dann industriell.
Letzte Station der Tour ist Heilbronn, bekannt für den Wein und
als «Käthchenstadt» - nach dem Schauspiel «Das Käthchen von
Heilbronn» des Dramatikers Heinrich von Kleist. In Heilbronn teilen
sich Radweg und Burgenstraße. Jetzt kann man wählen: Der insgesamt
rund 375 Kilometer lange Neckartal-Radweg geht weiter zum
Neckarursprung bei Villingen-Schwenningen, am Rande der Schwäbischen
Alb. Und die Deutsche Burgenstraße führt weiter bis nach Nürnberg.
INFO-KASTEN: Radeln im Neckartal
DIE STRECKE: Der Neckartal-Radweg ist gut befestigt, größere
Steigungen gibt es nicht. Er besteht größtenteils aus ruhigen Wegen -
vor allem asphaltiert, teils auch Schotter- oder Waldwege. Es sind
aber auch einige kurze verkehrsreiche Abschnitte dabei. Meist
verläuft die Radroute in Flussnähe. Der Radfernweg ist gut markiert.
Es gibt zahlreiche Unterkünfte an der Strecke.
ANREISE: Im Neckartal verläuft eine Bahnstrecke mit vielen
Bahnhöfen. Damit hat man häufig die Möglichkeit, mit dem Fahrrad in
einen Zug zu steigen.
INFORMATIONEN: Tourist-Information Mannheim, Willy-Brandt-Platz 3,
68161 Mannheim (Tel.: 0621/10 10 11); Tourist-Information Heilbronn,
Kaiserstraße 17, 74072 Heilbronn (Tel.: 07131/56 22 70).
INTERNET: Link: www.neckarradweg.de.
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