Melk/Admont (dpa) - 02. Juni 2008
Eine Kulturreise der besonderen Art: Österreich und seine Klöster
Unübersehbar erhebt sich am rechten
Donauufer das Benediktinerstift Melk, die größte Klosteranlage des
österreichischen Barocks. Jährlich pilgern Zehntausende Besucher zu
diesem Wahrzeichen der Wachau, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.
Sie besuchen das Museum und die Stiftskirche Peter und Paul, die mit
ihrer reichen Innenausstattung und dem vergoldeten Hochaltar meist
ehrfürchtiges Erstaunen auslöst. Melk ist allerdings nur eines von
zahlreichen Klöstern in Österreich, die einen Besuch wert sind.
Die Kulturepoche Barock dauerte etwa von 1600 bis 1750 und gilt in
Österreich als das «Goldene Zeitalter der Kunstgeschichte», erläutert
der Historiker Alois Moser bei einer Führung durch das Stift Melk.
Viele Klöster und Kirchen stammen zwar aus dem Mittelalter, wurden
aber «barockisiert». «Sie erinnern an die einstige Prachtentfaltung
des mit dem Kaisertum eng verbundenen Klerus», erklärt Moser.
Dank der kurzen Entfernungen und des gut ausgebauten Straßennetzes
lässt sich eine Rundtour zu etwa einem Dutzend Klöster bequem für die
Dauer von zwei Wochen planen. Manche bieten auch Gästen Platz für
einen Aufenthalt. Steht weniger Zeit zur Verfügung, sollte man sich
auf einige Höhepunkte konzentrieren. Moser zählt dazu neben Melk noch
St. Florian und Kremsmünster - beide nahe Linz - sowie Göttweig in
der Wachau. «Letztes sollte ursprünglich alle anderen Klöster in der
Größe übertreffen, doch es fehlte bei der Ausführung dann das Geld.»
Der Benediktinerpater Lucas bedauert, dass in Göttweig - anders
als in Melk - die Bibliothek mit ihrem reichen Bestand für Besucher
nicht zugänglich ist. Dafür zeigt die Schatzkammer prachtvolle
liturgische Geräte und Gewänder. Ausgestellt sind auch Besonderheiten
aus der mit etwa 30 000 Blättern zweitgrößten grafischen Sammlung
Österreichs. Besucher können außerdem beim Chorgebet dabei sein oder
von der Gästeterrasse aus den Panoramablick über die Wachau genießen.
Zu den ganz großen Klöstern gehört auch das Benediktinerstift
Kremsmünster. «Der Südflügel mit Refektorium und Kaisersaal ist 290
Meter lang», erklärt dort Pater Antonius. «In der Bibliothek liegen
Evangelienhandschriften aus der Zeit um das Jahr 800.» Aus dem frühen
Mittelalter stammt auch der bekannte, reich verzierte Tassilo-Kelch.
In fünf historischen Wasserbecken züchten die gut fünf Dutzend Mönche
auch heute noch Fische und verkaufen, was sie nicht selbst verzehren.
In der Nähe von Kremsmünster finden Urlauber das Stift Sankt
Florian, das im Mittelalter angeblich über dem Grab des Heiligen
errichtet wurde. Wie alle anderen war auch dieses Kloster über
Jahrhunderte ein Zentrum für Kultur und Bildung. Ein großer Komponist
fand hier im Jahr 1896 seine letzte Ruhestätte: Anton Bruckner.
Weiter südlich in der Steiermark liegt das Stift Admont mit der
größten Klosterbibliothek der Welt. «Sie ist 70 Meter lang, 14 Meter
breit und 13 Meter hoch», sagt der angehende Kunsthistoriker Gerald
Schrammer aus Wien, der hier für sein Diplom recherchiert. «Das
Skriptorium zählte im Mittelalter zu den produktivsten. Etwa 1400
einzigartige Handschriften blieben erhalten.» Im naturhistorischen
Museum bewahren die Mönche zudem gut 250 000 Insekten-Exemplare auf.
Auch im Norden der Alpenrepublik wurden früh Klöster errichtet,
zum Beispiel das Stift Zwettl im Waldviertel. Mönche leben und beten
hier seit dem Jahr 1138. Ein romanischer Kreuzgang und eine gotische
Stiftskirche locken Besucher an - doch auch Liebhaber bodenständiger
Küche machen sich auf den Weg: Mousse vom geräucherten
Stiftskarpfenfilet, Karpfen, mit Hackfleisch gefüllte «Waldviertler
Knödel» und Mohntorte stehen auf der Speisekarte der Klostertaverne.
Wer nur einen Aufenthalt in Wien eingeplant hat, findet vor den
Toren der österreichischen Hauptstadt ebenfalls bedeutende Stätten
mönchischen Lebens. Das vollständig erhaltene mittelalterliche Stift
Heiligenkreuz zum Beispiel ist das älteste durchgehend bestehende
Zisterzienserkloster der Welt. Die Mönche pflegen den gregorianischen
Gesang in lateinischer Sprache - Fremde dürfen dabei zuhören.
Prachtvollsten Barock bietet das Stift Klosterneuburg, das einst
Kaiser Karl VI. als Zeichen der Macht des Hauses Habsburg zu einer
gigantischen Klosterresidenz ausbauen lassen wollte. Vorbild war der
Escorial bei Madrid. Karls Tod stoppte die Pläne. Das Museum zeigt
einzigartige Schätze mittelalterlicher Kunst, darunter den Altar des
Nicolaus von Verdun aus dem 12. Jahrhundert. Das Stift, von weitem
sichtbar über der Donau gelegen, ist auch ein bedeutender Produzent
von Wein - eine weitere Gemeinsamkeit, die es mit Melk verbindet.
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