Rom (dpa) - 03. Juni 2008
Wenn die Preise auf den Magen schlagen - Addio Spaghetti und Chianti
Am traditionellen Brot wird gespart, aber auch an der
Pasta, beim Gemüse und nicht zuletzt beim Rotwein. Es ist nicht so,
dass die brutale Preisschraube bei Grundnahrungsmitteln wie Reis nur
in den ärmsten Ländern der Welt zu spüren ist. Auch im kulinarischen
Paradies Italien drehen Millionen den Euro mehrfach um und greifen
öfter zu den günstigen Eiern für ein Omelett oder zum Hühnerschenkel
statt zum Rindersteak. «Die Symbole italienischer Küchentradition»
sieht die römische Zeitung «La Repubblica» bereits bedroht - und die
Fachleute prophezeien eine Ende der gesunden «Mittelmeer-Diät» mit
allem, was das für verwöhnte italienische Gaumen bedeutet. Da kommt
der Tipp professioneller Köche goldrichtig, intelligent einzukaufen.
Addio Spaghetti und Chianti, wenn die Preise zu sehr auf den Magen
schlagen? Italiens Landwirtschaftsverband (CIA) hat in einer
Untersuchung zutage gebracht, was Ernährungswissenschaftler schon die
Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt - innerhalb eines Jahres
gingen die Verkäufe von fast allem, wofür die italienische Küche in
der Welt bekannt ist, teilweise drastisch zurück. Und es ist genau
das betroffen, was auch als «Kreta-Diät» als gesundes und
schmackhaftes Essen hochgelobt wurde: Viel Gemüse und ein wenig
Fleisch, dazu Olivenöl, Brot und ein Glas vom Roten. Stattdessen
haben «Low-Cost-Proteine» Aufwind, günstige Eier und Hühnerfleisch.
«Dieser ganze Trend gefährdet unsere bisher doch ausgewogene
Ernährung», warnt der Wissenschaftler Marcello Ticca. Millionen
können nach einem Blick in den Geldbeutel aber gar nicht anders. Sie
lassen das Obst im Supermarkt, auch den Fisch und das Stück Butter.
Aber nicht nur Geldmangel, auch «moderne» Angewohnheiten fördern die
negative Entwicklung. So kennt der gewaschene, zerschnippelte und in
eine Folie eingeschweißte Salat keinerlei Krise, während das frische
Saison-Gemüse - Saubohnen, Rüben oder Zichorien - langsam in Regalen
verdirbt. «Wir sollten jedoch nicht in Panik verfallen», meint der
Slow-Food-Gründer Carlo Petrini und wirbt für ein überlegtes Essen:
«Öfter das Fleisch weglassen, ein Teller Pasta mit Olivenöl tut es.»
In diese Kerbe haut auch einer der italienischen Spitzenköche,
Gianfranco Vissani aus dem umbrischen Civitella del Lago: «Es ist ein
Unglück, dass wir nicht mehr richtig einzukaufen wissen.» Die gute
Kalbsschulter sei nun mal billiger als das Filetstück, und auch beim
Fisch und Gemüse müsse man keinen Mist kaufen, wenn man weniger Geld
ausgeben will. «In Wahrheit liegt die Schuld nämlich auch bei uns»,
mahnt der Koch-Großmeister seine Kollegen und die Hausfrauen, die es
den Restaurants gleichtun wollen: Wenn 15 Vorspeisen und 15
Hauptspeisen auf der Karte angeboten werden, dann dürfe man sich über
Aufgetautes aus der Tiefkühltruhe auf dem Teller nicht wundern.
Dazu passt die Kampagne der Landwirtschaftsgenossenschaft
Coldiretti, die für den Kauf regionaler und saisonaler Produkte wirbt
- was Gesundheit, Umweltschutz und im Idealfall auch einen
akzeptablen Preis unter einen Hut bringt. Denn was Tausende von
Kilometern zurücklegt, muss oftmals behandelt werden, der Transport
kostet zudem Unmengen an Treibstoff. Der Genossenschaft schwebt darum
vor, in jeder italienischen Gemeinde mindestens einen «Farmer's
Market» einzurichten, mit Direktverkauf durch Bauern der Gegend. Das
könnte dann auch denen mit geschrumpften Geldbeutel zu gute kommen.
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