Plön (dpa) - 06. Juni 2008
Ferien bei den Hohenzollern: Auf den Spuren der Prinzen in Plön
Wer nicht gerne friert, scheint in Plön richtig
zu sein: Plune hieß die kleine Stadt im hohen Norden vor 1000 Jahren,
«die Eisfreie». Und ein Luftkurort ist sie auch noch. Das milde Klima
des Ortes im Naturpark Holsteinische Schweiz wusste auch das Haus
Hohenzollern zu schätzen: Kaiserin Auguste Victoria, Gemahlin von
Kaiser Wilhelm II., ließ ihre Kinder hier aufziehen. Viele Gebäude in
dem idyllischen Ort zeugen noch immer vom Aufenthalt der Prinzen in
Plön in der Zeit um 1900. Sie alle aber werden überstrahlt von dem
weithin über dem Großen Plöner See thronenden weißen Schloss.
Leute mit Geld wohnen gerne am Wasser, so auch die Kaiserin. Für
ihre Kinder wurde 1898 das Gartenhaus des Schlosses flugs um zwei
Flügel erweitert. Im «Prinzenhaus» wohnten die sechs jungen Prinzen
bis 1910 und wurden vor allem in Landwirtschaft unterrichtet. Heute
gilt das Gebäude als «Perle des Rokoko». Das weiße Schloss, erbaut
bereits um 1630 im Stil der italienischen Spätrenaissance und einst
unter anderem Sommersitz des dänischen Königshauses, wurde zu Kaisers
Zeiten eine Vorkadettenanstalt für sechs- bis zehnjährige Knaben.
Die drei Kilometer lange Prinzeninsel hatte damals wie heute
schöne, flach abfallende Sandstrände. Aber das Wasser im Großen
Plöner See ist wegen seiner Tiefe recht frisch, und der jüngste Sohn
der Kaiserin war angeblich von zarter Gesundheit. Daher gab Auguste
Victoria einen damals hochmodernen Bau in Auftrag: ein Hallenbad, das
das Baden für ihre Sprösslinge auch bei unwirtlichem Wetter möglich
machen sollte. Heute ist die «Alte Schwimmhalle am Schloss» ein
Kulturforum mit schöner Innen- und Außenrestauration.
Die Hohenzollern bauten auch eine Reitbahn, einen Marstall und
verschiedene Wohngebäude für ihre Bediensteten. Das meiste gehört
heute Stiftungen und Privatpersonen, die Prinzeninsel aber ist noch
immer im Besitz des Hauses Hohenzollern. Sie darf dennoch betreten
werden - was gut ist, denn dort gibt es neben schönen Wanderwegen
entlang von Wasser und Wiesen mit freundlichen Dickbauchschweinen und
desinteressierten Schafen das «Niedersächsische Bauernhaus», wo im
gemütlichen Kaffeegarten große Stücke Apfelkuchen serviert werden.
Auch eine Heidschnuckenzucht gibt es hier. An der Südspitze steht ein
reetgedeckter Pavillon, einst der Lieblingsplatz der Kaiserin.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Schloss eine
staatliche humanistisch ausgerichtete Bildungsstätte. Der Komponist
Paul Hindemith hat hier ein Jahr lang unterrichtet. 1933 zog eine
Nationalsozialistische Erziehungsanstalt (Napola) ein, 1946 das
Internat des Plöner Gymnasiums. Die Jungen durften im Schloss
übernachten, die Mädchen wohnten im Prinzenhaus.
Das Geld für die Instandhaltung des großen, prächtigen Baus aber
wurde knapp. Im Jahr 2002 wurde das Wahrzeichen von Plön daher von
Günther Fielmann gekauft, das ist der mit den Brillen. Fielmann
investierte knapp 30 Millionen Euro. Nach jahrelangen Renovierungen
erstrahlt das Schloss nun weithin sichtbar in altem Glanz.
Besichtigen kann man es nur nach Absprache - Fielmann gründete eine
Akademie und bildet seit 2007 hier jedes Jahr rund 6000 Optiker aus
aller Welt aus. Entlang der Zäune des schmucken Ensembles
patrouillieren Wachleute, und so manchen Plöner ärgert das.
Die alte Schlossgärtnerei jedoch darf noch besucht werden, obwohl
auch sie vor rund zehn Jahren verkauft wurde. Die neue Besitzerin,
die Mikrobiologin Dorit Dahmke, hat darin ein kleines, einfaches Café
samt Lädchen eingerichtet. Auf dem rund 9000 Quadratkilometer großen,
noch arg verwildertem Gelände entstehen Picknickecken und
Spielplätze. Herrschaftlichen Englischen Rasen sollte man nicht
erwarten, aber wer es «wildromantisch» mag, ist dort richtig.
Nach so viel Historie zieht es den Besucher in die alten, mit
Kopfstein gepflasterten Gassen von Plön. Viele schmale Stichwege des
Ortes, Twieten genannt, führen an den See, was die Stadtführerin Gina
Böhrens mit den Feuersbrünsten im Mittelalter erklärt: «Damals gab es
viele Reetdächer, und man brauchte guten Zugang zum Wasser.» Die
zentrale Straße für Plön und die rund 13 000 Einwohner ist die Lange
Straße. Hier sind die meisten Geschäfte und Cafés zu finden, und nach
einem Einkaufsbummel trinkt man einen Kaffee im «Vis á Vis», isst ein
Eis bei «Cini» oder trinkt einen kühlen Weißwein bei «Wein & Co».
Rund 250 000 Besucher hat die kleine Stadt jedes Jahr zu Besuch.
Rund 70 000 davon übernachteten dort 2007, im Schnitt knapp drei Tage
lang. «Diese Zahl ist leicht ansteigend, es kommen auch immer
häufiger Tagesausflügler, die Urlaub an der Nord- oder Ostsee
machen», sagt Caroline Backmann von der Tourist-Info der Stadt. Sie
sieht als Zielgruppe Familien und die «Best Ager», also alle über 50
Jahren. «Hierher kommt niemand, der Jubel und Trubel sucht.»
Prima, wer braucht schon Hektik im Urlaub? Da lässt man doch
lieber ein wenig die Füße im vielen Nass baumeln. Oder fährt
Schiffchen. Denn die entspannendste Art, die Gegend kennenzulernen,
ist eine Seenfahrt. Davon gibt es gleich mehrere: Etwa die
Fünf-Seen-Fahrt, die für 9 Euro über den Edebergsee, den Höftsee, den
Behlersee, den Langensee und den Dieksee führt. Oder die Große Plöner
Seerundfahrt. Oder die Bosau-Fahrt, die vom Anleger Plön-Fegetasche
startet und in Bosau endet, dem Ort mit dem kleinsten Bischofsdom der
Welt, der 1152 erbauten St. Petri-Kirche.
Immerhin zwei Drittel der Stadtfläche von Plön bestehen aus
Wasser, 16 kleinere und größere Seen umgeben den Ort - rund 200 sind
es insgesamt in der Holsteinischen Schweiz. Daher können Besucher
scheinbar endlos an den grünen Ufern entlang wandern oder auch
radfahren - letzteres auf 650 Kilometer Wegen. Und natürlich lässt es
sich auch gut baden in dem rund 34 Quadratkilometer großen und bis zu
60 Meter tiefen See. Die wahrscheinlich bekannteste Badestelle ist
die «Fegetasche». Die frühere Zollstation zwischen zwei Kreisen - wo
einem die Taschen «leergefegt» wurden - hat einen großen Strand.
Im vergangenen Jahrzehnt hat sich aber vor allem das Treiben auf
dem Wasser verstärkt. Dieses Jahr wird am 10. August in Plön sogar
der «Eurocup» der Olympiajollen 2008 veranstaltet. Auch Windsurfen,
Katamaranfahren und vor allem Rudern und Paddeln lässt sich hier gut.
Erst vor wenigen Monaten wurde eine neue, großzügige Anlegefläche für
Paddler quasi mitten in der Stadt gebaut - für das leichtere Anlegen
zum Kaffeepäuschen. Ambitionierte paddeln das Flüsschen Schwentine
entlang, die am Bungsberg bei Schönwalde entspringt und in der Kieler
Förde mündet. Das ist ein 50 Kilometer langer «Wasserwanderweg» von
Eutin bis Kiel.
Irgendwann knurrt allen der Magen, ob Wanderer oder
Wassersportler. Dann lockt das Restaurant «Altes Fährhaus» mit
Bratfisch und Bratkartoffeln oder die «Fischerei Reese», die ihre
hölzernen Biertische direkt am Wasser aufgebaut hat. Wer möchte, kann
sich seinen Fisch auch an sechs Seen der Gegend selbst aus dem Wasser
ziehen. Es gibt Schleien und Weißfische, aber auch Aale, Barsche oder
- in den vielen Untiefen - kapitale Hechte. Was man nur auf der
Landkarte erkennen kann, ist die Form des Großen Plöner Sees. Sie
erinnert an Afrika. Na, so warm ist es in Plön aber dann doch nicht.
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