Hamburg (dpa) - 11. Juni 2008
Prickelnd-fruchtiger Trinkgenuss zur EM 2008: Bowlen versüßen das Sommerfest
Eine frische-leichte Alternative zum obligatorischen "EM-Bierchen": Spritzige Bowlen löschen nicht nur
den Durst. Die Früchtchen darin sorgen für ein spielerisches
Trinkerlebnis, denn sie wollen mit dem Spicker im Kreis gewirbelt
oder herausgepiekst werden. Im Sommer lässt sich aus der vollen
Vielfalt des Obstgartens schöpfen. Das Aroma der Früchte wird ganz
nach Belieben durch Wein, Saft, Tee oder gar Hochprozentiges
herausgekitzelt.
«Die beliebteste Bowle bei uns ist nach wie vor die Erdbeerbowle»,
sagt Bernhard Stöhr, Präsident der Deutschen Barkeeper Union in
Hamburg. In der Zubereitung ist sie genauso einfach wie jede andere
Bowle. «Waschen und schneiden muss man fast alle Früchte. Das Fleisch
von Melonen wird am besten mit einem Kugelausstecher geformt.»
Generell gilt: Nur reife, unbeschädigte Früchte sollten verwendet
werden.
Ob die Obststückchen mit Zucker bestreut werden, ist reine
Geschmackssache. Wenn sie gesüßt werden, sollten sie allerdings kalt
gestellt werden und mindestens eine halbe Stunde ziehen, bevor die
Bowle angesetzt wird. Klassisch wird hierzu Wein verwendet.
«Entscheidend ist, dass das Aroma des Weines auf das der Früchte
abgestimmt ist», sagt Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen
Weininstituts in Mainz. «Ein Riesling beispielsweise schmeckt nach
Pfirsich und Ananas und macht sich deshalb in einer Bowle mit diesen
Früchten besonders gut.»
In jedem Fall ist ein Weißburgunder oder Silvaner eine gute Wahl.
Aromatischere Früchte können auch einen aromatischeren Wein vertragen
- Zitrusfrüchte etwa einen fränkischen Bacchus oder Erdbeeren eine
Scheurebe. Ob Weißwein, Rosé oder Rotwein ist vor allem eine Frage
der Optik. «In Rotwein kommen viele Früchte nicht ganz so gut zur
Geltung», erläutert Büscher. «Er ist vor allem für Beerenobst
geeignet.» Mit Erdbeeren wiederum harmoniert ein Rosé farblich
hervorragend. Wie lange die Früchte im Wein bleiben, richtet sich
nach ihrer Konsistenz: «Je fester sie sind, umso länger brauchen sie,
um die Aromen des Weins aufzunehmen.»
Auch ein hochprozentiges Getränk kann zum Ansetzen verwendet
werden. Äpfel machen sich gut in Calvados, Weintrauben in Grappa.
«Früher wurde gerne Grand Marnier oder Cognac verwendet», erklärt
Barkeeper Stöhr. «Nur: Je mehr verschiedene Alkoholika kombiniert
werden, umso größer ist die Gefahr, dass die Kopfschmerzen folgen.
Das gilt besonders für Hochprozentiges.» Er empfiehlt deshalb, zu den
Früchten passende Liköre zu verwenden, die nicht so viel Alkohol
haben.
Die prickelnde Spritzigkeit bekommt die Bowle kurz vor dem
Servieren durch kalten Champagner oder Sekt. «Wieder gilt: Wein und
Sekt sollten zusammenpassen», sagt Weinexperte Büscher. Er setzt auf
Riesling- oder Burgundersekt. Deutlich leichter wird die Bowle durch
kaltes Mineralwasser.
Für Kinder, Autofahrer oder besonders durstige Gäste empfehlen
sich Bowlen ohne Alkohol. Hierzu werden die Früchte in Sirup, Saft
oder Tee angesetzt und dann mit Soda aufgegossen. «Bei Kindern sind
Aprikosen- und Pfirsichtees die Renner. Alle roten Früchtetees
faszinieren durch ihre Farbe», sagt Monika Beutgen, Geschäftsführerin
des Teeverbandes in Hamburg. Generell seien kräftige Teesorten wie
Assam oder Ceylon, aber auch Pfefferminze am besten geeignet.
Zunächst wird ein starker Eistee aus zwölf Esslöffeln Tee und
einem Liter Wasser hergestellt. Er zieht drei Minuten und wird dann
auf einen Liter Eis (25 Eiswürfel) gegossen. «So behält der Tee seine
Farbe und sein klares, frisches Aroma», erklärt Beutgen.
Die kullernden, farbigen Früchte und die perlige Flüssigkeit kommen
am besten in einer Glasschüssel zur Geltung.
«Spezielle Bowlenschüsseln sind bauchig. Ein Deckel ist deshalb
besonders wichtig, weil die süße Bowle Wespen anlockt», erläutert
Anja Gründer von der Brancheninitiative Treffpunkt Tisch in
Königswinter. Außerdem bewahrt der Deckel das Aroma und das feine
Prickeln. Es geht allerdings auch ohne Bowlengeschirr: mit einer
großen Salatschüssel und möglichst bauchigen, standfesten Gläsern.
Das Hauptproblem ist, die Bowle kalt zu halten. «Eiswürfel aus
Wasser verwässern das Aroma», warnt Barkeeper Stöhr. Stattdessen
können Eiswürfel aus Saft, Sirup oder Fruchtmark zubereitet werden,
zum Beispiel in originellen Blumen- oder Schmetterlingsformen aus
Silikon. Werden klassische Eiswürfelschalen verwendet, so werden in
der Flüssigkeit eingefrorene Fruchtstücke oder Blüten zum Blickfang.
«Alternativ kann das Bowlengefäß in eine zweite Schüssel oder Schale,
die mit Eiswürfeln gefüllt ist, gestellt werden», schlägt
Branchenexpertin Gründer vor.
Kleine Helfer beim Genuss sind Bowlengabeln, Spicker oder notfalls
Schaschlikspieße, mit denen die Früchtchen aufgespießt werden.
Strohhalme sollten nur bei alkoholfreien Varianten zum Einsatz
kommen.
Internet: Link: www.teeverband.de; Link: www.wkf.de.
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