Bonn (dpa) - 19. Juni 2008
Schlemmen unter freiem Himmel: Salate sind Klassiker im Picknick-Korb
Für ein gelungenes Picknick sind nur drei Dinge
notwendig: angenehmes Wetter, ein schönes Plätzchen und ein
wohlgefüllter Proviantkorb. Dessen Zusammenstellung hängt davon ab,
ob Radler, Wanderer oder Autofahrer unterwegs sind. Für Rad- und
Wandertouren sollten die Speisen platzsparend und leicht zu
transportieren sein. Das Auto bietet die Möglichkeit, üppiger
aufzudecken. Unabhängig davon wollen bei jedem Picknick «Auge und
Gaumen etwas haben», sagt Rüdiger Lobitz vom
Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn. Der Lebensmittelkundler
packt selbst am liebsten buntes Obst und Gemüse, Salate und Käse ein.
Obst und Gemüse bereitet er zu Hause vor, indem er sie wäscht,
trocken tupft, klein schneidet und für den Transport in stabile
Plastikdosen legt. Unter freiem Himmel stellt jeder aus den
mitgenommenen Kleinigkeiten seine eigene Kombination zusammen. Zum
Beispiel Spieße aus Käsewürfeln, roten und weißen Weintrauben oder
vegetarische Ampel-Spieße mit roten, gelben und grünen
Paprikastückchen - gehalten von Zahnstochern.
«Je bunter das Gemüse, desto gesünder für Herz- und Kreislauf»,
begründet Lobitz seine Auswahl. Dazu gehören für ihn auch robuste
Radieschen und Cocktailtomaten. Rohkost kann mit Dips verfeinert oder
an Ort und Stelle als Salat angerichtet werden. Die Soßen in
verschiedenfarbigen Dosen mitzunehmen, sieht schön aus und verhindert
Verwechselungen.
Kartoffel-, Nudel- und Reissalat sind Klassiker im Picknickkorb.
Als Variation bietet sich ein Kartoffel-Spargelsalat mit
Zitronenstückchen, Dressing aus Zitronensaft, Olivenöl und Senf an.
Abgeschmeckt wird mit Zucker, Salz und Cayennepfeffer. «Salate sorgen
für Kohlenhydrate und Energie, die der Körper etwa bei Wanderungen
und Radtouren braucht», sagt Antje Gahl von der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Sie empfiehlt, gekochte
Kartoffeln, Nudeln und Zutaten abgekühlt zu verarbeiten, um sie
möglichst von Anfang an vor dem Verderben zu schützen. Vor dem
Einpacken sollte der Picknick-Salat erneut durchgekühlt werden. Für
die Soße ist leicht verderbliche Mayonnaise nicht geeignet - Essig
und Öl reichen.
Ernährungswissenschaftlerin Gahl rät von Blattsalat ab, weil er
schnell zusammenfällt und dann unappetitlich aussieht. Der Koch Jens
Kottke würde jedoch Eisbergsalat auf Wander- und Radtouren mitnehmen.
«Kräutercreme dazu und ein erfrischender Knabberstick ist fertig»,
sagt der Küchenchef des Hotels «Krone» in Rüdesheim. Sellerie,
Kohlrabi oder Möhren eignen sich ebenfalls für Gemüsesticks.
Für den Koch müssen Freiluft-Speisen zur Landschaft passen.
«Curryhuhnsalat oder Panettone gehören nicht in den Harz. Da braucht
man etwas Rustikales.» Ein Stück Brot, das mit dem Taschenmesser
heruntergeschnitten wird, luftgetrocknete Salami, eine herzhafte
Pastete im Teigmantel oder Fleischbällchen. Diese füllt er mit
Schafskäse und Gemüse. Alle Fleischarten einschließlich der beliebten
Hähnchenschenkel sollten gut durchgegart sein, weil sie ansonsten in
warmer Umgebung verderben können. Frischwurst wird Kottke zufolge
schnell unansehnlich und komme deshalb als Brötchen-Belag nicht
infrage. Luftgetrocknete und geräucherte Wurst eignet sich besser.
Spargel umwickelt mit Serrano-Schinken und Joghurt-Kapern-Dip ist
ein Fall für die Edel-Picknicktour mit dem Auto. Das gilt auch für
Quiche, Tortilla mit Frischkäse und Kräutern oder
Schweinefilet-Vollkorn-Sandwiches mit Tomatenbutter. Unterwegs auf
vier Rädern kann in der Regel auch der klassische Lachs plus Sekt und
Wein einfacher verstaut werden - der Kofferraum bietet Raum für
Kühlboxen. Manche Cooler haben sogar einen Anschluss für den
Zigarettenanzünder. Zeitungspapier hält die Getränke ebenfalls
längere Zeit kühl. «Die Flasche in mindestens sechs Lagen
Zeitungspapier einwickeln», sagt Ernst Büscher vom Deutschen
Weininstitut in Mainz. Mit Blick auf die Promille empfiehlt er zum
Picknick leichten Wein.
Nicht-alkoholische Erfrischungen sollten keine Kohlensäure
enthalten. «Sie schäumt über», erläutert Rüdiger Lobitz vom aid. Aus
Gewichts- und Sicherheitsgründen rät er zu Plastikflaschen und
Thermoskannen. Für den Transport der Speisen gibt es verschiedene
Lösungen. Gläser mit Schraubverschluss eignen sich für Dips und
Salate. Diese können portioniert werden, so dass jeder seinen eigenen
Proviant im Rucksack hat. Für Obst und Gemüse sind Plastikdosen mit
verschließbarem Deckel wie ausgediente Eisverpackungen praktisch.
Koch Kottke greift meist zu kleinen Beuteln. «Sie sind leichter,
nicht so sperrig und dienen nach dem Picknick als Müllbeutel.»
INFO-KASTEN: Pickereien
Der aus dem französischen stammende Begriff «pique-nique» bedeutet
so viel wie «Kleinigkeiten herauspicken». Im barocken Frankreich war
die Lust am kulinarischen Genuss im Freien ein Vergnügen der
Oberschicht. Das dafür gefundene Wort erkannte die Académie française
1740 offiziell an, die Engländer machten es sich 1748 zu eigen.
Traditionell brachte jeder Gast zum Picknick etwas mit. Der Gastgeber
dekorierte damit die auf dem Rasen liegende Decke.
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