Osnabrück/Münster/Bonn (dpa) - 01. Juli 2008
«Explosion»: Schokoladen mit Chili oder Salz kitzeln verwöhnte Gaumen
Die «Explosion» auf der Zunge kommt zeitverzögert: Erst schmeckt sie bitter-herb, dann exotisch- scharf - die dunkle «Chilli» des Edelschokoladen-Herstellers Leysieffer aus Osnabrück. «Seit sie vor knapp drei Jahren auf den Markt kam, steht sie unangefochten auf Platz 1 unserer Schokoladen- Hitliste», sagt Axel Leysieffer, Herr über 22 Nobel-Confiserien und sechs edlen Bistros und Cafés in Deutschland. «Wir kommen mit der Produktion kaum nach», sagt der 62-Jährige, der nach eigenen Angaben ein Nischenunternehmen für Konfekt der Spitzenqualität betreibt.
Inzwischen habe die extravagante Schokoladen-Kreation aus dem Hause Leysieffer bei exklusiven Herstellern in Deutschland und Europa Nachahmer gefunden. «Aber wir waren die Allerersten, wir haben den Schoko-Boom zu Exotik und Außergewöhnlichem losgetreten», sagt der Konditormeister, der in dritter Generation das 1909 gegründete Familienunternehmen führt. Das Sortiment von Leysieffer verspricht Naschkatzen ein neues Geschmackserlebnis - Gaumenkitzel inbegriffen: Neben Chili kommen auch Pfeffer, grobes Meersalz, Zitronen- und Orangenöle, Ingwer sowie Vanille in die edlen - hauptsächlich dunklen - Tafeln. Täglich stellen die rund 140 Beschäftigten in der Osnabrücker Produktionsstätte 1500 verschiedene Produkte her. Insgesamt hat die Leysieffer GmbH & Co. KG im In- und Ausland knapp 500 Mitarbeiter.
Auch Experten beobachten eine zunehmende «Exotisierung» des Schokoladen-Marktes. «In Zeiten gesättigter Märkte müssen sich die Hersteller schon etwas Besonderes einfallen lassen, um verwöhnten Gaumen eine Geschmacksexplosion und ein Genusserlebnis zu bieten», sagt der Ernährungswissenschaftler Professor Guido Ritter von der Fachhochschule Münster. Inzwischen gibt es sogar Weingummi, das mit Chili versetzt ist, - in Form kleiner Teufel. Allerdings ist die Mischung von Schokolade und exotischen Gewürzen keineswegs neu. «Etwa in Südamerika gibt es solche Kombinationen schon Jahrhunderte».
Dass zunehmend Schokoladen mit einem hohen Kakao-Anteil gefragt seien, erklärt der Ernährungswissenschaftler mit einem Imagewechsel. «Früher galt dunkle Schokolade als herbes Herrennaschwerk, heute zählt vor allem der edle, runde Kakao-Geschmack», sagt Ritter. Den enthaltenen Bitterstoffen würden sogar positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt, wie ein präventiver Schutz vor Herzinfarkt und Krebserkrankungen. Bewiesen sei dies aber nicht. Dennoch ist sich Ritter sicher, dass Milchschokolade weiter das Massengeschäft bestreiten wird.
Davon geht auch der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) in Bonn für die Zukunft des Schokoladen-Marktes aus. «Doch die Hersteller von Tafeln mit hohem Kakao-Anteil vermelden Zuwachsraten», sagt der BDSI-Sprecher für Schokolade, Torben Erbrath. Leider mache das Statistische Bundesamt keine genauen Erhebungen. «Der Trend zur Spezialisierung der Branche wird die Hersteller auch zukünftig zu neuen Rezepten bewegen, der Kundengeschmack ist stets im Wandel.»
Die «Exotik» in der Schokoladen-Herstellung ist für Leysieffer noch lange nicht ausgereizt. Sein Gespür hat sich in der Vergangenheit für ihn auch in barer Münze ausgezahlt. Zur Zeit laufen Experimente für eine Schokolade mit Rosenöl und Jasmin auf Hochtouren.
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