Neustadt/Weinstraße (dpa) - 11. Juli 2008
Unterwegs im Burgen-Land: Die Pfalz punktet mit historischen Gemäuern
Der berühmteste Besucher von Burg
Trifels war ganz sicher vor allem darüber froh, sie wieder verlassen
zu dürfen: Richard Löwenherz - König von England - saß dort im Jahr
1193 als Gefangener. Wer das Gemäuer im Süden der Pfalz heute
besucht, tut das dagegen freiwillig. Und er muss nicht weit fahren,
um im Pfälzer Wald oder auch an der Weinstraße viele weitere Ruinen,
Burgen und Schlösser zu entdecken.
Man kann sich heute noch lebhaft vorstellen, dass seine Bewacher
Richard Löwenherz genau im Auge hatten, als sie ihn zur Burg führten:
Diese glänzt auf dem höchsten von drei kegelförmigen Bergen oberhalb
des Städtchens Annweiler in der Sonne. Von dort aus geht es in engen
Serpentinen durch mehr oder weniger dichten Wald hinauf. Da wäre es
ein Leichtes für den Gefangenen gewesen, in einem unbeobachteten
Augenblick durchs Unterholz zu türmen und das Weite zu suchen.
Vor allem wer mit Kindern unterwegs ist, tut vielleicht gut daran,
sich solche Geschichten auszudenken. Sonst ist der Nachwuchs unter
Umständen etwas enttäuscht. Denn obwohl Kopien der mittelalterlichen
Reichsinsignien auf Burg Trifels ausgestellt sind: So richtig viel zu
sehen gibt es in dem Gemäuer - teils Ruine, teilweise erst im 20.
Jahrhundert vollendet - nicht. Dafür ist die Aussicht über die
Bergkuppen des Pfälzer Waldes hinweg umso spektakulärer.
Im Vergleich zu Burg Trifels in sehr kurzer Zeit fertiggestellt
war die Villa Ludwigshöhe oberhalb von Edenkoben an der Weinstraße.
Ihr Bauherr war König Ludwig I. von Bayern, wozu die Pfalz damals
gehörte. Als der Bau 1852 vollendet war, war Ludwig zwar kein König
mehr: Er hatte kurz zuvor wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola
Montez abdanken müssen. Trotzdem kam er bis zu seinem Tod regelmäßig
an die Weinstraße.
Das ist leicht nachzuvollziehen: Die Prunkräume, durch die sich
Besucher heute mit Filzgaloschen über den Schuhen führen lassen
können, sind an heiteren Tagen sonnendurchflutet. Wer es nicht besser
weiß, könnte meinen, er sei in Italien, von dem Ludwig so begeistert
war. Auch der Blick von der doppelstöckigen Loggia mit ihren antik
anmutenden Säulen über die Weinstraße in Richtung Rhein ist herrlich.
Wer es noch besser haben will, muss sich lediglich ein paar Meter
von der Villa entfernt in die Seilbahn setzen und zur Rietburg hinauf
gondeln. Sie ist schon seit dem Dreißigjährigen Krieg eine Ruine, hat
aber drei Vorzüge: Erstens reicht die Aussicht bei schönem Wetter bis
zum Schwarzwald auf der anderen Seite des Rheins. Zweitens lässt sich
von hier aus zu Wanderungen starten. Und zum Dritten gibt es eine
bewirtschaftete Terrasse - mit Pfälzer Spezialitäten von
Hausmacher-Blut- und Leberwurst bis zum Kastaniensaumagen.
Nur ein paar Kilometer von der Villa und der Rietburg entfernt ist
jener Ort, an dem einst die Massen gegen die Obrigkeit aufbegehrten:
das Hambacher Schloss. Bis ins Mittelalter reicht seine Geschichte,
aber in der heutigen Form wurde es erst 1982 fertiggestellt. Ende Mai
1832 demonstrierten Zehntausende beim Hambacher Fest in der damaligen
Ruine für Bürgerrechte und nationale Einheit. Damit brachten sie den
Stein in Richtung deutscher Demokratie entscheidend ins Rollen.
Daran erinnert eine Ausstellung im Schloss. In diesem wird zwar
noch bis 2009 hier und da modernisiert, also gebaut. Wer aber nur ein
bisschen für Geschichte übrig hat, lässt sich davon nicht stören.
Denn hier gibt es Faszinierendes zu sehen: Das große graue, leicht
zerschlissene Banner mit der Aufschrift «Die Weinbauern müssen
trauern» sagt ebenso viel über die damalige Lage aus wie das
Wirtshausschild «Zum König von Preußen» mit den Einschusslöchern.
Wer von Neustadt aus, auf dessen Gemarkung das Hambacher Schloss
steht, in den Pfälzer Wald hineinfährt, kann quasi eine Reise ins
tiefe Mittelalter unternehmen. Nach ein paar Kilometern auf der
Bundesstraße 39 durch ein enges Tal ist der Ort Lambrecht erreicht -
über dessen Dächern Burg Frankenstein thront. Von einer kleinen
Kirche aus sind es rund zehn Minuten zu Fuß bis zu der Ruine.
Allerhand Treppchen, dicke Mauern und finstere Nischen gibt es hier.
All das lässt sich auch weiter nördlich im Tal hinter Bad Dürkheim
erleben, allerdings zwei Nummern größer. Die Ruine Hardenburg, zu der
ebenfalls ein rutschiger Weg führt, ist eine beeindruckende Anlage.
Das gilt das ganze Jahr über und nicht bloß Ende September, wenn dort
ein großes Mittelalterfest gefeiert wird.
Jede Menge dunkle Gänge können Besucher der Hardenburg erkunden.
Wendeltreppen verschwinden im stockdunklen Nichts, und Pechnasen über
dem Hauptportal bezeugen, dass man hier mit ungebetenen Gästen nicht
lange fackelte. Zwei Motorradfahrerinnen sonnen sich auf der Wiese im
Innenhof, ein paar Kinder toben durch den Marstall und schwingen
Stöcke wie Schwerter. Und wer den Turm hinaufsteigt, hat schon das
nächste historische Gemäuer vor Augen: direkt gegenüber liegt die
Ruine des Klosters Limburg.
Informationen: Pfalz-Touristik, Martin-Luther-Straße 69, 67433
Neustadt (Tel.: 06321/391 60, E-Mail: E-Mail: info@pfalz-touristik.de,
Internet: Link: www.pfalz-touristik.de, Link: www.burgen-rlp.de).
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