Tannenbergsthal (dpa) - 15. Juli 2008
Vogtland: Tour zur Queen soll Topase als Markenzeichen wiederbeleben
Sie zieren die Königskronen in England
und Schweden, August der Starke ließ sie in unzähligen Schmuckstücken
verarbeiten: Topase aus dem Vogtland. Als im 18. Jahrhundert ein
Tuchmacher die Mineralien im Felsen Schneckenstein am Übergang am
Übergang zum Westerzgebirge entdeckte, begann der Boom. Die
sogenannten «Sächsischen Diamanten« waren in den königlichen
Schatzkammern begehrt. 150 Jahre lang wurden die weingelben
Schmucksteine abgebaut - bis vom einzigen Topasfelsen Europas nur
noch ein Drittel übrig war. Seit 1938 steht er unter Naturschutz und
ist zuletzt ziemlich in Vergessenheit geraten.
«Die große Geschichte der sächsischen Topase ist nur wenigen
bekannt», räumt der Geschäftsführer der Vogtland Kultur GmbH, Bernd
Weck, ein. Das wollen die Vogtländer nun ändern und die Edelsteine
wieder zu einem Markenzeichen für die Region machen: An diesem Montag
schicken sie deshalb vier Radfahrer auf eine einwöchige (Werbe-)Tour
nach London zum Buckingham-Palast. Im Gepäck haben sie fünf der
letzten abgebauten Rohtopase vom Schneckenstein, die sie der Queen
als Geschenk überreichen wollen. Die Kontakte hergestellt haben die
Staatskanzlei in Dresden und die deutsche Botschaft in London.
Der Sage nach hat einst ein böser Berggeist am Schneckenstein
überaus hübsche Mädchen in die Edelsteine verwandelt. In Wahrheit
jedoch sind die leuchtenden Topaskristalle vor Millionen Jahren bei
der sogenannten Topasierung des Gesteins im Bereich von Granit und
Phyllit entstanden.
Besonders wertvoll sind die Topase für die Queen nicht. Nur einer
ist bereits geschliffen. Die Edelsteine im Rohformat werden auf einen
Wert von etwa hundert Euro pro Stück geschätzt. «Die Bearbeitung ist
kompliziert», erklärt Michael Winkler, der die Tour organisiert. In
einem langen Prozess könne der Wert vertausendfacht werden. Das sei
dann aber Aufgabe des Juweliers der Queen.
Auch wenn die Übergabe-Modalitäten in London noch unklar sind,
versprechen sich die Vogtländer viel neue Aufmerksamkeit für ihre
Region und ihren Edelstein-Felsen. Dabei ist das, was nach
Jahrzehnten des Topasabbaus übrig geblieben ist, nicht besonders
spektakulär - wie selbst der Tourismusverband Vogtland einräumt.
«Eigentlich ist er ein Aussichtsfelsen wie wir viele im Vogtland
haben», sagt Marketingchefin Bärbel Borchert.
Dass er doch etwas Besonderes ist, verrät der Zaun um den knapp 25
Meter hohen Felsen. Dieser wurde schon zu DDR-Zeiten errichtet, als
man den Schneckenstein nur mit Sondergenehmigung betreten durfte.
Insbesondere Wissenschaftler der Bergakademie Freiberg forschten
dort. Nach der Wiedervereinigung wurde der Zaun noch einmal
verstärkt, weil immer mehr illegale Steineklopfer dem Gestein nachts
zu Leibe rücken. Gegen eine kleine Gebühr können Wanderer tagsüber
aber durch ein Tor eintreten und auf den Felsen klettern. «Er ist ein
beliebtes Ziel», sagt Borchert.
Seit 1993 gibt es zum Abbau der verbliebenen Topase keine
Sondergenehmigungen mehr. Hobby-Mineralogen sollen stattdessen im
nahen Böhmisch-Deutschen Mineralienzentrum auf ihre Kosten kommen.
Das Museum wurde 2005 neben dem Besucherbergwerk Tannenbergsthal
eröffnet. In diesem Jahr soll noch ein neuer Raum eingerichtet
werden, in dem die Topas-Geschichte beleuchtet wird.
(Internet: Link: schneckenstein.de/mineralienzentrum/)
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