Celle (dpa) - 23. Juli 2008
Nachwuchssommelier des Jahres 2008: Mit 24 Jahren bereits eine eigene Philosophie vom Wein
Jeden Tag edlen Wein zu trinken, wäre für viele
Menschen ein Traum. Für Sebastian Wilkens ist es der Beruf: Der 24-
Jährige ist Sommelier - und dazu noch ein sehr guter. Er hat den
Talentwettbewerb seines Berufsverbands gewonnen und trägt nun
den Titel «Nachwuchssommelier des Jahres 2008». Im edlen Fürstenhof
Celle entscheidet Wilkens, welche Rot- und Weißweine in die Karte
aufgenommen werden. Er berät die Kunden bei der Auswahl zu ihrem
Menü. «Ich möchte den Gästen meine Philosophie vom Wein vermitteln»,
betont der charmante junge Mann, der selbst an freien Tagen nicht vom
Wein lassen kann.
Der Rebensaft ist seine große Leidenschaft, auch wenn er dafür auf
einiges verzichten muss: Kein Kaffee, kein Rauchen und kein Parfüm -
das stört den Geruchs- und Geschmackssinn. Auch Milch benetze die
Schleimhäute und sei daher nicht empfehlenswert, berichtet der
Sommelier. Denn wenn er «am Kunden arbeitet», wie sich Wilkens
ausdrückt, muss alles stimmen: Er präsentiert dem Gast den Wein am
Tisch, öffnet die Flasche dann am sogenannten Guéridon, einem
Beistelltisch, und probiert dort. Dann schenkt er elegant dem Gast
ein. Gelassen und souverän wirkt er dabei, eloquent berät er, und es
wird deutlich, warum er den bundesweiten Wettbewerb gewonnen hat.
Dabei ist ihm das Interesse für Wein keineswegs in die Wiege
gelegt worden. Erst während seiner Ausbildung zum Hotelfachmann hat
der gebürtige Hannoveraner festgestellt, dass Menüs mit
unterschiedlichen Weinen ganz anders schmecken. Das weckte seine
Neugier. «Es ist nicht nur der Geschmack und der Geruch, es steckt
viel mehr dahinter», erklärt er. Selbst im Urlaub liegt Wilkens nicht
etwa in der Sonne am Strand, sondern besucht Anbaugebiete im
italienischen Piemont oder in Südafrika. Immer auf der Suche nach
kleinen, aber feinen Weingütern. Hier informiert er sich über die
Rebsorten und verkostet die Produkte.
«Man schmeckt, wie der Winzer arbeitet - das Herzblut, das in dem
Wein steckt», betont Wilkens. Deshalb suche er gerne kleine Betriebe
junger Winzer auf, um die Karte außergewöhnlich zu gestalten und den
Horizont der Gäste zu erweitern. «Ich möchte den Blick zum Beispiel
auch mal nach Umbrien lenken und nicht nur die großen bekannten Weine
anbieten, das ist langweilig», sagt der Experte. Die Kontakte zu den
Winzern sind für ihn sehr wichtig. «Man hat wenig Freizeit und viel
Verantwortung», sagt der 24-Jährige.
Ein Gläschen Wein schmeckt auch schon am Mittag, für Wilkens ist
das eine Form von Lebensart. Nach einem langen Arbeitstag entspannt
sich der Sommelier mit Musikhören und - wo sonst - in seinem privaten
Weinkeller. 450 Flaschen edlen Rebensaftes lagern dort bei genau der
richtigen Temperatur. «Ich gehe jeden Tag in meinen Keller und
sortiere die Weinflaschen um», berichtet er schmunzelnd. Neben dem
Klimaschrank steht ein gemütlicher Sessel, in dem er gerne sitzt und
Bücher liest. Wilkens will sich weiterbilden. Seine Zukunft sieht er
in der Branche: «Ich möchte mir in der Gastronomie einen Namen
machen», sagt er selbstbewusst.
|