Lyon (dpa) - 25. Juli 2008
Savoir-vivre auf dem Sonnendeck: Die Provence mit dem Schiff erkunden
Lavendelfelder und Flamingos, schneebedeckte
Berge und Palmen - passt das zusammen? Die Antwort ist ein klares Ja,
denn auf einer Rhônefahrt in die Provence gibt es all das zu sehen.
Vom Schiff aus lassen sich die Besichtigungen stressfrei angehen.
Wenn etwa die oft besungene Brücke von Avignon in Sicht kommt, können
Passagiere sie bequem vom Sonnendeck aus betrachten. «Eine Flussreise
in die Provence ist einfach etwas für Genussmenschen», sagt Katharina
Bahlcke von der Reederei Peter Deilmann in Neustadt/Holstein. «Die
Franzosen wissen eben, wie man es sich gutgehen lässt. Das ist das
berühmte Savoir-vivre, das fängt schon mit dem guten Essen an.»
Die kulinarischen Genüsse waren auch für Gisela Hoppe aus Köln ein
Grund für ihre Rhônefahrt: «Man kann hier so viel anschauen und
zwischendurch immer wieder tollen Wein probieren.» Sie feiert auf der
«A-Rosa Luna» gerade mit Ehemann Guido dessen 68. Geburtstag - vor
zwei Jahren waren sie an ihrem Geburtstag auf der Donau unterwegs.
So wie den Hoppes geht es vielen Urlaubern auf der Rhône: «Die
meisten Passagiere haben Klassiker wie eine Donaufahrt schon hinter
sich und wollen jetzt etwas Neues sehen», sagt A-Rosa-Sprecherin
Julia Kolanghis in Rostock. Im Vergleich zu Rhein und Donau sei das
Besondere an der Rhône ihr mediterranes Flair, sagt Bahlcke und nennt
dabei «die milde Luft, das Licht und die farbenfrohen Landschaften».
Zudem sei die Region sehr abwechslungsreich, sagt Ralph Schetter
vom Tourismusamt Maison de la France in Frankfurt/Main: Auf einer
Reise flussabwärts böten sich Ausflüge zu den Schluchten der Ardèche
an. Dort können die Reisenden Kanufahrern beim Paddeln zusehen sowie
Tropfsteinhöhlen und Lavendelfelder besichtigen. Im Süden der Rhône
haben Urlauber dagegen die Chance, bei einem Abstecher mit dem Bus
den mondänen Charme der Cote d'Azur kennenzulernen. Auch der Wechsel
der Landschaft beeindruckt viele Touristen: Während im Norden bei
Lyon noch die weiß bedeckten Gipfel der Alpen am Horizont leuchten,
gibt es an der Promenade von Nizza subtropische Palmen zu sehen.
Unterwegs steht jede Menge Kultur auf dem Programm. Dazu gehört in
Avignon neben dem obligatorischen Gang zur «Pont d'Avignon» auch ein
Besuch des gotischen Papstpalastes mit seinen Fresken aus dem 14.
Jahrhundert. Beim Stopp in Arles lohnt sich ein Spaziergang zum
antiken Amphitheater, in dem heute noch Stierkämpfe ausgefochten
werden. Bei einem Rundgang können Besucher auch den Spuren Vincent
van Goghs folgen, der viele Motive von Arles verewigte, als er im
wenige Kilometer entfernten St. Rèmy eine Weile in der Psychiatrie
verbrachte. In der Nähe lassen sich zudem das römische Aquädukt Pont
du Gard und das Bergdorf Les Baux mit seinen Burgruinen ansehen.
Nicht fehlen darf auf einer Rhônereise auch ein Ausflug per Jeep
oder Fahrrad in die Carmargue. Dort sind drei besondere Tierarten auf
einmal versammelt: weiße Pferde, schwarze Stiere und rosa Flamingos.
Zum Abschluss in Lyon steht wieder das leibliche Wohl im Mittelpunkt:
In der dank Starkoch Paul Bocuse zur Feinschmecker-Metropole
avancierten Stadt gibt es unzählige Käse- und Wurstkreationen in den
Markthallen zu bestaunen. Daneben warten sündhaft süße
Schokoladenkuchen und saftige Apfeltorten darauf, probiert zu werden.
Schade ist am Ende nur, dass solche authentischen
Frankreich-Eindrücke auf einer Rhônereise etwas kurz kommen. Eine
solche Tour ist in erster Linie doch mehr eine Schifffahrt durch die
Provence als eine Provencereise mit dem Schiff. «Das Schiff ist das
Ziel» - so drückt es Julia Kolanghis von A-Rosa aus. Die Fahrten
eignen sich daher eher als Schnuppertour, bei der Land und Leute oft
nur von Ferne zu sehen sind. Wer tiefer in die Kultur der Region
eintauchen will, sollte hinterher am besten noch eine Woche an Land
dranhängen.
INFO-KASTEN: Jeder zwölfte Flussurlauber fährt nach Frankreich
Jede zwölfte Fahrt eines deutschen Flusskreuzfahrten-Urlaubers
geht derzeit nach Frankreich. Das Land belegt damit Platz vier in der
Rangliste der Flussziele, heißt es in einer Studie des Deutschen
Reiseverbands (DRV) in Berlin. Demnach sind Flussreisen bei deutschen
Urlaubern insgesamt im Trend: 2007 stieg die Zahl der Passagiere im
Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent. Bei einigen Anbietern ist
auch die Rhône im Kommen: Die Reederei A-Rosa etwa verzeichnete von
2005 bis 2007 ebenfalls acht Prozent mehr Fahrgäste auf dem Fluss.
INFO-KASTEN: Routen auf der Rhône und die Anreise zum Starthafen
Reedereien wie A-Rosa, Peter Deilmann und Viking Flusskreuzfahrten
bieten meist sieben- bis elftägige Rhône-Touren von Lyon nach Arles
und zurück an. Manche starten auch weiter nördlich auf der Saône oder
fahren im Süden weiter bis nach Port St. Louis und Martigues ans
Mittelmeer. Die Saison auf der Rhône dauert von März bis Anfang
November. Für die An- und Abreise werden gegen Aufpreis auch Flüge,
ein Bustransfer oder Pkw-Parkplätze zum Beispiel in Lyon angeboten.
|