Seligenstadt (dpa) - 04. August 2008
«Schweinefilet mit Bierlack" - Hessens erster Biersommelier Robert Glaab gibt Tipps
Bei dem Gedanken an ein frisches Pils
zum Erdbeerkuchen mit Sahne läuft Robert Glaab das Wasser im Munde
zusammen. «Das ist ein Traum. Schon als Student habe ich gerne Pils
zum Kuchen getrunken und wurde damals immer schief angeschaut. Heute
weiß ich, dass es passt», sagt der 43 Jahre alte Chef der
Privatbrauerei Glaab im südhessischen Seligenstadt. Denn der
bekennende Biertrinker ist nicht nur in einer Brauerei aufgewachsen.
Seit einigen Monaten ist er geprüfter Biersommelier, seines Wissens
der bislang einzige in Hessen.
Die Ausbildung bei der Doemens Akademie in München hat dem
Familienvater Mut gegeben, scheinbar eigenwillige Kombinationen aus
Gerstensaft und Essen öffentlich anzupreisen. Denn ein ausgebildeter
Biersommelier - Österreicher erhalten den Titel übrigens mit Diplom -
soll Bierwissen «auf höchstem wissenschaftlichen Niveau» vermitteln.
«Mein Ziel ist, dass Biertrinker, die gerne essen, im Restaurant
gut beraten werden», verrät Glaab. Das werde in Deutschland bisher
kaum gemacht. Deshalb habe er an der Fortbildung teilgenommen:
«Keiner macht sich Gedanken, welches Bier zu welchem Gericht passt
und ob und wie man mit Bier kochen kann», klagt der Geschäftsführende
Gesellschafter der «letzten Privatbrauerei im Rhein-Main-Gebiet».
Weintrinker haben es deutlich einfacher, im Restaurant eine gute
Beratung zu bekommen. Glaab will das zunächst im kleinen Kreise
ändern. Ein «Bierkulinarium» hat er bereits in Seligenstadt
angeboten, weitere Abende mit Speisen wie «Forellenfilet auf
Weizenbierschaum», «Schweinefilet-Medaillon mit Bierlack» oder
«Mousse au Malt» mit den entsprechenden Getränken und den Erklärungen
des Sommeliers sollen folgen. Auch in der Gastronomie will Glaab
Veranstaltungen durchführen - und seine Außendienstmitarbeiter zur
Schulung nach München schicken.
Seit 1998 lenkt Glaab die Geschäfte des 1744 gegründeten
Seligenstädter Familienunternehmens - in neunter Generation. «Ich bin
mit Bier aufgewachsen, aber ich bin nicht in Bier getauft», sagt er.
Zwar habe er schon als Schüler im Betrieb mitgeholfen, damals aber
nur Malzbier getrunken. Aus der Privatbrauerei stammt Vitamalz, mit
einem Anteil von einem Drittel nach eigenen Angaben Marktführer unter
den Malzgetränken in Deutschland. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium
in Mannheim ging Glaab nicht direkt in den Familienbetrieb: «Mein
Vater hat immer gesagt, er besorgt mir einen Job, aber ich wollte
selbst etwas erreichen», sagt Glaab heute. Damals ging er nach Bremen
und arbeitete fünf Jahre bei Milka im Marketing und Vertrieb.
Da er in der Zwischenzeit Bierliebhaber geworden war, zog es Glaab
schließlich doch in die Brauerei. «Außerdem wollte ich die Tradition
fortsetzen.» Eines Tages sollen auch sein heute fünf Jahre alter Sohn
oder seine zweijährige Tochter in die Fußstapfen ihrer Vorfahren
treten. «Beide nippen schon heute mal ganz gerne am Bierschaum.» Die
Privatbrauerei macht mit 60 000 Hektolitern derzeit etwa 6 Millionen
Euro Umsatz, ein Viertel davon mit Vitamalz, 45 Prozent mit Fassbier.
Persönlich trinkt Glaab am liebsten Pils oder Kellertrübes, in der
Weihnachtszeit hellen Bock. «In meinem Kühlschrank habe ich aber jede
Sorte parat, um je nach dem Essen die Richtige auswählen zu können.»
Wein trinkt der sportliche Bier-Fan nicht, der mehrere Jahre in der
Nationalmannschaft der Bogenschützen aktiv war und dem man den
Bierkonsum am Bauch nicht ansieht: «Ich vertrage die Säure nicht.»
Inzwischen habe er auch seinen Schwiegervater, einen Franzosen, von
den Vorzügen des Gerstensaftes überzeugt.
Allerdings weiß Glaab heute, dass nicht jedes Bier zu jedem Anlass
passt. «Es gibt wunderbare süße belgische Biere, die man nur zum
Nachtisch trinken kann. Zum Aperitif eignet sich ein trockenes Pils,
weil der Hopfen die Magensäure anregt», verrät der Sommelier. Er
empfiehlt Export zum Braten, Doppelbock zum Steak oder Hefeweizen zum
Fisch. «Weizenbier hat sehr viel Kohlensäure und sensibilisiert damit
die Geschmacksnerven.» Auch zum Kochen eigne sich am besten
Weizenbier - oder Rohstoffe wie Malz, Hefe oder Treber. Denn bei
anderen Sorten wirke der herbe Geschmack zu dominant.
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