Berlin (dpa) - 11. August 2008
Dpa-Interview: Autor Gordon streifte für sein neues Buch durch Spaniens Weinberge
- Der amerikanische Bestseller-Autor Noah Gordon
schrieb sich in den Achtzigern mit seinem Medizinepos «Der Medicus»
in die Herzen deutscher Leser. Nach der Veröffentlichung des «Medicus
von Saragossa» vor neun Jahren war es lange ruhig um den gelernten
Journalisten aus Massachusetts. Jetzt hat der inzwischen 81-jährige
Gordon ein neues Buch - «Der Katalane» - geschrieben. Der Deutschen
Presse-Agentur dpa verriet er, wie es dazu kam.
Herr Gordon, was hat Sie bewegt, einen neuen Roman zu
veröffentlichen?
Gordon: «Der "Medicus von Saragossa" handelte von einer bitteren,
tragischen Zeit der Vertreibungen und Zwangsbekehrungen in Spanien.
Über die Jahre haben mir die modernen Spanier Liebe und Freundschaft
entgegengebracht, und ich wollte meine warmen Gefühle für die
Nachfahren der Spanier des 15. Jahrhunderts ausdrücken. Meine Liebe
zum Wein entdeckte ich recht spät im Leben, inspiriert von meinen
europäischen Freunden und Verlegern. Mit meinem Sohn durchstreifte
ich zum Vergnügen viele spanische Bodegas. Dabei erkannte ich, dass
ein Buch über Wein und Katalonien faszinierend sein würde - zumindest
für den Autor! Ich bereitete mich darauf vor, indem ich mich mit
Winzern unterhielt, ihre Wingerte besuchte und ihren Wein kostete.»
Wie war es denn, als Sie den «Medicus» recherchiert und geschrieben
haben, im Vergleich zu ihrem jüngsten Werk?
Gordon: «In den Achtzigern war ich zu arm, um Recherchereisen in
viele der Länder zu machen, die (der Medizinstudent und Protagonist)
Rob J. Cole bereist. Also geisterte ich durch Unibibliotheken und
brütete über antiker Reiseliteratur und Karten. Für mein neustes Buch
reiste ich mehrmals lange durch verschiedene Teile Spaniens,
besonders nach Katalonien, normalerweise mit meinem Sohn an meiner
Seite. Es war in jeder Hinsicht wundervoll.»
Was für ein Buch schreiben Sie als nächstes?
Gordon: «Je älter ich werde, desto mehr Ideen für Geschichten bekomme
ich. Im November werde ich 82, es ist also klar, dass mir nicht die
Zeit bleibt, um viele Romane zu schreiben. Ich fange an, meine Ideen
in Kurzgeschichten und Gedichte einfließen zu lassen und hoffe, dass
mein nächstes Buch eine Sammlung daraus wird. Anders als bei langen
Romanen ist es eine Freude, etwas anzufangen und es innerhalb kurzer
Zeit zu beenden.»
Der inzwischen 81-jährige Autor scheint von der Weinproduktion des
19. Jahrhunderts so fasziniert, dass er den zweiten Handlungsstrang
darüber ganz vergisst. Und so erfährt der Leser erst auf den letzten
Seiten wieder etwas über die dunklen Schatten des politischen
Attentats, in das Josep in seiner Jugend verwickelt war.
Doch selbst dann ist die Rückkehr des Bösewichts in Joseps Dorf,
um ihn als Zeugen endlich auszuschalten, reichlich unspektakulär.
Denn das erwartete Duell kommt nicht zustande, und Joseps Aufgabe ist
am Ende lediglich die mühsame Beseitigung der Leiche. Das tut er
gewissenhaft und wendet sich danach wieder seinen Trauben zu.
Spannung kommt in der Geschichte kaum auf, da sich Gefahr zwar einige
Male am Horizont zusammenbraut, aber nie so nah heranzieht, dass der
Leser eine Gänsehaut bekommt.
Auch das Gefühlsleben Joseps bleibt abstrakt und wird nicht
wirklich erlebbar. Dazu sind seine Ängste, Sorgen und Freuden nicht
eindringlich genug beschrieben und sein Charakter nicht konsequent
genug gezeichnet. Wer einen Epos wie den «Medicus» oder den
«Schamanen» erwartet, wird von der oberflächlichen Leichtigkeit der
Geschichte enttäuscht sein.
Weinfreunde allerdings kommen bei dieser liebevollen Hommage an
ein exquisites Handwerk auf ihre Kosten. Auch katalanische
Dorfbräuche und historische Details hat der Autor aufmerksam und
unterhaltsam in den Roman einfließen lassen. Ein Buch wie ein
gefälliger Wein, den man schlückchenweise beim Essen nippt. Doch kein
Tropfen, der vollmundig im Gaumen erblüht.
Noah Gordon: Der Katalane
Blessing Verlag, München
496 S., 19,95 Euro
ISBN: 978-3-89667-367-1
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