Düsseldorf/Berlin (dpa) - 13. August 2008
Online-Supermärkte: Wein und Lebensmittel bequem einkaufen
Alle nötigen Einkäufe über das Netz
erledigen - das ist für manche längst selbstverständlich. Auch wer
sich mit Lebensmitteln eindecken will, muss keinen Schritt mehr vor
die Tür unternehmen. Egal ob Nudeln, Kaffee, Süßes, Obst oder Saft:
Spezielle Onlineshops und Internet-Supermärkte liefern Speis und
Trank nach Hause. Das ist bequem, hat aber seinen Preis.
«Der Lebensmitteleinkauf im Internet ist zum Beispiel für
Berufstätige mit wenig Zeit attraktiv - oder für Menschen, die wegen
körperlicher Handicaps nicht mobil sind», sagt Bernd Huppertz von der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. «Die
Zeitersparnis muss man sich aber leisten können.» Die Preise seien
meist etwas höher als im Laden. Dazu kommen häufig Versandkosten.
Dafür fällt der Einkaufsrummel weg: Die Bestellung am Rechner ersetzt
Warteschlangen an der Kasse, Parkplatzsuche und Schleppen.
Das Prinzip des Internet-Supermarkts ist einfach: Per Klick wählt
der Kunde die Artikel aus, legt sie in einen «Warenkorb» und bezahlt
dann per Rechnung, Kreditkarte oder Nachnahme beim Kurier. «Das
Interesse, Lebensmittel online zu bestellen, steigt deutlich», sagt
Florian Koch, Experte für elektronischen Handel beim Bundesverband
Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) in
Berlin. Demnach haben 2006 in Deutschland rund drei Millionen
Menschen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren Nahrung und Getränke im
Internet eingekauft - mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2005.
Das macht die virtuellen Supermärkte zu einer wachsenden, aber
noch immer kleinen Nische. Nach Schätzungen des Bundesverbandes des
Deutschen Versandhandels in Frankfurt/Main werden in diesem Jahr
Lebensmittel im Wert von 322 Millionen Euro im Internet bestellt. Zum
Vergleich: Für Bekleidung, Textilien und Schuhe werden es
voraussichtlich fast vier Milliarden Euro sein.
«Angeboten werden vor allem höherpreisige Artikel. Die Dienste
richten sich an Kunden, denen der Preis nicht das Wichtigste ist»,
sagt Florian Koch. Besonders beliebt seien Delikatessen, die im Laden
schwer zu bekommen sind. Auch Tiefkühlkost und Wein würden gern im
Internet gekauft.
Die Anbieter betreiben oft kleine, spezialisierte Shops. Frische
Produkte wie Gemüse oder Molkereierzeugnisse liefern sie allerdings
meist nur in Ballungsräumen aus. Große Internet-Supermärkte und
-Drogerien mit breiter Auswahl, die bundesweit zustellen, gibt es
noch immer wenige. Und das Sortiment ist sogar bei ihnen lückenhaft.
«Wer den Lebensmitteleinkauf komplett über das Internet abwickeln
will, findet noch nicht viele Alternativen», sagt Daniel Ochs von der
in Frankfurt erscheinenden «Lebensmittel Zeitung». Nachdem viele um
die Jahrtausendwende entstandene «E-Supermärkte» Pleite gegangen
sind, würden sich nur zaghaft Lieferdienste ins Internet wagen. Die
Zusammenstellung und der Versand vieler einzelner Artikel ist für die
Anbieter aufwendig. Gerade leicht verderbliche Ware ist daher nicht
immer online bestellbar.
Die Drogerien Rossmann, Schlecker und Kloppenburg etwa haben
Online-Shops, in denen es auch Nahrungsmittel und Getränke gibt. Der
Lieferdienst der Supermarkt-Kette Kaiser's Tengelmann ist in Berlin
und München verfügbar. Edeka Flauer liefert im Großraum Köln-Bonn
aus. Auf Hamburg konzentriert sich der Netz-Supermarkt deliefery.
Bundesweit stellen hingegen Lila-se.de und doit24.de zu.
Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt den Kunden,
die Preise mehrerer Anbieter zu vergleichen. Denn bei einem Test von
vier großen Online-Supermärkten stellten die Verbraucherschützer
fest: Wer den richtigen Shop auswählt, kann erheblich sparen. Nicht
nur die Produktpreise auch die Versandgebühren schwanken stark.
Lieferpauschalen von zwei bis neun Euro sind üblich. Sie fallen
jedoch ab bestimmten Bestellwerten weg - etwa bei Lila-se.de ab 69
Euro. Generell gilt: «Bei kleinen Warenkörben fallen die
Versandkosten stark ins Gewicht. Es lohnen sich eher größere
Einkäufe», sagt Daniel Ochs von der «Lebensmittel Zeitung». Einige
Anbieter fordern auch einen Mindestbestellwert, Schlecker zum
Beispiel 15 Euro, doit24.de 100 Euro.
Extra-Service kostet mehr. Zuschläge werden nach Angaben der
Verbraucherzentrale für den Express-Paketversand verlangt oder wenn
spezielle Kühlboxen zum Einsatz kommen. Bei Kurierfahrern können
Aufschläge anfallen, wenn der Kunde am Rand des Zustellungsgebiets
wohnt oder Getränkekästen mehrere Stockwerke hoch getragen werden
sollen. Wer nicht den ganzen Tag auf den Einkauf warten will, zahlt
bei doit24.de für die Absprache eines Zeitfensters 3,99 Euro. Nach
Erfahrungen der Verbraucherschützer dauert es in der Regel einen bis
drei Tage, bis der Zusteller mit den Einkäufen klingelt.
«Die Lieferung sollten Kunden am besten sofort überprüfen», rät
Bernd Huppertz. Für Ware mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder für
eine geplatzte Milchtüte könne Ersatz oder das Geld zurückgefordert
werden. Wer jedoch versehentlich den falschen Joghurt gekauft hat,
darf ihn nicht einfach zurückschicken - für Leichtverderbliches gelte
kein Widerrufsrecht, so die Verbraucherzentrale.
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