Freiburg/Weinsberg (dpa) - 09. September 2008
Winzer erwarten guten Ernte - Qualität und Menge wie im Vorjahr
Die Winzer und Weingärtner in
Baden-Württemberg erwarten einen guten bis sehr guten Jahrgang 2008.
«Wir gehen ins siebte Jahr nacheinander mit guten Ernteaussichten»,
sagte Direktor Karl Heinz Hirsch vom Weinbauverband Württemberg in
Weinsberg (Kreis Heilbronn) in einer Umfrage der Deutschen Presse-
Agentur dpa. Auch in Baden sind die Voraussetzungen günstig.
Geschäftsführer Peter Wohlfahrt vom Badischen Weinbauverband in
Freiburg geht von einem guten Durchschnittsergebnis aus: «Wir hatten
eine normale Blüte und ausreichende Wasserversorgung, die
Ertragsaussichten liegen auf einem guten Niveau.»
Hirsch erwartet für den Württemberger Wein Mostgewichte wie in den
Jahren 2005 und 2006. «Die Werte von 2007 haben wir noch nicht
erreicht», berichtete Hirsch. Dennoch prophezeit er einen
«mineralischen Wein mit Fruchtaromen» - geprägt von subtropischen
Temperaturen im Mai. Die Mengenerwartung fällt allerdings geringer
aus als 2007. «Nach 129 Millionen Liter Most im Vorjahr gehe ich
diesmal von 115 Millionen Liter aus», erklärte Hirsch. Pro Hektar
ergibt diese Menge 102 bis 105 Hektoliter.
In Baden liegt das Ertragsniveau nach Ansicht von Wohlfahrt
zwischen 80 bis 90 Hektoliter pro Hektar. Gerade im Weißwein-Bereich
hoffen die Winzer auf eine gute Ernte, denn: «Die Keller sind leer»,
sagte Wohlfahrt. In Baden, dem mit 400 Kilometer zwischen Bergstraße
und Tauber-Franken und dem Bodensee ausgedehntesten deutschen
Weinanbaugebiet, blühten die Reben zwar zwei Wochen früher als sonst,
aber dies regulierte sich nach Aussage des Geschäftsführers
inzwischen. Wohlfahrt ist froh darüber, dass es durch Schädlinge und
Hagel so gut wie keine Ausfälle gibt.
Dagegen mussten einige Weingärtner in Württemberg Hagelschäden bis
zu 100 Prozent hinnehmen. «In Korb im Remstal, im Bottwartal, in
Lauffen bei Heilbronn und in Hohenlohe hatten wir beträchtliche
Schäden», berichtete Hirsch. In einigen Weinbergen ist deshalb noch
offen, ob 2009 die Stöcke wieder treiben. Ansonsten sei es in
Württemberg «fast bilderbuchmäßig» gelaufen, sagte der
Verbandsdirektor. Nach den Trauben für den Federweißer und süßen Wein
beginnt die Hauptlese mit den frühen Sorten Acolon und Dornfelder,
danach folgen Müller-Thurgau und Schwarzriesling.
Guter Hoffnung ist auch Dieter Weidmann: Der Chef der
Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen
(Kreis Ludwigsburg) spricht von einem Reifefortschritt «vergleichbar
mit dem von 2005». Entscheidend für die Qualität sei das Wetter in
den nächsten Wochen. «Jetzt bekommen die Trauben den letzten Schliff.
Bleibt es trocken und windig mit kühlen Nächten, dann haben wir alle
Chancen auf einen erstklassigen Jahrgang.» Den Beginn der Lese
erwartet er «nicht vor Ende September».
Auch die Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) sind
mit dem Verlauf der Vegetation zufrieden. «Qualitativ und
geschmacklich sieht es gut aus», sagte Badens VDP-Chef Claus
Burmeister aus Sulzfeld im Kraichgau. Der 2008er sei fruchtig und
habe eine sehr schöne Säurestruktur. Sein Württemberger Kollege Gert
Aldinger aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) meinte, im Gegensatz zu
anderen deutschen Gebieten, in denen zu wenig Wasser vorhanden war,
sei die Situation in der Region Stuttgart perfekt. «Wer seine
Hausaufgaben im Weinberg gemacht hat, den erwartet wieder eine
Top-Qualität», stellte Aldinger fest.
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