Llanes (dpa) - 19. September 2008
"Chorizo und Meersfrüchte" - noch schöner als im Film: Spektakuläre Szenen aus Asturien
Laura gerät in Panik, die Felshöhle steht schon
fast unter Wasser. Hysterisch ruft sie nach ihrem Sohn Simon, den sie
darin vermutet. Sie rennt los, doch sie kommt zu spät. Weinend bricht
die verzweifelte Mutter zusammen. Langsam bewegt sich die Kamera von
Laura weg und untermalt die dramatische Filmszene mit einer nicht
weniger dramatisch-schönen Landschaft: Der weiße Strand von Andrín in
Asturien ist eingehüllt von steilen Klippen, an denen sich das wilde
Kantabrische Meer bricht. Dahinter ragt eine grüne Hügellandschaft
empor. Und in der Ferne sind die Gipfel der mehr als 2000 Meter hohen
Picos de Europa zu sehen, Spaniens ältestem Naturschutzpark.
Fast nirgendwo in Spanien sind schneebedeckte Berglandschaften und
grüne Küstenstreifen so nahe beieinander wie in Asturien. Filmemacher
mit einem Auge für spektakuläre Drehorte wissen das. Bewusst ließ der
spanische Regisseur Juan Antonio Bayona deshalb die Szene mit Laura
für seinen Film «Das Waisenhaus» am Strand von Andrín drehen. Auch
das besagte «Waisenhaus» für den Thriller fand Bayona in der Nähe:
Die gruselig wirkende Villa im Küstenstädtchen Llanes gehört seit dem
Kinoerfolg zu einem der am häufigsten fotografierten Gebäude im Ort.
Bayona ist nicht der einzige Regisseur, der die Naturschönheiten
und ländliche Idylle des östlichen Küstenstreifens von Asturien für
seine Filme entdeckt hat. In den vergangenen 50 Jahren wurden die
Klippen bei Buelna, verträumte Dörfer wie Purón, Tresgrandas und Poo
oder die romantisch im Meer liegende Kirche von Niembro immer wieder
für Filmaufnahmen genutzt. Die Strände von Ballota, Toró, Torimbia
und Sablón tauchen in Dutzenden von Spielfilmen, Musikvideos und
Werbespots auf. Auch der spanische Kultregisseur José Luis Garci, der
seine meisten Filme im Spanien der 40er und 50er Jahre spielen ließ,
fand in Asturien mit seinen alten Dörfern aus Stein und Holz die
perfekten Drehorte: Hier musste Garci kaum etwas verändern, um die
Szenen in die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs zurückzuversetzen.
Die Gemeinde Llanes will Bayonas jüngsten Kassenerfolg nun nutzen
und ruft im Oktober einen «Touristischen Kinorundgang» durch die
Provinz ins Leben: «Die Urlauber sollen anhand der Filme unsere
schönsten Strände, Dörfer und Landschaften kennenlernen», sagt José
Balmori, Leiter des städtischen Tourismusamtes. Zahlreiche dieser
Strände, Dörfer und Felsklippen sind über einen Küstenwanderweg
verbunden, der zwischen dichten Wäldern und grünen Wiesen immer
wieder schöne Blicke auf die asturische Klippenlandschaft gewährt.
Von einigen Aussichtpunkten ist auch der Ort Llanes auszumachen,
dessen bunt bemalte Steinklötze in der Hafenmole, ein Werk des
baskischen Künstlers Agustin Ibarrola, von weitem zu sehen sind.
Paläste, Kirchen und rustikale Steinhäuser schmücken die Altstadt, wo
abends Einheimische und Touristen bei Chorizo-Würsten und dem typisch
asturischen Cabrales-Käse zusammensitzen. Frische Meeresfrüchte wie
Entenmuscheln und Langusten dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Asturien lebt vom und mit dem Meer. Die versteckten Buchten und
Fischerdörfer per Boot oder Kajak zu entdecken sowie Fischer bei
ihren täglichen Fahrten aufs Meer zu begleiten, gehört zweifellos zu
den Höhepunkten jeder Asturien-Reise. Doch auch das bergige
Hinterland bietet viel - zum Beispiel das Dörfchen Porrúa. Wegen der
Bewahrung alter Traditionen wurde es bereits vor zwei Jahren vom
spanischen Kronprinzen Felipe zum «Vorzeigedorf» ernannt. Nun ist es
das «Europäische Kulturdorf 2008» und erwartet Besucher mit einer
Vielzahl von Ausstellungen und anderen kulturellen Veranstaltungen.
Über das Küstenstädtchen Ribadesella geht es in Naturparks wie
«Picos de Europa» oder «Ponga». Canyoning- und Rafting-Fans rutschen,
schwimmen, springen und klettern hier durch die Gebirgsbäche. Andere
genießen die Bergwelt per Mountainbike und auf Wanderungen - oder sie
rudern bequem den Sella-Fluss im Kanu hinunter. Ständige Begleiter im
kristallklaren Wasser sind Hunderte von Lachsen. Hobbyangler zieht es
von März bis Juli hierher, wenn das Fangverbot aufgehoben ist. Aus
Asturien stammen 95 Prozent aller in Spanien geangelten Lachse.
Derzeit zieht es auch besonders viele Pilger in die Region. Mitten
im Bergmassiv der Picos de Europa feiert der Marienwallfahrtsort
Covadonga zum ersten Mal ein «Heiliges Jahr». Der Überlieferung nach
besiegte hier König Pelayo im Jahre 722 erstmals die maurischen
Besatzer und leitete damit die christliche Rückeroberung Spaniens
ein. Der Legende nach soll die Muttergottes dem Fürsten in einer
Grotte neben der heutigen Basilika das Holzkreuz gegeben haben, mit
dem er in die Schlacht zog - die Grotte ist heute Nationalheiligtum.
INFO-KASTEN: Asturien
REISEZIEL: Asturien liegt an der «Costa Verde» am Kantabrischen
Meer in Nordspanien. Die Hauptstadt ist Oviedo.
ANREISE: Mehrere Fluggesellschaften bieten Verbindungen von
Deutschland zum Flughafen Asturias/Oviedo. Allerdings muss in der
Regel in Spanien einmal umgestiegen werden. Mit Air Berlin fliegen
Urlauber von verschiedenen deutschen Flughäfen aus zunächst nach
Palma de Mallorca. Iberia lässt ihre Gäste in Madrid umsteigen.
INFORMATIONEN: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14,
60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, für Broschüren: 06123/991 34).
INTERNET: Link: www.spain.info, Link: www.llanes.com, Link: www.covadonga08.com,
Link: www.estacionesnauticas.info.
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