Aalen (dpa) - 29. September 2008
Leben am Limes - Internationale Römertage in Aalen
Der Geruch von «Panis» - römischen Backwaren -
hängt in der Luft. Reiter in Rüstungen und mit umgehängten
Bärenfellen mischen sich unter das Volk. Handwerker zeigen ihre
archaisch anmutenden Künste. So könnte es ausgesehen haben rund um
die Tavernen in der Zeit des ersten Jahrhunderts vor Christi Geburt.
Die Internationalen Römertage in Aalen wollten am Wochenende
möglichst authentisch vermitteln, wie es vor und hinter dem Grenzwall
Limes zuging.
300 «Gladiatoren» aus sechs Ländern gaben sich auf der Ostalb wie
«Römer zum Anfassen». Wie etwa der Zahntechniker Hans-Jörg Werth aus
dem Saarland und der Qualitätsmanager Peter Krensel aus Ulm. An
diesem Wochenende waren sie Legionäre, in Kettenhemd und
Brustpanzer. Mit Wurfspieß in den Händen wurden sie zur Lagerwache
der 22. Legion der «Milites Bedenses» aus dem rheinland-pfälzischen
Bitburg abkommandiert.
Es ist das «Interesse an der gelebten Geschichte», das sie
fasziniere, erzählten sie: «Ein Hobby, wissenschaftlich betrachtet.»
Was die Freizeitrömer auch begeistert, ist das Selbermachen der
Ausrüstung. Etwa einen Helm aus Metall treiben oder Lederutensilien
zurechtschneiden. Dabei legen sie viel Wert auf Authentizität – «die
Originalteile sieht man hier im Limesmuseum», betonten beide. Immer
wieder wollen Kinder und Jugendliche mal in den Helmbusch aus
Pferdehaaren greifen. Der Ulmer «Römer» lässt das geduldig zu.
Was Hollywood üblicherweise aus der Zeit zeige, tauge nicht für
ein stimmiges Zeitporträt, erklärte Wolfgang Adelsberger von der
achten Legion, der «LEG VIII AUG» aus Tübingen. «So glänzend war das
damals nicht. Und wenn man im Kino sieht, wie ein Römer den schweren
Schild hochhebt und dann noch locker ein Schwert schwingt – so etwas
geht einfach nicht.»
Auch Dagmar Scholz aus dem Lager der alemannischen «Gegenseite» -
der «Raetovarier» - versucht ein realistisches Geschichtsbild zu
vermitteln. Sie reicht Kräuter wie Fenchelsamen zur besseren
Verdauung nach einem römischen Mahl. «Es gab ja nicht nur Krieg»,
sagte sie. Römer, Alemannen und Germanen hätten sich ja auch
ausgetauscht. Auch in der Heilkunst. «Ohne Römer kein Lavendel, kein
Wein und keine Walnüsse.» Die Hobby-Alemannin fasziniert das
Alltägliche im Leben vor etwa 2000 Jahren.
Die Aalener Römertage finden alle zwei Jahre im 2005 zum UNESCO
Welterbe erklärten ehemaligen Kastell statt. Einst lag dort das mit
1000 Soldaten größte Reiter-Römerkastell nördlich der Alpen.
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