Paris (dpa) - 30. September 2008
Das Geschäft mit Ramadan - Supermärkte bieten islamische Kost
Der erste Spekulatius taucht Ende September im
deutschen Supermarkt auf; in Frankreich ist jetzt Zeit für Feigen,
Pistazien, Rosenwasser und andere orientalische Köstlichkeiten. Unter
dem mit Kamelen verzierten pinken Plakat mit der Aufschrift «Ramadan»
wählen Idir und Tassadit Oukil aus einem Haufen verschiedener
Dattelkartons die beste Marke aus. Nicht zu trocken dürfen die
Früchte sein und nicht glänzen. Im Ramadan, der am Montag zu Ende
geht, wird beim abendlichen Fastenbrechen im Kreis der Familie Süßes
aufgetischt. Traditionelle, islamische Kost finden die Gläubigen in
der mit Teppichen geschmückten Regalreihe im riesigen Supermarkt der
Handelskette Carrefour in Gennevilliers vor den Toren von Paris.
Für die französischen Supermärkte ist der Fastenmonat Ramadan zum
kommerziellen Fest geworden wie Weihnachten oder der Valentinstag.
Fast 90 Prozent der vier bis sechs Millionen Muslime in Frankreich
halten laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSA den
Ramadan ein.
Tassadit Oukil gibt sich dann in der Küche besonders viel Mühe.
«Wie zu Hause in Algerien» soll das Festessen nach Sonnenuntergang
schmecken. Am Wochenende backt sie stundenlang süße Teilchen aus
feinblättrigem Teig, den sie mit Nüssen, Mandeln, Pistazien und Honig
füllt. 2000 Pakete dieses Teigs verkauft der riesige Supermarkt an
normalen Tagen. 20 000 seien es während des Fastenmonats, sagt
Verkäufer Pascal. Während des Ramadans verdreifacht sich in einigen
Supermärkten der Umsatz mit «Halal»-Artikeln, nach islamischem Recht
reinen Lebensmitteln. Schweinefleisch zum Beispiel gilt Muslimen als
unrein, also nicht halal, Alkohol ebenso. Sind Alkoholspuren in
Ketchup oder Kirschkuchen, sind diese Produkte nicht halal.
Erstmals steht neben Henna und «Halal»-Haribo auch «Cham'alal»,
ein Champagner ohne Alkohol. 5,90 Euro kostet das prickelnde Getränk
für die Festtage am Ende des Ramadans. Sein Erfinder Rachid Gacem
ließ es von einem islamischen Institut auf Reinheit testen. Seine
Glaubensbrüder im Champagnerland Frankreich testen das Getränk, bevor
im kommenden Jahr auch nordafrikanische Gläubige damit anstoßen
sollen. Neugierig bleiben auch Nicht-Muslime am «Halal»-Regal neben
dem Biogemüse stehen. «Ich freue mich, wenn ich Tajine-Gerichte oder
Suppen finde, die so schmecken wie in den Ferien in Marokko», sagt
Christophe Billioud.
Ihre «Halal»-Abteilung, in der sich das ganze Jahr über Brühwürfel
für Schafsbouillon und Kichererbsen stapeln, ergänzen viele
Supermärkte während des Fastenmonats mit Extra-Tischen. Bei Carrefour
halten «Les mille et un saveurs de l'orient» (1001 Köstlichkeiten aus
dem Orient) in 70 Prozent der Märkte Einzug. «Wir wollen so den
Ansprüchen unserer Kunden jeglicher Herkunft und Religion gerecht
werden», sagt Konzernsprecherin Elodie Perez.
Die süßen Trockenfrüchte haben Idir und Tassadit Oukil allerdings
auf dem Stapel unter dem «Ramadan»-Plakat zurückgelassen. Für das
Kilo Datteln zahlen sie beim arabischen Lebensmittelhändler nebenan
nur halb so viel wie im Supermarkt.
(Internet zum Thema Halal: Link: www.halal.de/)
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