Sonoma (dpa) - 10. Oktober 2008
Ein Tal mit Geschichte: Das Weinbaugebiet Sonoma in Kalifornien
Kalifornischer Wein ist in Europa längst
salonfähig. Die edlen Tropfen von der amerikanischen Westküste
stammen aber nicht nur aus dem bekannten Weintal Napa Valley.
Westlich davon erstreckt sich auf knapp 4100 Quadratkilometern ein
weiteres Weinbaugebiet: Sonoma. Hier gibt es mehr als 250 Weingüter,
viele von ihnen mit Jahrhunderte alten Wurzeln, die nicht selten bis
nach Europa reichen. Allein in diesem Bezirk, der etwa so groß ist
wie der kleinste US-Bundesstaat Rhode Island, gibt es 13 verschiedene
Anbaugebiete für Trauben.
Jedes der Gebiete sei klimatisch verschieden, sagt der Winzer
Walter Schug. Bis nach Carneros im Süden der Region etwa ziehe der
Wind aus der Bucht von San Francisco, und das Klima sei recht kühl.
An anderer Stelle wiederum seien Niederschläge und Nebel nicht selten.
Der 72-jährige Schug kehrte vor fast 50 Jahren der Pfalz den
Rücken und machte sich mit seiner Frau auf die Reise von Hamburg nach
New York. Nach einem Trip quer durch die USA kam er schließlich dort
an, wo er jetzt arbeitet und zugleich seinem größten Hobby frönt: dem
Weinbau. Auf einem 20 Hektar großen Weingut produziert der
Kellerwirtschaftler heute Rot-, Weiß- und Schaumweine.
Doch nicht nur Wein wird in Sonoma angebaut - dort wächst alles,
was viel Sonne braucht und sich zu hochwertigen Produkten verarbeiten
lässt. So säumen Oliven-, Lavendel- und Obstplantagen die Straßen.
Dieses Bild erinnert allerdings weniger an Weinbaugebiete in
Südfrankreich, sondern eher an Österreich: Grüne Hügel mit Kühen auf
ihnen werden von Wäldern umrahmt, in denen Besucher zwischen den
riesigen Redwoods den ganzen Tag lang keiner Menschenseele begegnen.
Doch so ruhig, wie das «Mondtal» heute erscheint, ging es dort
nicht immer zu. Vor gut 160 Jahren, im Juni 1846, hissten rund 30
Kämpfer auf dem Hauptplatz der damals mexikanischen Garnisonsstadt
Sonoma die «Bärenflagge» und deklarierten die Unabhängigkeit
Kaliforniens. Es folgte ein Krieg, der zumindest im Norden des
heutigen Bundesstaates ohne einen einzigen Schuss verlief, die
Pazifikküste ging an die USA - und es blieb die Bärenflagge, die noch
heute die Staatsflagge von Kalifornien ist.
Nicht nur der zentrale Ort des Weintals hat Geschichte geschrieben
- auch der rund 80 Kilometer lange Abschnitt der Pazifikküste von
Gualala im Norden bis zur Bodega Bay im Süden ist mittlerweile
verewigt worden. Alfred Hitchcock war von dem Landstrich so angetan,
dass er 1961 den kleinen Ort Bodega Bay mit seinen kahlen Hügeln, dem
Fischerhafen und dem häufigen Nebel als Kulisse für seinen Horrorfilm
«Die Vögel» aussuchte.
Zwar gibt es heute weitaus Gruseligeres im Kino, doch die Besucher
sind noch immer fasziniert von Hitchcocks Klassiker. «Sie kommen in
das Küstendorf, um sich die Plätze und Gebäude anzusehen, an denen
Tippi Hedren von den Vögeln angegriffen wurde», sagt
Tourismusmanagerin Tina Luster. Und sie wollen die Straße oberhalb
der zerklüfteten Pazifikküste entlang fahren, über die Hedren mit
ihrem schicken Sportwagen gerast ist. Ganz anders die Einheimischen:
«Wir kommen hierher, um am Strand zu sitzen, über den Ozean zu
schauen und Wale zu beobachten.»
(Internet: Link: www.sonomacounty.com)
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