Haiger (dpa) - 13. Oktober 2008
Kreatives Kochen: Rotwein-Senf aus dem Atelier
Meik Schönau aus Haiger möchte seinen Senf
überall dazugeben. Der 35-Jährige stellt die würzige Paste selbst her
- er ist Senfmacher. Der einzige in Hessen - und einer von ganz
wenigen in Deutschland, wie er sagt. Seine so außergewöhnlichen wie
erlesenen Kreationen wie «Pflaumen-Senf» oder «Pfeffrige Erdbeere»
verkauft Schönau in seinem «Senfatelier» im Zentrum von Haiger, einer
Stadt mit rund 20 000 Einwohnern in Westhessen. Was zunächst beim
Experimentieren in seiner privaten Küche entstand und Verwandte und
Freunde beim Kosten begeisterte, liefert Schönau inzwischen an Kunden
in ganz Deutschland - etwa nach Köln, Berlin, München und Sylt.
Rund 30 verschiedene Sorten Senf hat Schönau derzeit im Angebot -
alles eigene Kreationen: Exotisches mit Feigen, Kokosnuss oder Ingwer
und Orange ist dabei; Herzhaftes mit Zwiebeln, Kräutern oder Kapern;
aber auch «Karamel-Senf», «Bayrisch Süßer Senf» und «Old Scottish
Senf», in dem außer Malz-Essig auch ein Schuss Whisky drin ist. Das
Sortiment lässt kaum eine geschmackliche Nuance aus. Schönaus
Lieblingssorte und die vieler Kunden ist der pikante «Honig-Chili-
Senf», wie der 35-Jährige sagt. Sein Sortiment zeige, dass Senf nicht
immer scharf sein müsse, aber könne. «Ein Senfmacher ist nicht immer
gleich auch ein Scharfmacher.»
Eigentlich ist der Senf-Designer gelernter Maler und Lackierer.
Schon als Jugendlicher entdeckte er seine Freude am Kochen und
kreierte in der Küche Neues, machte gern selbst Marmeladen, Ketchup
und Senf. Sein Hobby bekam später auch seinen Kollegen gut, die er
oft bekochte - manchmal richtig extravagant. «Einmal hat es in der
Mittagspause auf einer Baustelle Hummer gegeben und einen von mir
selbst gemachten Dip - ein richtiges Festmahl», sagt Schönau.
Doch dann verlor Schönau 2004 seinen Job, weil sein Chef krank
wurde und er seine Mitarbeiter entlassen musste. Über ein Jahr lang
war Schönau arbeitslos. Dann wollte er etwas ändern: «Irgendwann war
es mir einfach zu langweilig, arbeitslos zu sein, und ich beschloss,
Senfer zu werden, weil Senf ein Produkt ist, das saisonal unabhängig
ist, anders als Marmeladen zum Beispiel, und mir Kochen riesigen Spaß
macht.» Ein Schritt, den er nie bereut hat, wie er sagt.
Ideen für neue Senf-Kreationen in der Küche hinter seinem Laden
hat Schönau genug. «Ich glaube, da ist meine Fantasie noch lange
nicht erschöpft», sagt der 35-Jährige. Bald wird ein «Weihnachtssenf»
im Regal stehen. «Da ist Rotwein, Kirschessig und auch
Lebkuchengewürz etwa mit Nelke, Zimt, Muskatblüte und Orangenschale
drin», sagt Schönau. Kaum eine Zutat sei als «Versuchskaninchen» für
seine Mostrich-Sorten vor ihm sicher. Nicht umsonst habe er sein
Geschäft «Senfatelier» genannt: «Ein Atelier ist ein Raum
künstlerischen Schaffens, und für mich ist Kochen auch etwas
Künstlerisches und Kreatives.» Den Namen seines Ende 2005 eröffneten
Geschäfts habe er schützen lassen. Inzwischen hat Schönau auch rund
25 Gewürzmischungen aus eigener Komposition im Sortiment wie
violettes «Hibiskus-Salz» oder «Haigerer Salatgewürz», in dem Salz,
Pfeffer und Kräuter wie Dill und Petersilie drin sind.
Jede Senfsorte hat laut Schönau dieselbe Basis: Man nimmt eine
dunkle und eine helle Senfsaat, mahlt diese gut durch und mischt
Wasser, Zucker, Salz und Essig dazu. «Am Ende hat man eine gelbe
Pampe», sagt Schönau. Das Entscheidende sei die Mischung der Zutaten.
Die will Schönau aber natürlich nicht preisgeben. Er verrät aber,
dass die Mixtur etwa zwei Wochen ruhen müsse.
Bis die Mischung richtig nach Senf schmeckte und genießbar war,
hat Schönau nächtelang experimentiert und Stunde um Stunde an
Rezepturen getüftelt. So entstand auch der «Haigerer Senf», der
scharf schmeckt und mit Weinbalsamessig abgerundet ist. «Herzhaft,
stark und bodenständig. Mit diesem Senf gibt es ein Souvenir aus
Haiger, das viele Kunden gern verschenken», sagt Schönau. «Was für
andere bloß eine Beigabe zur Bratwurst ist, ist für mich ganz fester
Bestandteil meines Lebens.» Er wolle seinen Senf noch lange
dazugeben.
|