Mainz (dpa) - 14. Oktober 2008
Winzer hoffen auf Goldenen Oktober - Riesling braucht noch Reifezeit
Viele Winzer in Rheinland-Pfalz hoffen auf einen
«Goldenen Oktober». Noch ein paar warme und vor allem trockene Tage
täten dem 2008er-Jahrgang nach der Einschätzung von Experten gut,
denn gerade beim spät reifenden Riesling war der natürliche Abbau der
Fruchtsäure durch den relativ kühlen September etwas ins Stocken
geraten. Daher hängen in vielen Weinbergen, etwa an Mosel und Nahe,
die Rieslingtrauben noch an den Rebstöcken, während die frühreifen
Sorten längst im Keller sind. Insgesamt erwarten die Winzer einen
durchschnittlichen bis guten Jahrgang.
Der Präsident des Pfälzer Weinbauverbandes, Edwin Schrank, ist mit
dem bisherigen Verlauf der Lese sehr zufrieden. «Wir hatten zeitweise
mal Sorgen wegen der großen Feuchtigkeit, dass Fäulnis ein Problem
werden könnte.» Das habe sich dann aber nicht bewahrheitet. «Durch
die kühlen Temperaturen konnten wir abwarten, bis die Trauben das
richtige Reifestadium hatten.» Die Pfälzer Winzer könnten «ohne Eile»
ernten. Der Ertrag werde mengenmäßig wohl leicht unter dem Vorjahr
liegen, sagte Schrank. «Das fällt aber regional ganz unterschiedlich
aus.» Mit der Qualität seien die Winzer in der Pfalz «sehr
zufrieden». Er rechne damit, dass sich «sehr stabile» Weine mit einer
schönen Fruchtsäure entwickeln.
An der Mosel, an der die Riesling-Lese gerade erst begonnen hat,
wird 2008 ein eher durchschnittlicher Jahrgang erwartet. Das kühle
Wetter seit Mitte September habe die Reife der Trauben verzögert,
sagte der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel, Gerd Knebel. Zu
schaffen mache den Winzern die Apfelsäure, die aufgrund der niedrigen
Temperaturen nicht so gut abgebaut worden sei. Viele ließen die
Trauben daher noch länger hängen und hofften auf wärmere Tage.
Der Zuckergehalt liege beim Riesling derzeit bei 75 bis 85 Grad
Oechsle und werde voraussichtlich auch beim späteren Ernten maximal
90 bis 95 Oechsle-Grad erreichen. «Von der Qualität her kriegen wir
wohl nicht die herausragenden Werte der vorherigen Jahre», sagte
Knebel. Dafür werde es aber ein «marktgerechter Jahrgang», der anders
als in den Vorjahren eine große Bandbreite an «fruchtig-frischen
Trinkweinen mit weniger Alkohol» zu bieten habe.
«Wir hoffen auf weitere trockene Wochen für die Lese», sagte der
Vorsitzende der Prädikatsweingüter (VDP) in Rheinhessen, Philipp
Wittmann. Derzeit seien die Bedingungen für die Ernte noch extrem
gut, die Winzer könnten «ruhig und geduldig» den optimalen
Reifezeitpunkt abwarten - solange kein Dauerregen einsetzt. Insgesamt
erwartet Wittmann einen guten Jahrgang. «Wie gut, das wird sich noch
zeigen.» Dazu müsse man erst die Entwicklung der Weine im Keller
abwarten, konkrete Aussagen über den Charakter des 2008er seien daher
erst im kommenden Frühjahr und Sommer möglich.
Der Mittelrhein steht nach den Worten von Knebel «sehr gut da».
Hier gebe es derzeit keine Probleme. Erwartet werden dort ein
durchschnittlicher Ertrag und Jahrgang. Da die Mittelrhein-Weine der
vergangenen Jahre «so gut wie ausverkauft» seien, werde der 2008er
«ohne Probleme auf dem Markt» unterzubringen sein, sagte der
Geschäftsführer.
An der Ahr wird mit einem «normalen Rotwein-Jahr» gerechnet. Die
Mostgewichte beim Spätburgunder seien durchschnittlich, ebenso wie
der kalkulierte Ertrag. Noch sei auch hier die Säure in den Trauben
«relativ hoch», sagte Knebel. Daher sei es am besten, «wenn sie noch
ein bisschen hängenbleiben». Probleme könne den Winzern aber die
Fäulnis bereiten. «Beim Rotwein kann man nur ganz gesunde Trauben
nehmen, denn die faulen zerstören die rote Farbe.»
Wenn das Wetter mitspielt, stehe den Winzern an der Nahe ein «sehr
guter Jahrgang ins Haus», sagte der VDP-Vorsitzende für die Region,
Armin Diel. Allerdings brauchten viele Weinberge an der Nahe, wo
überwiegend Riesling angebaut wird, «noch Zeit». Wenn alles gutgeht,
erwartet Diel «nicht so opulente Weine mit einer schönen
Säurestruktur». Die Lese dauert noch mindestens bis Anfang November.
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