Frankfurt/Main (dpa) - 15. Oktober 2008
Feiern wie die Fürsten: Familienfeste im Schloss richtig planen
Einmal eine Nacht im Schloss verbringen
- für viele klingt das immer noch wie ein Märchen. Dabei stehen
Burgen und Schlösser längst nicht mehr nur Prinzen und Drachentötern
offen. In vielen von ihnen kann heute jeder feiern wie die Fürsten.
Ob zur Hochzeit, zum Jubiläum oder zu Papas 60. Geburtstag: Ein
uriges Gemäuer oder ein prunkvoller Festsaal schafft immer eine
feierliche Stimmung. Beim Planen solcher Feste sollten neue
«Schlossherren» aber einige Tipps beachten.
Während berühmte Schlösser meist nur besichtigt werden dürfen,
werden kleinere und weniger bekannte Schlossanlagen und Burgen oft
auch für private Anlässe vermietet. «Die meisten denken dabei immer
gleich an Neuschwanstein oder Sanssouci - aber es gibt da jede Menge
kleinere Perlen zu entdecken», sagt Martina Binhack von der Deutschen
Zentrale für Tourismus in Frankfurt. «Da bekommt man gleich zwei
Dinge auf einmal geboten: Die historischen Räumlichkeiten, und zum
anderen sind drumherum ja oft wunderschöne Landschaften oder Parks.»
Wie viel so eine Feier kostet, hängt davon ab, ob Jubilare und
Brautpaare lieber mit einem Komplettangebot rundum versorgt sein
wollen oder nur passende Räume zum Feiern suchen und sich um Essen,
Übernachten und Programm in Eigenregie kümmern. Bei der Suche nach
der passenden Anlage muss außerdem überlegt werden, welches Ambiente
am besten passt: Ein vornehmes Schlosshotel oder lieber eine
mittelalterliche Festung mit Rittersaal?
Wer fürstlichen Prunk für seine Feier sucht, wird etwa im Schloss
Hohenstein in Ahorn (Bayern) fündig. Dort können bis zu 150 Personen
zuerst Sekt im Rokokopark schlürfen und danach im Spiegelsaal des
Schlosses speisen. Der Preis dafür liegt bei rund 100 Euro pro
Person. «Das ist besonders für Hochzeiten gefragt, da kann man sich
mal einen Tag wie eine Prinzessin fühlen», sagt Michael Kötterl, der
den Schlossbetrieb leitet. Für Trauungen bietet das Schloss eine
eigene Kapelle.
Rustikaler geht es auf der Burg Pyrmont in Roes (Rheinland-Pfalz)
zu. Dort wird bei Feiern etwa zu runden Geburtstagen auf Wunsch ein
Rittermahl serviert. Vorher führen Gaukler und Feuerspucker den
Gästen ihr Können vor und versetzen sie so ins Mittelalter. «Das
reizt viele, mal in eine andere Welt einzutauchen, da kann man dem
Alltag ein bisschen entfliehen», sagt Ingeborg Scholz vom
Betreiberteam. Geschlossene Gesellschaften können die Anlage komplett
mieten. «Da hat man die Burg dann wirklich ganz für sich.» Da es dort
aber nur Zimmer für rund 20 Gäste gibt, müssen größere Gruppen in den
Hotels der umliegenden Orte schlafen.
Noch mehr wie in der Ritterzeit sieht es auf der Tannenburg im
hessischen Nentershausen aus: Dort können Paare sogar als Prinz und
Prinzessin verkleidet heiraten. Begleitet werden sie von Minnesängern
und anderen kostümierten Mittelalter-Fans. Betten gibt es in der Burg
aber nicht - übernachtet wird in der Regel in Zelten auf dem Burghof,
sagt Stefan Uhe, der zu den Betreibern gehört. Im Winter wird die
Burg daher nicht vermietet, weil es dort dann zu kalt wird. Ein
Wochenende kostet mit Vollverpflegung 42 Euro pro Person.
Ganz nach eigenem Gusto feiern Gruppen auf der Burg Lohra in
Thüringen. Dort sind lediglich 8 bis 10 Euro pro Person und
Übernachtung zu zahlen, der Rest bleibt einem selbst überlassen.
Geschlafen wird etwa in ehemaligen Eseltreiberhäusern in der Vorburg.
Bei großen Familientreffen und Festen kommt auf Selbstversorger aber
viel Arbeit zu: Sie müssen nicht nur einen Getränkelieferanten in der
Gegend finden und einen DJ für den Tanzabend bestellen. Stehen auch
noch Kochen und Spülen auf dem Programm, bekommt der Ausflug schnell
den Charakter eines Pfadfinderlagers.
Viel zu tun gibt es bei solchen Festen vorher immer: Wer etwa auf
einem Schloss heiraten will, muss das lange im Voraus planen. «Am
besten lässt man sich ein Jahr vorher den Wunschtermin vom Standesamt
reservieren und macht ihn ein halbes Jahr vorher fest», rät Kötterl.
Auch bei Geburtstagsfeiern auf Burgen müssen nicht nur Essen,
Tischordnung und Musik rechtzeitig besprochen werden. Es gilt auch zu
überlegen, ob etwa eine Diaschau mit Erinnerungsfotos im Burgzimmer
machbar ist und ob für Kinder genug Platz zum Spielen besteht.
Nicht zuletzt sollte auch beim Mieten einer Burg auf das
Kleingedruckte geachtet werden: In einigen ist zum Beispiel das
Rauchen aus Denkmalschutzgründen verboten. Auch sollten
frischgebackene «Burgherren» besser nicht aus Neugier in den Kerker
der Anlage steigen, wenn das verboten ist - wer sich dort sonst ein
Bein bricht, hat eine ungemütliche Geburtstags- oder Hochzeitsnacht
vor sich.
(Internet: Die Deutsche Burgenvereinigung bietet unter Link: www.ebidat.de
eine Datenbank mit rund 1000 Burgen in Deutschland an.)
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