Neustadt/Weinstraße (dpa) - 20. Oktober 2008
Weinbranche blickt positiv in die Zukunft - Gute Absatzprognosen
Trotz der allgemeinen Konsumflaute
blickt die deutsche Weinbranche nach Einschätzung von Experten
positiv in die Zukunft. Die Absatzprognosen für deutschen Wein im In-
und Ausland seien nach wie vor sehr gut, sagte Steffen Christmann,
Vorsitzender des Verbandes des Prädikatsweingüter (VDP), in Neustadt
an der Weinstraße in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur
dpa. «Die Horrormeldungen aus der Wirtschaft betreffen unsere Branche
nicht.» Die Nachfrage nach deutschen Spitzenweinen sei ungebremst.
«Wir spüren keinen Rückgang.» Im Gegenteil: Beim Export stiegen
zuletzt die Zahlen, bei der Menge und noch deutlicher beim Wert.
«Neben dem Trend zur Regionalisierung, bei dem die Menschen nach
Produkten aus der Region verlangen, gibt es auch die Tendenz zur
Globalisierung», sagte Christmann. Und dies nicht nur in Deutschland,
sondern auch in anderen Ländern. Gerade bei den höheren Qualitäten
rate er der Weinbranche, die Exportmärkte im Auge zu behalten. Was
vor 10 bis 15 Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre, sei inzwischen
eingetreten: Weintrinker in Spanien und Italien kaufen deutschen
Wein. Und auch der Markt in Frankreich werde stärker. «Dies ist aber
noch ein zartes Pflänzchen», sagte der Winzer.
Diskussionen gibt es in der Branche derzeit unter anderem über die
Folgen der neuen EU-Weinmarktordnung, die im Dezember 2007
verabschiedet wurde. Mit ihr werden unter anderem die Bezeichnungen
auf den Weinetiketten neu geregelt. Dazu zähle auch, beim Wein die
Herkunft, also den Name der Weinlage, mit bestimmten Rebsorten und
bestimmten Geschmacksrichtungen fest zu verbinden, sagte Christmann.
Deutsche Begriffe wie Spätlese oder Kabinett blieben nur noch über
das «Hintertürchen» der traditionellen Bezeichnung erhalten.
«Bislang war es in Deutschland im Grunde möglich, die
Gebietsbezeichnungen über die Herkunft der Trauben mit allen
Rebsorten und Qualitäten zu kombinieren», erklärte der VDP-
Vorsitzende. Das sorge beim Verbraucher mitunter für Verwirrung, wenn
er etwa von einer Weinlage einmal einen trockenen Riesling in der
Flasche hat und beim nächsten Kauf eine liebliche Huxelrebe. «Es ist
schon sinnvoll, die unendliche Kombinierbarkeit einzuschränken, um
verbraucherfreundlicher zu werden», sagt Christmann. Dennoch dürften
die deutschen Besonderheiten in der Weinbezeichnung nicht auf der
Strecke bleiben.
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