Frankfurt/Main (dpa) - 20. Oktober 2008
Daheim beim Sternekoch - Juan Amador eröffnet erstes Ein-Zimmer-Hotel
Groß, größer, am Größten - die Hotelbranche
übertrifft sich überall mit Superlativen. Doch es gibt einen, der
einen anderen Weg beschreitet: Der Drei-Sterne-Koch Juan Amador (39).
Als erster Spitzengastronom in Deutschland eröffnet er am 20. Oktober
in Frankfurt ein Hotel, das nur ein einziges Zimmer bietet - und
damit könnte er durchaus einen Trend auslösen, glauben Fachleute.
Über die Hanauer Landstraße im Osten Frankfurts geht es mitten
hinein in ein Industriegebiet. Der Stadtteil heißt Fechenheim, und
die City liegt mittlerweile fast eine knappe halbe Fahrstunde zurück.
Freiwillig will in dem Areal eigentlich niemand wohnen, und als vor
Jahren der DJ Sven Väth zwischen Imbissbuden und Lagerhallen seinen
inzwischen legendären Cocoon-Club eröffnete, ging ein Raunen durch
die Szene. Kommende Woche eröffnet Amador in dieser Umgebung ein
Hotel. Und nicht irgendeines, sondern ein kleines Luxus-Loft für
Feinschmecker.
«001-001» nennt der 39-Jährige sein neues Haus. Das will heißen:
Einer für Einen. Ein Gastgeber, ein Gast. «Ich bin schon fast überall
auf der Welt in Hotels gewesen und habe eigentlich die ganze
Bandbreite durch», erinnert sich der Küchenchef. «Aber ich habe immer
das Gefühl vermisst, zu Hause zu sein, wenn ich weg war - egal, wie
man versucht hat, mich zu verwöhnen.» Genau dieses Gefühl von Heimat
will er seinem Gast in Zukunft bieten.
Der darf dabei in Luxus schwelgen: In dem umfunktionierten
Penthouse über dem Atelier, in dem der Avantgardekoch regelmäßig an
neuen Kreationen arbeitet, herrscht edles Design vor. Die 80-
Quadratmeter-Dachterrasse bietet Skyline-Blick, vor der Tür wartet
eine Limousine der italienischen Edelmarke Maserati inklusive Fahrer,
und statt einer Mini-Bar gibt es einen Weinkühlschrank mit
ausgesuchten Tropfen.
Zudem schmücken zwei Originalplastiken des Künstlers Jörg
Immendorff die Suite. Entworfen haben das alles die Gründer des
«Morgen» Studio, Sabine Mühlbauer und Thomas Tritsch. Sie haben in
Frankfurt bereits Bars wie das «Walden», die «Cocoon-Lounge» und
mehrere Zimmer des «25-Hours-Hotel» gestaltet.
«Das Leben ist so anstrengend geworden. Daher ist das Gefühl
anzukommen heutzutage so enorm wichtig», sagt Susanne Drexler, Chefin
der Frankfurter Gourmet Connection GmbH, eine Agentur, die sich auf
die Betreuung von Spitzen-Restaurants spezialisiert hat. Für sie
trifft der gebürtige Schwabe mit seinem neuen Konzept den Nerv der
Zeit. Individualisierung sei eines der wichtigsten Merkmale künftiger
Märkte. Genau das hatte im Frühjahr dieses Jahres die Frankfurter
Marktforschungsgesellschaft ACNielsen GmbH in einer Studie
nachgewiesen. Sie belegt, das Individualität - bei zahlungskräftigen
Kunden - immer bedeutsamer wird.
Genau an dieser Stelle setzt das «001-001» an. Denn statt sich
fürs Frühstück in Schale zu werfen, können die Gäste des Hauses leger
den großen Kühlschrank in der Suite-Küche plündern, gefüllt mit
allerbesten Zutaten vom Spitzenkoch, und sich fühlen wie zu Hause.
Eine Voraussetzung muss jedoch gegeben sein: Geld darf keine Rolle
spielen. Denn eine Nacht zu zweit schlägt mit 650 Euro zu Buche.
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