Weinsberg/Freiburg (dpa) - 27. Oktober 2008
Trotz Geno-Fusion wollen die Weinbauverbände selbstständig bleiben
Die Weinbauverbände im Südwesten
wollen ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben. Anders als die
Genossenschaftsverbände, die sich im kommenden Frühjahr zum Baden-
Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) zusammenschließen
werden, sehen der Badische Weinbauverband in Freiburg und der
Weinbauverband Württemberg in Weinsberg (Kreis Heilbronn) keine
Vorteile in einer möglichen Fusion. «Unsere Verbände haben
unterschiedliche Strukturen und Philosophien», sagt Karl Heinz
Hirsch, der Verbandsdirektor in Württemberg. «Wir haben berechtigte
Unterscheidungsmerkmale, für einen Zusammenschluss gibt es keine
Notwendigkeit», betont Badens Geschäftsführer Peter Wohlfahrt.
So ergibt sich für die Winzer und Weingärtner im Genießerland
Baden-Württemberg eine etwas groteske Situation: sie sind als
Genossenschaft künftig unter dem zentralen Dach des BWGV organisiert,
weinbaupolitisch gehören sie aber zwei unterschiedlichen Verbänden
an. Die 142 Mitglieder der badischen Genossen bearbeiten 71 Prozent
der gesamten Anbaufläche, die 62 Genossenschaften in Württemberg
produzieren drei Viertel des württembergischen Weines. Für die
Konsumenten bedeutet dies, dass sie weiter auf baden-
württembergischen Wein verzichten und zwischen badischen Tropfen und
Württemberger Wein wählen müssen.
Hirsch und Wohlfahrt verweisen auf die «sehr gute Zusammenarbeit»
zwischen den beiden Weinbauverbänden. «Wo es Sinn macht, kooperieren
wir, zum Beispiel bei der Messe Baden-Württemberg Classics»,
berichtet Wohlfahrt. Und Hirsch stellt fest: «Bei großen Fragen
arbeiten wir in der Südschiene mit Baden, Franken und Württemberg
hervorragend zusammen. Bei den Banken ist eine Fusion einfacher. Wir
aber stellen doch sehr unterschiedliche Produkte her.»
Baden gilt als Burgunderland, Württemberg besitzt mit Trollinger,
Lemberger und Schillerwein ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem gehört
Baden der Weinbauzone B an, wie das Elsass, die Champagne oder das
Loire-Tal; die anderen zwölf deutschen Weinanbaugebiete zählen zur
kühlsten Zone A. Die nordbadischen Winzer gehörten übrigens lange zu
Württemberg, ehe sie sich 1964 dem Badischen Weinbauverband
anschlossen.
Anders als die Weinbauverbände hält Dieter Weidmann eine Fusion
für überlegenswert. «An der Basis ist doch ein gewaltiger
Strukturwandel eingetreten. Angesichts steigender Kosten in vielen
Bereichen wären Synergie-Effekte in Euro und Cent spürbar», sagt der
Vorstandsvorsitzende der Württembergischen Weingärtner-
Zentralgenossenschaft in Möglingen (Kreis Ludwigsburg), Deutschlands
größter Genossenschaft. Weidmann meint, der neue Geno-Verband im
Südwesten habe künftig eine andere Position als die beiden früheren
Verbände: «So wäre dies auch bei den Weinbauverbänden.» Württembergs
Verbandsdirektor Hirsch sieht das anders: «Rheinland-Pfalz hat sogar
sechs Anbaugebiete.»
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