Bonn (dpa) - 28. Oktober 2008
Brust oder Keule: Deftig-raffinierte Gerichte von Rind und Kalb
Ob ein saftiges Steak, ein rustikaler
Braten oder zarte Streifen für Geschnetzeltes: Rind- und Kalbfleisch
bieten sich für deftige wie raffinierte Gerichte an. Vor dem Kauf
empfiehlt es sich allerdings, genau zu überlegen, wofür das jeweilige
Stück verwendet wird. Denn davon hängt ab, ob die unterschiedlichen
Gerichte gelingen, erläutert die Centrale Marketing-Gesellschaft der
deutschen Agrarwirtschaft (CMA) in Bonn.
Kalbfleisch ist hellrosa oder, wenn es vom Milchkalb stammt, fast
weißlich. Es gilt als besonders zart und eignet sich im Prinzip für
jede Zubereitungsart - besonders aber zum Kurzbraten oder Schmoren.
Da es einen höheren Wasseranteil besitzt als andere Fleischsorten,
sollte es zunächst scharf angebraten und dann bei niedrigen
Temperaturen weiter gegart werden, rät die CMA.
Für Wolfgang Stein vom Verband der Köche Deutschlands (VKD) in
Frankfurt/Main stehen dabei geschmorte Haxen an erster Stelle. «Das
ist ein deftig-kräftiges Herbstgericht, das vor allem wegen seiner
Soße fantastisch ist», sagt er. Das Kalbfleisch wird am Knochen
zusammen mit Röstgemüse, Kräutern und Tomatenmark angebraten und mit
Rotwein abgelöscht. Dann kommen die Haxen zum Schmoren in den Ofen.
«Wer mag, gibt noch getrocknete Steinpilze oder Pfifferlinge in den
Sud», sagt Stein.
Zum Schluss sollten die Haxen noch etwas Oberhitze bekommen. «Dann
werden sie schön knusprig.» Dazu empfiehlt er Stampfkartoffeln,
Kohlrabi, geschmorten Spitzkohl oder ein Püree aus Wurzelgemüsen wie
Pastinaken, Petersilienwurzel und Karotten.
Für echtes Wiener Schnitzel eignen sich ausgelöste Teile aus dem
Kalbsrücken. Rückenstücke bieten sich aber auch für Braten an, ebenso
wie die vier Teilstücke der Keule - Oberschale, Hüfte, Unterschale
und Nuss. Da vor allem die Nuss sehr mager ist, sollte das Fleisch
mit Speckscheiben belegt oder während des Bratens mit Butter
bestrichen werden, damit es nicht austrocknet.
Hals und Nacken lassen sich laut CMA gut für Ragout Fin,
Frikassee, Gulasch sowie saftige Koteletts verwenden. Die Dünnung,
ein flaches und knochenloses Bauchstück, wird gern für preiswerten
Rollbraten oder zum Füllen verwendet - «zum Beispiel als Wickelbraten
mit Niere drin», sagt Andreas Koreng, Inhaber einer Fleischerei in
Dresden.
Zwar lassen sich auch aus Kalbfleisch Rouladen machen, die meisten
Kunden von Korengs Fachgeschäft greifen dafür aber lieber zu Stücken
aus der Unterschale vom Rind. «Kalbfleisch ist eher eine festliche
Angelegenheit, zu Weihnachten oder Ostern etwa», sagt der Metzger.
Traditionell wird das Fleisch für Rouladen mit Senf bestrichen,
mit Salz und Pfeffer gewürzt und mit gehackter Zwiebel, einer Scheibe
Speck und einer Gewürzgurke gefüllt. «Bis sie nach dem Anbraten gar
sind, muss man schon mit einer bis eineinhalb Stunden rechnen», sagt
eine von Korengs Verkäuferinnen. Wer es italienisch angehaucht mag,
füllt die Roulade mit einer Mischung aus kleingehackten getrockneten
Tomaten, Hackfleisch, Knoblauch und Kräutern, rät Koch Stein.
Rindfleisch unterscheidet sich nicht nur im wesentlich kräftigeren
Geschmack von Kalbfleisch. Es ist in der Regel außerdem etwas weniger
weich und hat - gute Qualität vorausgesetzt- eine leuchtend rote
Farbe. Die zartesten Stücke stammen von den Innenseiten der Keule und
vom Rücken. Filetfleisch aus dem Rücken empfiehlt die CMA etwa für
Chateaubriand, Tournedos, Filet Mignon oder Medaillons. Gerichte wie
Boeuf Stroganoff und Filetgulasch gelingen am besten mit Stücken aus
der dünnen Filetspitze.
Für einen würzigen Sauerbraten aus Rindfleisch eignen sich ein
Teil aus der Schulter oder eine saftige Fehlrippe. Das Stück wird
einige Tage in einer Marinade aus Rotwein und Essig eingelegt und -
in manchen Regionen mit Suppengemüse - geschmort. «Bei der
rheinischen Variante dürfen Mandeln und Rosinen an der Soße nicht
fehlen», erläutert Stein. Klöße und Apfelmus sind typische Beilagen.
Und da sich vom Rind fast alles verarbeiten lässt, empfiehlt Stein
neben einer Ochsenzunge in Madeira-Soße und gebratener Leber auch
noch seinen persönlichen Favoriten: ein mit Semmeln, Petersilie,
Zwiebeln und geröstetem Speck gefüllter Ochsenschwanz.
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