München (dpa) - 06. November 2008
Dinnershows buhlen um Münchner Publikum
Bisher mussten sich Liebhaber von Kunst und
Kulinarischem entscheiden: Entweder man saß mit knurrendem Magen im
Theater und suchte nach dem letzten Vorhang hektisch ein Restaurant
auf, dessen Koch sich noch einmal erweichen ließ. Oder man ging
vorher essen und wurde während der Vorstellung von Schläfrigkeit und
Völlegefühl geplagt. In München gibt es dieses Dilemma nicht. Gleich
drei Dinnershows laden heuer zu einem Mix aus Unterhaltung und gutem
Essen ein.
Bereits seit 2004 kredenzt Sternekoch Alfons Schuhbeck seinen
Gästen Köstlichkeiten im funkelnden Ambiente eines Spiegelpalastes.
Doch während der Münchner Vorzeige-Gastronom bislang in den «Palazzo»
an der Neuen Messe Riem bat, hat er für die diesjährige
Herbst/Wintersaison sein Teatro eröffnet. «Schubecks Teatro» befindet
sich in Sichtweite seiner alten Schaffensstätte, dem Palazzo-
Spiegelpalast, und buhlt außerdem mit einem sehr ähnlichen
Programm wie der Mitbewerber um die Gunst der Gäste.
Unter dem Motto «Wein, Leib und Gesang» lässt Schubeck für bis zu
350 Besucher pro Abend dreieinhalb Stunden lang Akrobaten, Varieté-
Künstler und Musiker auftreten. Dazwischen fährt der Gourmet ein
Vier-Gang-Dinner auf, das auf Schaumsüppchen von der Strauchtomate
und zartes Kalbsfilet setzt. Mit gleich vier Spitzenköchen und einem
Grafen kontert der Palazzo. Während der mit drei Michelin-Sternen
ausgezeichnete Harald Wohlfahrt und die drei Palazzo-Spitzenköche aus
Wien, Amsterdam und Berlin den Gaumen verwöhnen, präsentieren
Illusionist Evgeny Voronin als Graf und sein Künstlerteam eine
trickreiche Dreiecksgeschichte.
Angesichts der etablierten Spiegelpalast-Profis sei es zwar ein
hohes Risiko gewesen, als neuer Mitbewerber auf den Markt zu gehen,
heißt es bei «Giovane Elbers do Brazil», der nunmehr dritten Münchner
Dinnershow, die in München kürzlich Weltpremiere feierte. Aber da man
mit Starkoch Dieter Müller das kulinarische Niveau der Konkurrenz
sicher erreiche und dazu ein spannenderes künstlerisches Konzept als
die klassischen Dinnershows biete, habe man es dennoch gewagt, sagt
Sprecher Bernhard Appelius.
Zugpferd Giovane Elber, brasilianischer Ex-FC-Bayen-Stürmer, sowie
drei amtierende Samba-Königinnen und Countertenor Edson Cordeiro
sollen helfen, den Spiegelpalast am Hirschgarten mit Publikum zu
füllen. Das gelinge auch schon ganz gut, sagt Appelius. «Es wäre zwar
gelogen zu behaupten, wir seien jeden Abend ausverkauft», räumt er
ein, die Erwartungen hätten sich dennoch bereits erfüllt.
Wenn es in Deutschland eine Stadt gebe, die drei Dinnershow-
Konzepte vertragen könne, dann gehöre München auf jeden Fall in den
engsten Kreis, ist man beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband
überzeugt. «Wir begrüßen es, dass die Gastronomen Jahr für Jahr neue
Ideen hervorzaubern», erklärt Verbandssprecher Frank-Ulrich John,
damit werde den Menschen Lust auf Genuss und gutes Essen gemacht.
Letztendlich entscheide aber der Markt, ob sich alle drei Dinnershows
hielten. Die Eintrittskarten kosten immerhin um die 100 Euro.
Horst Bork, Manager von Spitzenkoch Eckart Witzigmann, den man auf
der Münchner Dinnershow-Bühne heuer vergeblich sucht, betrachtet die
starke Wettbewerbssituation gar als Chance: «Wir schauen dem Massaker
mit Interesse zu und werden aus den Fehlern der anderen lernen.»
Kommende Saison will Witzigmann sich mit einem neuen Konzept in der
Welt der Spiegelpaläste zurückmelden.
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