Würzburg (dpa) - 11. November 2008
Kabinett oder Spätlese? - Neue Wein- und Sommelierschule in Würzburg
Silvaner zum Rinderfilet oder Domina zur
Brunnenkresse-Suppe: Viele Mitarbeiter in den «weinfränkischen»
Restaurants und Gaststätten wissen nicht, welchen Wein sie dem
zumeist unkundigen Touristen zum Essen empfehlen sollen. Zwar hat der
Weinanbau in Franken schon seit gut 1200 Jahren Tradition, prägt das
Landschaftsbild und die ansässige Wirtschaft - beim Weintourismus und
der damit einhergehenden fachkundigen Weinberatung gibt es dagegen
teils noch enormen Nachholbedarf. «Es bestehen große Defizite vor
allem beim Service in der Gastronomie», sagt der Geschäftsführer des
Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt.
Seinen Worten nach fehlte es bisher an einem breiten Aus- und
Weiterbildungsangebot für die Restaurant-Fachkräfte, die oft auf 400-
Euro-Basis oder als Aushilfen tätig seien. «Die Besucher möchten in
der Gastronomie fachkundig beraten werden», weiß Schmitt. Dass die
Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt nun eine
Wein- und Sommelierschule in Würzburg ansiedeln wird, trage diesem
Wunsch Rechnung. Schließlich berge der Tourismus für die Weinregion
Franken ein jährliches Umsatzvolumen von etwa 1,8 Milliarden Euro.
Damit das auch so bleibt, müssten nicht nur die Sommeliers, früher
etwas lapidar Weinkellner genannt, sondern auch andere Berufsgruppen
ihr Wissensspektrum erweitern.
Vom kommenden Jahr an wird es bei der IHK also nicht mehr nur
Schulungen für Immobilienmakler, Bankfachwirte oder Juristen geben.
So können sich künftig Köche, Gastronomen und Weinhändler in den
Grundlagen der Degustation schulen lassen, die eigene
Geschmacksempfindlichkeit testen, sich mit der Leitaromatik bei Weiß-
und Rotweinen beschäftigen oder lernen, wie man möglichst kreativ
eine Weinprobe gestaltet. «Viel zu wenige wissen eigentlich, wie gut
unsere Weine sind», sagt der stellvertretende IHK-
Hauptgeschäftsführer Jürgen Bode und beklagt die teils unzureichenden
Kenntnisse des Servicepersonals.
Die Angebote in Würzburg, die zusammen mit der Deutschen Wein- und
Sommelierschule (DWS) aus Koblenz entwickelt worden sind, reichen von
ein- und mehrtägigen Sensorik-Seminaren bis hin zu
berufsbegleitenden Fortbildungen, zum Beispiel zum «Wine Expert -
Bronze» in 64 Unterrichtsstunden. Hierfür müssten die Teilnehmer
allerdings viel Disziplin mitbringen, sagt DWS-Präsident Hans-Jürgen
Podzun mit Blick auf die Lehrgänge an den Wochenenden oder im Urlaub.
Auf Sommelier-Niveau würden die Männer und Frauen - ambitionierte
Weinkenner, Existenzgründer im Weinhandel oder Quereinsteiger in der
Gastronomie - hier praxisorientiert in die Welt des Weines
eingeführt. Wem der Titel «Wine Expert» in der Goldvariante nicht
reicht, der kann später die IHK-Prüfungen «Sommelier» und
«Weinfachberater» machen.
«Wir bilden niemanden darin aus, wie man Wein macht», sagt Podzun.
Vielmehr gehe es um den sicheren Umgang mit den beliebten Getränken
in den Gaststätten. «Das geht bis zum Öffnen einer Rotweinflasche
oder dem richtigen Einschenken eines Bocksbeutel-Weines. Denn hier
muss die flache Seite der Flasche nach unten liegen, das Etikett nach
oben zeigen, damit der Gast es lesen kann.» Aber auch Themen wie
«Welches Weinsortiment schaffe ich mir als Gastronom an?», «Wie kaufe
ich einen Wein?» und «Wie gestalte ich meine Weinkarte?» sollen
besprochen werden.
Daneben wird die IHK Würzburg-Schweinfurt eine Vielzahl von
Tagesseminaren anbieten, darunter zu «Die Vielfalt des Rieslings»
oder ein spezielles Rotwein-Seminar. Die Kosten sind je nach
Weiterbildung recht unterschiedlich - mit 200 Euro je Tagesseminar
müssten Interessierte rechnen, sagt Podzun. Würzburg wird die zweite
Niederlassung der DWS im Freistaat sein. Seit 2003 gibt es bereits
eine Wein- und Sommelierschule in München, deren Angebote jedes Jahr
von etwa 130 Interessierten wahrgenommen werden.
(Internet: Link: www.weinschule.com)
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