Berlin (dpa) - 19. November 2008
Lästiges Feuer im Hals: Wenn Sodbrennen den Genuss verdirbt
- Gerade noch hat das Essen geschmeckt. Doch auf
einmal kommt ein aufsteigender, brennender Schmerz hinter dem
Brustbein, dazu saures Aufstoßen und Völlegefühl. «Das sind die
typischen Symptome von Sodbrennen», sagt Prof. Herbert Koop, Chefarzt
der Gastroenterologie am Helios-Klinikum in Berlin-Buch. Manche
Patienten klagen zudem über Übelkeit, Schweißausbrüche oder
beschleunigten Puls. Etwa jeder vierte Deutsche leidet zumindest
immer mal wieder an Sodbrennen - vor allem an Tagen wie Weihnachten
oder Silvester.
Die Beschwerden entstehen, wenn saurer Mageninhalt in die
Speiseröhre aufsteigt. Denn ein wichtiger Bestandteil des Magensaftes
ist hochkonzentrierte Salzsäure. Sie reinigt die Nahrung von
möglichen Keimen und zerkleinert vor allem Zuckermoleküle. Der Magen
selbst ist gegen diesen aggressiven Verdauungssaft mit
Schutzmechanismen ausgestattet, die Speiseröhre jedoch nicht.
Normalerweise gelangt die Magensäure dort auch nicht hin - ein
ringförmiger Schließmuskel am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen
verhindere das, sagt Koop.
«Wenn nun aber der Muskelring nicht ausreichend angespannt ist,
dann gleitet der saure Mageninhalt die Speiseröhre hinauf und reizt
deren empfindliche Schleimhaut», erklärt der Experte. Das gleiche
passiert, wenn durch eine zu große Zwerchfelllücke, etwa einen
Zwerchfellbruch, Teile des Magens nach oben in den Brustraum drängen.
Dann ist der Rückfluss so stark, dass die Muskulatur der Speiseröhre
ihn nicht mehr zurückdrängen kann. Damit wirkt mehr Säure über einen
längeren Zeitraum auf die Speiseröhrenschleimhaut ein.
Die Auslöser für eine vorübergehende oder dauerhafte
Verschlussschwäche sind vielfältig: Einzelne Magenerkrankungen
schwächen das Binde- oder Muskelgewebe. Medikamente lassen den
Schließmuskel erschlaffen. Stress kann ebenfalls eine Rolle spielen.
«Auch Schwangerschaft erhöht das Risiko von Sodbrennen: Das Baby
drückt auf den Magen und den Schließmuskel», sagt Prof. Jürgen
Riemann, Vorsitzender der Gastro-Liga in Ludwigshafen.
Ähnlich drückt auch ein mit einem Festtagsmenü prall gefüllter
Magen. «Trotz der Feiertage sollte deshalb bei der Menge der Speisen
Maß gehalten werden», sagt Riemann. Er empfiehlt, möglichst mehrere
kleinere Mahlzeiten statt weniger großer einzunehmen. Nach dem Essen
sollte man sich nicht direkt hinlegen. «Stattdessen tut Bewegung gut:
Sie lässt den Mageninhalt rutschen.» Wer weiß, dass er empfindlich
reagiert, kann auch mit erhöhtem Oberkörper schlafen. Das erschwert
den Rückfluss.
Außerdem kommt es darauf an, was gegessen wird: «Es gibt eine
ganze Reihe von Lebens- und Genussmitteln, die Sodbrennen hervorrufen
können», sagt Harald Seitz, Ökotrophologe beim
Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn. Dazu gehören scharf
gewürzte, stark angebratene und stark frittierte Speisen sowie
besonders fette Speisen in Kombination mit Süßem. Um das zu verdauen,
produziert der Magen besonders viel Säure.
Auch Alkohol und Nikotin fördern Sodbrennen: Sie wirken
entspannend - auch auf den Magenschließmuskel. Und sie regen die
Säureproduktion im Magen an. «Besonders Rotwein mit einem hohen
Gehalt an Gerbsäure erhöht das Risiko, unter Sodbrennen zu leiden»,
warnt Seitz.
Wer bei großen Festessen regelmäßig an Säureattacken leidet,
vermeidet solche Risikofaktoren am besten. Betroffene können sich
auch mit Säureblockern, sogenannten H2-Blockern, über die Festtage
helfen. «Sie werden am besten bereits zwei bis drei Tage vorher, und
zwar morgens, eingenommen», sagt Riemann.
Eine Dauerlösung sind alle Vermeidungsstrategien und Tabletten
jedoch nicht. «Wer mehrmals die Woche oder gar täglich unter
Sodbrennen leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen und abklären
lassen, ob er unter chronischer Reflux-Krankheit leidet», rät
Gastroenterologe Koop. Je öfter und je länger der Magensaft auf die
Speiseröhre einwirkt und je saurer er ist, desto schwerer wird die
Speiseröhre beeinträchtigt. Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut,
Schädigungen der Atemwege und des Zahnschmelzes bis hin zu Krebs sind
mögliche Folgen.
INFO-KASTEN: Erste Hilfe gegen Sodbrennen
Akutes Sodbrennen lässt sich meist mit einfachen Hausmitteln
zumindest lindern: Flüssigkeit verdünnt die Magensäure und spült sie
aus. Wasser, Kräuter- und Früchtetee sowie Milch sind ideal. Viele
Menschen schwören auf Mandeln oder Nüsse, die zu einem Brei gekaut
und dann geschluckt werden. Auch rezeptfreie Medikamente aus der
Apotheke können helfen. «Gegen sogenannte Antiazida als kurzfristige,
sporadische Hilfsmittel ist nichts zu sagen: Sie binden oder
neutralisieren die Säure auf chemische Weise direkt nach der
Einnahme», sagt der Gastroenterologe Herbert Koop.
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