Meiningen (dpa) - 21. November 2008
«Pilgerziel» für Bahnfans: Zu Gast beim «Dampflok-TÜV» in Meiningen
Zwischen Rhön und Thüringer Wald liegt ein
«Pilgerziel» für viele Fans der Dampflok-Romantik: An jedem ersten
und dritten Samstag im Monat kommen Dutzende von ihnen, um im
Dampflokwerk Meiningen die letzten noch betriebsfähigen Giganten der
Schiene fachmännisch zu betrachten und in ihr Inneres zu blicken. Die
Maschinen werden hier regelmäßig auf ihre Kessel und Kolben hin
überprüft und dem für sie speziellen TÜV unterzogen.
«Pro Jahr werden hier etwa 35 Dampflokomotiven aufgearbeitet»,
sagt Manfred Ziegerath, Sprecher des Bereichs Fahrzeuginstandhaltung
der Deutschen Bahn, die die Werkstatt in Meiningen unterhält. Die
schweren Maschinen kommen auch aus anderen europäischen Staaten -
ebenso ein Teil der Besucher. Die Mariazellerbahn aus Österreich zum
Beispiel schickte in diesem Jahr ihre «Lok 11» zur Überholung, und
auch Dampfrösser aus Norwegen und der Schweiz kamen zur Reparatur.
Martin Weinert, Maschinenbauer und Bahnfan aus Graz, ist schon zum
dritten Mal in Meiningen: «In der Werkstatt kann man die Technik der
zum Teil zerlegten Loks genau studieren, in die Kessel blicken und
Radsatzdrehbänke bestaunen.» Fachleute führen die Besucher etwa 1,5
Stunden lang durch Lokhalle, Anheizhaus und Kesselschmiede.
Noch etwa 160 betriebsfähige Dampfloks gibt es in Deutschland, in
ganz Europa sind es mehr als 500. Viele davon rollen regelmäßig zum
Check in die Kleinstadt in Südthüringen. Techniker kontrollieren hier
die Kessel, fertigen Ersatzteile, erneuern Radsätze bis zu einem
Durchmesser von 2,30 Metern, bauen moderne Sicherheitssysteme ein und
ändern - wenn gewünscht - die Spurweite. Auch werden historische
Waggons renoviert. Mehr als 100 Fachleute arbeiten in der Werkstatt.
Doch nicht nur Reparaturen stehen im Auftragsbuch. «Die erste
neue Dampflok seit fast 50 Jahren wird in Meiningen gebaut», sagt
nicht ohne Stolz der Leiter des Werkes, Jürgen Eichhorn. Der Wert
liegt bei etwa 2,5 Millionen Euro. Auftraggeber ist die
Mecklenburgische Bäderbahn (MBB) in Bad Doberan, bekannt als «Molli».
Die Gesellschaft bedient den Personennahverkehr bis Kühlungsborn mit
fast schon historischen Dampfloks und braucht Verstärkung für ihre
drei Veteranen. Im Sommer 2009 soll das neue Dampfross mit der alten
Technik die betagten Personenwagen ziehen.
Jährlicher Höhepunkt für Bahn-Touristen im Werk Meiningen sind
seit dem Jahr 1995 am ersten September-Wochenende die Dampfloktage.
Zuletzt kamen nach Angaben von Ziegerath fast 15 000 Besucher. Ein
Besuch Meiningens ist aber nicht nur wegen des Dampflokwerkes
interessant. Die ehemalige fürstliche Residenzstadt bietet ein
Theatermuseum und Kunstsammlungen in Schloss Elisabethenburg - und
damit Sehenswertes auch für die Partner von Bahnfans, die dieses
Hobby nicht so sehr begeistert.
Informationen: DB Dampflokwerk Meiningen, Am Flutgraben 2 98617
Meiningen (Tel.: 03693/85 16 02, Internet: Link: www.dampflokwerk.de).
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