Nairobi (dpa) - 02. Dezember 2008
Safari durchs «Obama-Land»: Kenia-Tourismus ist wieder im Aufwind
Lange war Robert Redford ihr Star: Einmal dem
Mann begegnen, der in «Jenseits von Afrika» den ebenso romantischen
wie kühnen Denys Finch Hatton gespielt hat, den Großwildjäger und
Liebhaber der Baronin Karen Blixen. «Das habe ich mir oft gewünscht»,
sagt Rosemary Agutu. Inzwischen schwärmt die Museumsführerin im
Karen-Blixen-Haus bei Nairobi jedoch für einen anderen Amerikaner:
«Barack Obama natürlich. Seine Wahl hat uns Riesenauftrieb gegeben»,
sagt die 26-Jährige. Auch touristisch will Kenia davon profitieren.
Nirgendwo hat der neue US-Präsident so viele Verwandte wie in dem
Land am Indischen Ozean, der Heimat seines Vaters. Rosemary kennt sie
fast alle: «Schließlich bin ich in Kogelo geboren, wo Obamas Oma
Sarah wohnt.» Kein Wunder, dass Besucher des Blixen-Hauses, in dem
die dänische Afrika-Abenteuerin einst ihrem Liebhaber bei Rotwein und
Grammophon-Musik Geschichten erzählte, mit Rosemary gern Kenias
aktuelles Lieblingsthema erörtern: Wann kommt Obama auf Staatsbesuch?
Das sei allerdings gar nicht so wichtig, sagt Ongonga Achieng:
«Der Obama-Effekt ist doch schon längst da», erklärt der Direktor der
staatlichen Kenianischen Tourismus-Agentur KTB. Fast täglich bekommt
er Anfragen von Reiseveranstaltern, die Touren ins Land der Väter des
neuen Mannes im Weißen Haus organisieren wollen. Die Angebote tragen
Namen wie «Presidential Heritage Safari» oder «Obama Wildlife Tour».
Vorboten des neuen Booms waren bereits da: Oprah Winfrey, die
US-Talkmasterin, zum Beispiel. Auch Hollywood-Star Will Smith («Men
in Black») hat sich schon umgesehen. «Nicht nur Amerikaner, auch die
Deutschen kommen wieder in größerer Zahl, genau wie Briten, Franzosen
und andere Europäer, zudem wächst die Nachfrage in China und Japan»,
sagt Achieng. «Wir können aufatmen», fügt er erleichtert hinzu. Denn
Anfang 2008 war der Tourismus - Kenias wichtigster Devisenbringer und
eine Branche mit Zehntausenden Arbeitsplätzen - zusammengebrochen.
Die Bilder der blutigen Unruhen, die Politiker im Streit um den Sieg
bei den Wahlen geschürt hatten, gingen damals um die Welt.
Doch längst herrscht wieder Ruhe in dem Land, das nicht erst seit
dem Fernsehklassiker «Daktari» oder Hollywood-Filmen wie «Hatari!»
mit John Wayne und Hardy Krüger oder «Schnee am Kilimandscharo» mit
Gregory Peck als das Safari-Land schlechthin gilt. Gebucht wird nicht
nur Badeurlaub in den gut bewachten «Ferien-Festungen» an den weißen
Sandstränden von Lamu, Malindi oder Mombasa. Längst trauen sich
Kenia-Reisende auch wieder auf die Piste und gönnen sich das Erlebnis
von Pirschfahrten in einem der zahlreichen Wildreservate.
«Drei der "Big Five" haben wir schon im Kasten», sagt der Berliner
Martin Hauptmann in der «Kilaguni Safari-Lodge» im Nationalpark Tsavo
Ost mit Blick auf den Kilimandscharo. «Löwen haben wir in der Masai
Mara fotografiert, Nashörner oben in Laikipia und die berühmten roten
Elefanten hier im Tsavo. Büffel sehen wir hier bestimmt auch noch und
mit ein wenig Glück wenigstens einen Leoparden.»
Manchmal kann die Foto-Jagd nach den «Großen Fünf» für Touristen
schon zur Obsession werden. Mit ziemlicher Sicherheit sollte sie
erfolgreich sein, wenn man mehrere Nationalparks auf die Reiseroute
setzt und in den Trockenzeiten von Dezember bis März oder von Juli
bis September auf die Pirsch geht. Dann sind die Tiere eher auf
Wasserlöcher angewiesen, die wie in der «Kilaguni-Lodge» oft direkt
vor den Balkonen der Gäste liegen. Und die Vegetation ist spärlich,
was die Beobachtung bei Pirschfahrten im Geländewagen erleichtert.
Aber auch in den für Urlauber preiswerteren Regenzeiten bietet
Kenia Afrika-Romantik pur. Zwar kann es vorkommen, dass der Sundowner
auf dem «Lions Rock» im Tsavo - einem felsigen Hügel mit bester
Rundumsicht, der abwechselnd von Löwen und Urlaubern benutzt wird -
auch außen recht feucht ausfällt. Doch auch in den Regenzeiten lässt
sich die Sonne täglich wenigstens für ein, zwei Stunden blicken.
Es ist die Zeit, in der es am Abend in den Lodges auf dem kühleren
Hochland besonders gemütlich wird, wenn der Whisky oder Gin-Tonic vor
einem prasselnden Kaminfeuer eingenommen wird - im nostalgisch
anmutenden «Mount Kenya Safari Club» zum Beispiel oder in einem der
teils sündhaft teuren, aber traumhaft eleganten privaten
Landgasthäuser. Eine der kenianischen Edelherbergen, die es immer
wieder in Kaffeetisch-Magazine wie den «Architectural Digest»
schaffen, ist das «Ngong House». Für 200 bis 400 Euro pro Person und
Nacht wird in diesen kleinen Anlagen ein Ambiente geboten, das hohen
ästhetischen Ansprüchen an eine Safari-Unterkunft gerecht wird. Auch
erstklassige Küche und ein gutes Weinangebot sind im Preis enthalten.
Für zwei bis drei Tage bietet auch die Hauptstadt Nairobi ein
durchaus interessantes Programm. Ein Besuch im Blixen-Haus ist für
viele Touristen ein Muss, ebenso wie ein Abstecher zum Tierwaisenheim
der David-Sheldrick-Stiftung. Hier werden von Wildhütern gerettete
Elefanten- und Nashorn-Babys aufgepäppelt, bis sie allein im Busch
überlebensfähig sind. Besucher können die Mittagsfütterung mit
Milchflaschen unter freiem Himmel erleben - und nebenbei so manches
über das Problem der Wilderei in Afrika erfahren.
Absolut «in» ist das «Giraffenknutschen»: Im Giraffe Centre unweit
des Nairobi-Nationalparks füttern übermütige Besucher die Langbeiner
von einer drei Meter hohen Balustrade aus mit Nährstoff-Pellets von
Mund zu Mund. Näher kann man der Zunge einer Giraffe nicht kommen -
und auch nicht ihren schönen, von riesigen Wimpern beschirmten Augen.
Erst rund 110 Jahre ist Nairobi alt. Am Anfang der Entwicklung zur
größten Metropole Ostafrikas stand der Bau der Eisenbahn von Mombasa
an der Küste bis nach Uganda. An dem Flecken, den die hier lebenden
Masai «Enkara Nyarobe» nannten, was etwa «frisches kaltes Süßwasser»
bedeutet, wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein Camp für den Bahnbau
und die meist aus Indien stammenden Arbeiter angelegt. Später
siedelte sich die Kolonialverwaltung an. Einige Geschäftshäuser in
der nach dem ersten Präsidenten Kenias benannten Jomo-Kenyatta-Avenue
im anglo-indischen Kolonialstil zeugen noch von der Gründerjahren.
Nicht zu Unrecht hatte Nairobi eine Zeit lang wegen der Gefahr von
Raubüberfällen den Spitznamen «Nairobbery». Doch die Sicherheitslage
hat sich spürbar verbessert. Lange Spaziergänge in der Dunkelheit
sind zwar nach wie vor nicht ratsam. Aber wer mit dem Taxi oder dem
Tourbus unterwegs ist, kann Nairobi auch als Nightlife-Metropole
erleben - und immer wieder wird er dabei auf Barack Obama stoßen.
Hotels wie das preiswerte «Silver Springs» versuchen, mit großen
Obama-Wandbildern für sich zu werben. In der Disco «Simba Saloon»
gleich neben dem Riesengrill-Restaurant «Carnivore» ebenso wie im
nicht minder populären Szene-Treffpunkt «Gipsy's Bar» im Stadtteil
Westlands legen DJs - auch auf vielfachen Wunsch ausländischer
Touristen - immer wieder Rap- und Reggae-Songs auf, in denen Obama
wie eine Art Schutzheiliger Kenias besungen wird.
Wem dabei zu heiß wird, der kann sich zur Abkühlung ein
«Obama-Bier» bestellen. «Die kenianische Pils-Marke "Senator" gibt es
schon eine Weile», klärt Barmann Steve im «Gipsy's» die Gäste auf.
«Früher war sie nie so populär wie etwa das "Tusker", aber als
Senator Obama zum Kampf um das Weiße Haus antrat, war "Senator"-Bier
der Renner. Nun werden sie es wohl in "President" umbenennen.»
Manchmal begegnet man in einer der Discos einer jungen
Rechtsanwältin, für die Tanzen das schönste Hobby ist. Die Zeiten, in
denen sie es ausgelassen tun konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen,
sind allerdings vorbei: Sie heißt Angela Obama, ist eine Cousine des
neuen US-Präsidenten und wird in Nairobi sofort erkannt. «Manche
meiner Klienten glauben, ich hätte dieselben Gene und könne daher
Rechtsstreits gewinnen wie er die Wahlen», erzählt Angela lachend.
«Das Obama-Image eröffnet Kenia neue Möglichkeiten», sagt sie. «Aber
wir dürfen nicht erwarten, etwas geschenkt zu bekommen.»
INFO-KASTEN: Kenia
REISEZIEL: Kenia ist ein Vielvölkerstaat am Äquator in Ostafrika.
Zwischen den «Schneebergen» Mount Kenya im Norden und Kilimandscharo
im südlich gelegenen Nachbarstaat Tansania sind Elefanten, Nashörner,
Löwen und viele andere Wildtiere zu beobachten. Ferienanlagen an den
Sandstränden des Indischen Ozeans ziehen Bade- und Tauchurlauber an.
ANREISE UND FORMALITÄTEN: Mehrere Ferienfluggesellschaften fliegen
Mombasa an, darunter die Condor (dreimal pro Woche ab Frankfurt/Main)
und die LTU (jeweils einmal pro Woche ab Düsseldorf und München). Für
die Einreise ist ein Touristenvisum erforderlich, das am Flughafen
ausgestellt wird und 50 US-Dollar (etwa 39 Euro) kostet.
KLIMA UND REISEZEIT: Kenia ist ein Reiseziel für das ganze Jahr.
Es gibt Regenzeiten von März bis Juni sowie von Mitte Oktober bis
Mitte Dezember. An der Küste herrscht Tropenklima. Im Hochland kann
es nachts empfindlich kalt werden.
ZEITUNTERSCHIED: Kenia ist Mitteleuropa um zwei Stunden voraus,
während der europäischen Sommerzeit um eine Stunde.
WÄHRUNG: Für einen Euro gibt es etwa 95 Kenia-Schilling (Stand:
Dezember 2008). Dies entspricht etwa dem Preis für einen Softdrink in
Gaststätten. Kreditkarten werden in größeren Hotels und Restaurants
akzeptiert. Banken und Wechselstellen nehmen Reiseschecks an.
SPRACHE: Englisch und Kisuaheli.
GESUNDHEIT: Ärzte empfehlen eine Malaria-Vorbeugung sowie
Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A. Je nach
Dauer und Art der Reise kann auch ein Schutz gegen Hepatitis B,
Tollwut, Typhus und Meningokokken-Meningitis A und C sowie eine
Gelbfieberimpfung sinnvoll sein.
INFORMATIONEN: Kenya Tourist Board, Schwarzbachstraße 32, 40822
Mettmann (Tel.: 02104/83 29 19, E-Mail: E-Mail: kenia@travelmarketing.de).
INTERNET: Link: www.magicalkenya.com.
|