Castries (dpa) - 03. Juli 2009
Zwischen Bananenketchup und Vulkanzwillingen: Die Insel St. Lucia
Auf Saint Lucia gedeiht so gut wie alles:
Kinder pflücken auf dem Weg zur Schule Mangos und Papayas von den
Ästen, auf den Plantagen biegen sich die Stauden unter der prallen
Last der Bananen. Und der süß-scharfe Ketchup aus der krummen Frucht
ist als Mitbringsel bei Urlaubern auf der Karibikinsel, die zu den
Kleinen Antillen gehört, ein Renner. Doch auf den Tourismus ist
inzwischen mehr Verlass als auf die Banane, die früher wichtigster
Devisenbringer war: Hotels und Restaurants am grünblauen Meer, Tauch-
und Segelschulen, Dschungeltouren zu Wasserfällen und Papageien sowie
Ausflüge zum Kraterrand der Pitons-Vulkane bringen heute mehr Geld.
/(
)/ Primita Augustin hat einen schönen Arbeitsplatz: «Das sind die
Highlights von St. Lucia», sagt die 33-Jährige und zeigt erst auf
Eiscreme, Likör, Wein, Marmelade und Ketchup - alles aus Banane. Dann
deutet sie auf die Marigot Bay, die vor ihrem luftigen «Great
View»-Shop liegt. In der von grünen Hügeln und hohen Palmen umsäumten
Bucht - vor gut 40 Jahren Kulisse für «Dr. Doolittle» und später für
andere Filme - schaukeln mehrere Segelboote.
/(
)/ Etliche Segler aus den USA und Europa fanden Marigot Bay und St.
Lucia, das nur 173 000 Einwohner zählt, so attraktiv, dass sie
blieben. Einige der gut 20 Deutschen, die auf der ursprünglichen
Insel zwischen Regenwald und Stränden leben, haben im Tourismus eine
Nische entdeckt. «Im Rollstuhl zum Kraterrand? Kein Problem», sagt
Dieter Lehmann, der ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammt. Mit
seinem kleinen Unternehmen «Tropical Dreams» hilft er Behinderten aus
aller Welt, die Reize St. Lucias zu entdecken - zum Beispiel beim
Tauchen und beim Fischerdorffest, bei Vulkan- und Regenwaldausflügen.
/(
)/ Die Designerin und Künstlerin Uta Lawetz, die im Raum Stuttgart
aufwuchs, bietet Natur und Geschichte: Ihre Gäste im «Balenbouche
Estate» schlafen in Häuschen zwischen Mandelbäumen, Leguanen, einer
verwitterten Zuckermühle und Tonresten aus der Zeit
vorkolumbianischer Ureinwohner. «Wir sind Ökolodge, organische Farm
und offizielles nationales Kulturerbe der Insel», sagt die Deutsche.
/(
)/ Künstler und Geldadel nächtigen bei Karolin Troubetzkoy aus Bayern
und ihrem Ehemann Nick, einem russisch-kanadischen Architekten. Die
Suiten im «Jade Mountain» haben weder Fenster noch Frontwand. Vom
Bett schweift der Blick über den Zimmerpool aufs Meer und weiter auf
die zwei Pitons. Im Inselwesten ragen die Gipfel von Gros Piton und
Petit Piton mehr als 800 Meter hoch aus dem Karibikmeer. Sie zählen
zu den am meisten fotografierten Attraktionen der Antillen.
/(
)/ Die Insulaner sind auch stolz auf ihr Bildungssystem und ihre zwei
Nobelpreisträger: William Arthur Lewis (1915-1991) erhielt ihn 1979
für Ökonomie, Derek Alton Walcott 1992 für Literatur. Ihre Büsten
stehen auf dem Walcott Square in der Hauptstadt Castries in der Nähe
eines gut 400 Jahre alten riesigen Samaan-Baums und der Kathedrale.
/(
)/ Bedeutung auf der Insel hat auch der «Jacquot»: Mit pfiffigen
Ideen und Umweltkampagnen konnte dieser Papagei, den es nur in St.
Lucia gibt, vor Jägern und der Ausrottung geschützt werden. Heute
fliegt er nicht nur im Regenwald, sondern schmückt auch T-Shirts,
Sticker, den Reisepass der Insulaner sowie Reggae- und Calypso-Songs.
Informationen: Saint Lucia Tourist Board, c/o A.R.T. Marketing,
Eckenheimer Landstraße 483, 60435 Frankfurt (Tel.: 069/89 00 90 81,
Internet: Link: www.stlucia.org).
/(
)/[Inselhauptstadt]: Castries, St. Lucia
[Bucht]: Marigot Bay, St. Lucia
[Berggipfel]: Pitons, St. Lucia
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